• vom 27.02.2017, 09:56 Uhr

Stadtleben

Update: 27.02.2017, 10:14 Uhr

Gründerzeit

Für den Abbruch gereift




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Von Thomas Pressberger

  • Ein Wiener Gründerzeithaus soll der Abrissbirne zum Opfer fallen, um dessen Erhalt jahrelang gekämpft wurde.

Selber Architekt, selbes Baujahr, unterschiedliche Instandhaltung: Gründerzeithäuser am Bauernmarkt. Das rechte wird nun abgerissen.

Selber Architekt, selbes Baujahr, unterschiedliche Instandhaltung: Gründerzeithäuser am Bauernmarkt. Das rechte wird nun abgerissen.© E. Schimek Selber Architekt, selbes Baujahr, unterschiedliche Instandhaltung: Gründerzeithäuser am Bauernmarkt. Das rechte wird nun abgerissen.© E. Schimek

Wien. Jahrelang kämpften Mieter, Anrainer und Denkmalschützer um den Erhalt des Hauses Bauernmarkt 21, ein Teil eines vierteiligen Ensembles aus der Gründerzeit. Letztlich waren die Bemühungen vergeblich, dieser Tage wurde mit den Abbrucharbeiten begonnen, womit ein weiteres Gründerzeitjuwel Wiens unwiederbringlich verloren geht.

Wie so etwas heute im ersten Bezirk noch möglich ist, können sich Denkmalschützer, Architekten und Anrainer nicht erklären. Es sei offensichtlich gezielt auf die Verwahrlosung hingearbeitet worden, meinen Denkmalschützer. "Anlässlich der Zwangsversteigerung 2002 hat ein zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung das Objekt zwar als generalsanierungsbedürftig bezeichnet, dem Gebäude selbst aber eine Restnutzungsdauer von 80 Jahren attestiert", sagt Markus Landerer, Vorstandsmitglied des Vereins Initiative Denkmalschutz. Jeder habe gesehen, dass die Fenster offengelassen wurden, inoffiziell wurde noch zahlreiche weitere Missstände berichtet.


"Nachschärfung wäre gut"
Dass in Wien viel zu viel Gründerzeithäuser unnötig abgerissen werden, sei bekannt, doch dieser Fall sei einer der unfassbarsten der vergangenen Jahre. "Der Abriss findet mitten in einer Schutzzone statt, noch dazu im Unesco-Weltkulturerbe, und das unter der Wahrnehmung der Öffentlichkeit", sagt Landerer. Aufgrund der prominenten Lage des Gebäudes habe in den vergangenen zehn Jahren jeder gewusst, was hier ablaufe, und trotzdem seien die Verantwortlichen, in erster Linie die Stadt Wien, nicht eingeschritten. Die Intransparenz der Baupolizei sei unhaltbar. Diese sei wie eine Blackbox, deren Entscheidungen nicht überprüft werden könnten. Außerdem mache es der Gesetzgeber zu leicht, schützenswerte Häuser abzureißen.

"Eine Nachschärfung der Bauordnung wäre gut", sagt Landerer. "Auffallend ist, dass es sich um ein Ensemble von vier ähnlichen Häusern vom selben Architekten handelt und die anderen drei in bestem Zustand sind", sagt Denkmalschutzexperte Gerhard Hertenberger. In dieser Gegend des ersten Bezirks sei das historische Stadtbild noch sehr intakt, da es wenig Kriegsschäden gab. Ein Neubau würde hier wie ein Fremdkörper wirken.

Hertenberger fordert, das künftig alle Gutachten offengelegt werden müssen. Nicht selten entstehe ein "Gutachterkrieg", in dem es Gutachten und Gegengutachten gebe, auch Gefälligkeitsgutachten seien keine Seltenheit. "Wenn Gutachten nicht mehr dem Amtsgeheimnis unterliegen würden, könnten NGOs einhaken."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-02-27 10:00:06
Letzte Änderung am 2017-02-27 10:14:35


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