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Update: 19.01.2017, 17:42 Uhr

Kasperltheater

"Es bleibt keine Zeit zum Kind sein"




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Von Arian Faal

  • Manfred Müller, Chef des Urania Puppentheaters, über den Wandel der Zeit am Beispiel des sozialpädagogischen Auftrages der Kasperl-Figur.


© Wiener Urania Puppentheater © Wiener Urania Puppentheater

Wien. An die Medienwelt in den 1980er Jahren werden sich noch viele erinnern: Einer der wichtigsten Fragen der Woche: Was macht J.R.? Die Antwort darauf gab es jeden Dienstag um 21.07 Uhr, FS 2 in "Dallas". Sonntags, 21.07 Uhr, FS 2, "Dynasty", und jeder sprach am nächsten Morgen über Alexis und Co. Brigitte Xander sagte den Ö3-Wecker an, Heinz Conrads lud mit seinen legendären Worten "Guten Abend, meine Damen, guten Abend, meine Herren, guten Abend die Madln, servas die Buam" zu "Guten Abend am Samstag". Staberl polterte täglich in der "Kronen Zeitung" und im Kinderprogramm bezauberten Ingrid Riegler, Ingrid Erkyn und Bernadette Schneider in "Am dam des" nicht nur die Kinder, sondern auch die Väter. Und der Kasperl musste wöchentlich gegen Bösewichte aller Art kämpfen.

Veränderte Medienwelt
35 Jahre später sieht die Medienwelt anders aus: Armin Wolf und Donald Trump twittern, Facebook, YouTube, WhatsApp und Google haben den klassischen Medien TV, Radio und Printmedien viel Aufmerksamkeit abgerungen und "Am dam des", "Dallas" und "Dynasty" sind längst Geschichte. Nur der Kasperl hält sich noch in der Kommerz- und Stressgesellschaft im Wien des Jahres 2017.


Warum das so ist, erklärt ein Urgestein der Wiener Kasperlszene, der Chef des Urania Puppentheaters, Manfred Müller. Seit 1973 ist er dabei und leitet das Ensemble seit dem Tod der Familie Kraus in der 90er Jahren. "Ich sage Ihnen, warum der Kasperl nach wie vor begeistert. Heute ist er der, der den Raum der Kindheit besetzt", erklärt er. "Nun sind die Kinder Halberwachsene und in einem Korsett der Zeit gefangen. Es bleibt keine Zeit zum wirklich Kind sein. Die wurde beschränkt auf die paar Jahre im Kindergarten", ergänzt der Puppen-Maestro.

Früher gab es viele Anbieter von Puppentheatern in Wien, allein im ORF wechselten sich viele Gruppen wie etwa das Arlequin-Ensemble, die Watzinger-Truppe, das Urania-Puppentheater und die Familie Kindler ab. "Wir kannten uns alle und es gab ein freundschaftliches Verhältnis, doch viele, wie etwa Arminio Rothstein als Habakuk, sind mittlerweile verstorben", schildert der Experte.

Doch auch der Kasperl musste sich ändern. "In den 1980er Jahren war noch ein sehr starker pädagogischer Ansatz des Kasperls vorhanden. Er war als halbbraves Kind ein Vorbild, und genau das hat sich mit dem Gesellschaftsbild gewandelt", erzählt Müller.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-01-19 16:53:05
Letzte Änderung am 2017-01-19 17:42:02


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