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Update: 18.03.2017, 15:06 Uhr

Norouz

"Es duftet nach Eid"




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Von Arian Faal

  • Persischsprachige Community feiert iranisches Neujahrsfest ausgiebig in Wien - bei Clubbings und in Restaurants.

Der "7-Sin" (Sieben "S"-Tisch) darf zu Norouz in keinem iranischen Haushalt fehlen. - © Getty/Cheriss May

Der "7-Sin" (Sieben "S"-Tisch) darf zu Norouz in keinem iranischen Haushalt fehlen. © Getty/Cheriss May

Wien. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in diesen Tagen in Wien viele Menschen in der U-Bahn sehen, die einen Goldfisch gekauft haben und den Plastikbeutel mit dem Fisch in der Hand halten. Es handelt sich mit größter Wahrscheinlichkeit um jemanden aus der über 25.000 Personen zählenden farsisprachigen Community der Stadt, die am kommenden Montag 1396, also ihr neues Jahr, in Farsi Norouz oder Eid, feiern (siehe Kasten). Für das Fest dient der Goldfisch als Inbegriff des Lebens. Durch den Flüchtlingszustrom in den vergangenen Jahren sind es heuer besonders viele, die das Norouzfest zelebrieren. Neben Persern, Afghanen, Kurden und Syrern feiern unter anderem auch die Kasachen und Turkmenen sowie die Armenier und Menschen aus Pakistan das Eid-Fest.

Haft-Sin-Tisch im Mittelpunkt
"Für das Norouz-Fest muss alles genau geplant werden", erzählt Azadeh Sharghian, die heuer wieder ein kleines Fest für Asylwerber, die niemanden haben, organisiert. "Das wichtigste Merkmal ist der Haft-Sin-Tisch. Sieben in Farsi mit ,S‘ beginnende Dinge in bunten Farben hauchen jeder iranischen Wohnung frühlingshafte Energie ein", erzählt sie. Die Hyazinthe (Sombol) mit ihrem unwiderstehlichen offensiven Duft, die Mehlbeere (Senjed), ein Gefäß mit Essig (Serke), die Münze (Sekke), der Apfel (Sib), das Grünzeug (Sabze) und das Gewürz Somagh, werden auf einem dekorierten Tisch mit Keksen, bemalten Eiern, einem Spiegel, einer schönen Ausgabe des Koran oder eines edlen Bandes des Dichters Hafez, Goldfischen im Glas, einer Uhr und Blumen aufgestellt.


Wochenlange Vorbereitungen
Diese Gegenstände sind sehr bewusst ausgewählt und symbolisieren alle etwas Besonderes. Das Leben, die Freude, die Fruchtbarkeit, die Selbsterkenntnis, das blühende Leben, das Wachstum und die Natur.

Mit dem Tisch allein sei es aber nicht getan, erklärt Azadeh Sharghian weiter.

Vorbereitungen für Norouz beginnen schon Wochen davor: Neue Kleidung, Lebensmittel und mitunter auch neue Möbel müssen gekauft werden. Obligatorisch ist auch der Frühjahrsputz vor Jahreswechsel. Am letzten Mittwoch vor dem Jahreswechsel wird das "Chahar Shanbeh Souri", eine Art Feuerfest begangen. Im Freien springt man über eigens gelegte Lagerfeuer.

"Sie haben hier den Karpfen zu Weihnachten und auch wir essen am Neujahrstag Fisch. Nur ist es bei uns meist ein geräucherter Fisch aus dem Persischen Golf oder des Kaspischen Meeres oder etwa eine Forelle", sagt sie. Dazu wird edler Safran-Basmatireis mit Kräutern (Sabzi-Polo) und ein Gemüseauflauf (Kuku-Sabzi) serviert. Norouz symbolisiert für die Perser aber auch die Wertschätzung. Man besucht Verwandte und feiert ausgelassen das Leben, Süßspeisen und Kekse, iranische Pop-Musik aus Los Angeles, etwa von Ebi und Homeyra, und der Duft von Frühlingsblumen und Esfand (persischer Weihrauch) komplettieren das Ambiente für ein perfektes Norouz-Fest. Übrigens: Geschenke gibt es natürlich auch, nur statt dem Weihnachtsmann singt und musiziert in der iranischen Kultur der "Haji-Firouz", ein junger Mann in einem roten Gewand und mit schwarz bemaltem Gesicht, der für die Armen Geld sammelt. "Es ist schon richtig, dass wir in diesen Tagen viel in Restaurants gehen und auch Clubbings besuchen, aber nichts ersetzt das Beisammensein zuhause", unterstreicht Sharghian. "Es duftet nach Eid und das ist so schön", ergänzt sie.

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Schlagwörter

Norouz, Iran, Neujahr

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-17 16:44:05
Letzte ńnderung am 2017-03-18 15:06:50



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