In Wien hingegen sind Akutmaßnahmen ungebräuchlich. Es gibt auch keinen Feinstaubalarm. Obwohl es technisch einfach machbar wäre, so etwas einzurichten. So hätten die Wienerinnen und Wiener die Möglichkeit, ihr Verhalten an die aktuelle Situation anzupassen. Zwar sind detaillierte Daten über Luftverschmutzung und Feinstaub auf den Webseiten von Umweltbundesamt und Magistrat aufzufinden. Bürgerfreundlich ist das jedoch nicht. Mit winzigen Sternchen in langen Tabellen wird auf mögliche Gesundheitsgefahren hingewiesen.

Besser steht Wien bei den langfristigen Maßnahmen da. Hier punktet die Stadt bei der Parkraumbewirtschaftung und beim öffentlichen Verkehr (auch mit der 365-Euro-Jahreskarte). Die Verkehrsberuhigung geht hingegen eher langsam vonstatten. Als wären die politischen Kräfte der rot-grünen Stadtregierung mit der Mariahilfer Straße erschöpft, gibt es kaum Initiativen, den Kfz-Verkehr einzuschränken. Schon der Versuch, Fahrspuren zu reduzieren - etwa beim Umbau des Schwedenplatzes - löst Proteststürme seitens der Autofahrerclubs und der Stadtopposition aus.

Gegenteiliger Weg: Wien treibt Lobau-Tunnel voran


Mitunter geht Wien sogar den gegenteiligen Weg. Trotz Protest von Seiten der Umweltschützer und Anrainer treibt die Stadt den Bau des Lobau-Tunnels und die Errichtung weiterer hochrangiger Straßenverbindungen voran.

In Wien ist auch keine Rede von einem Diesel-Verbot. Die österreichische Rechtslage privilegiert die besonders giftigen Motoren weiterhin mit Steuerzuckerln. Insgesamt lobt eine im Februar veröffentlichte und in der "Presse" zitierte Untersuchung dreier US-amerikanischer Forscher aber die Wiener Verkehrspolitik. Sie streicht deren Vorbildwirkung auch für US-Städte heraus. Gerade die - im Vergleich zu anderen europäischen Städten - Gemächlichkeit der Maßnahmen zur Reduktion des Autoverkehrs erschien den Studienautoren nachahmenswert. Die Studie wurde allerdings von der Volvo-Stiftung finanziert.