Wien. Die "Wiener Zeitung" war gerade drei Jahre alt, als dieser wiederentdeckte und am Mittwoch präsentierte Plan im Jahr 1706 gezeichnet wurde. Er enthält die erst kurz zuvor finalisierte Stadtmauer. In einem separaten Index sind zudem die Grundeigentümer verzeichnet.

Die Darstellung der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt wurde im Auftrag von Kaiser Josef I. erstellt, wie Kartensammler und Besitzer Stefaan Missinne bei der Vorstellung in der Bezirksvorstehung Innere Stadt erläuterte. Ausgeführt wurde die 58,8 x 53,3 Zentimeter große Reinzeichnung mit Feder und Aquarellfarben. Sie kann dem italienischen Oberstleutnant Leandro Anguissola di Piacenza und dem Hofmathematiker Giacommo de Marinoni zugeordnet werden. Dargestellt sind in der Innenstadt 32 Kirchen beziehungsweise Klöster, 15 Straßen, 25 Gassen, 34 Gässchen und elf Märkte. Auch die Basteien und Tore der Stadtbefestigung sowie der Hafen sind eingezeichnet. Teile der Vororte - etwa Leopoldstadt, Rossau, Spitelberg (sic) oder Leimgruben - sind ebenfalls abgebildet.

Der beiliegende Index listet die Verwendung der Gebäude beziehungsweise ihre Besitzer auf, wobei die Familiennamen zum Teil italienisiert wurden. Laut Missinne ist die Kombination von Plan und Index aus dieser Zeit einzigartig. Ältere Versionen seien bisher nicht bekannt.

Das Register gibt etwa darüber Auskunft, wo die Montecuculis, Coloredos, Furtanos oder Palfijs residierten. Wo der erste Kaffeehausbesitzer, ein Armenier namens Teodato (auch: Deodato), wohnte, weiß man nun ebenfalls: Nicht in der Rotenturmstraße, wo sich sein Lokal befand, sondern in der Leopoldstadt.