• vom 21.03.2008, 16:51 Uhr

Stadtleben


Vorwürfe gegen chinesische Botschaft in Wien




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  • Tibeter soll nach Demo misshandelt worden sein.
  • Attaché weist Vorwürfe zurück
  • (bau) Die chinesische Botschaft in Wien sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Ein Exil-Tibeter ist am Donnerstag bei einer Demonstration auf den Balkon der Botschaft geklettert und hat eine chinesische Fahne durch eine tibetische ersetzt. Daraufhin ist er von Botschaftsangehörigen ins Innere der Vertretung gezogen worden sein. Was sich dort dann abspielte, darüber gibt es verschiedene Versionen:

Der Demonstrant Tso Tashi gibt in einem der "Wiener Zeitung" vorliegenden Protokoll an, gefesselt und mehr als eine Viertelstunde lang "verprügelt" worden zu sein. Tso: "Eine Person hat mir mit der Faust ins Gesicht geschlagen, eine mit einem Stock auf den Rücken." Daraufhin sei er gefesselt und auf den Boden geworfen worden, woraufhin sich mehrere Personen auf seinen Rücken stellten. "Ich war nicht imstande, normal zu atmen. Außerdem wollte man mich zwingen, eine Flüssigkeit zu trinken." In der Folge sei er "mindestens zwanzig Mal" geschlagen worden.


Erst nach einer halben Stunde wurde Tso der Wiener Polizei übergeben. Tso wurde mittlerweile beim Amtsarzt der Polizei sowie im AKH untersucht. Entsprechende Atteste würden seine Verletzung belegen, sagt der Verein "Save Tibet", der auch die Demo gegen die gewaltsame Niederschlagung der Unruhen im von China besetzten Tibet organisiert hat.

"Eine reine Lüge"

Chinas Presseattaché Liu Chang weist diese Anschuldigungen als "reine Lüge" sowie "unverständlich und unverschämt" zurück. "Eine ärztliche Untersuchung wird feststellen, dass er nicht geschlagen wurde." Dass man den Mann gefesselt habe, sei jedoch korrekt, denn "er war sehr stark". Zudem habe man ihn nicht unverzüglich der Polizei übergeben können, da der Eingang von Demonstranten besetzt war. Bei der Polizei bestätigt man, dass die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt. Allerdings sei eher fraglich, ob Österreich zuständig ist, denn die Botschaft ist exterritoriales Gebiet. "Das muss die Justiz klären", so ein Polizeijurist. Nachsatz: "Das sind keine hierzulande üblichen Gepflogenheiten."

Aber nicht nur die mögliche Misshandlung wurde angezeigt, auch gegen den Tibeter laufen Ermittlungen wegen "Herabwürdigung staatlicher Symbole" sowie Sachbeschädigung.

Das Außenministerium will den Vorfall gemeinsam mit dem Innenministerium prüfen. Zu den nachträglich bekannt gewordenen Misshandlungsvorwürfen kann man derzeit noch nicht Stellung nehmen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2008-03-21 16:51:03
Letzte Änderung am 2008-03-21 16:51:00


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