Wien. (afm) Es ist Mittwoch, kurz vor 16 Uhr. Nähert man sich dem Ballhausplatz von der Hofburg aus, deutet höchstens der gehisste Union Jack am Bundeskanzleramt auf den hohen Besuch hin. Knapp eine Stunde bevor Prinz Charles und Ehefrau Camilla zum Auftakt ihres Wien-Besuchs von Bundespräsident Alexander Van der Bellen samt Ehefrau Doris Schmidauer und danach von Kanzler Christian Kern empfangen werden, scheint das Medieninteresse deutlich höher als jenes der wenigen Zuschauer, die vor Ort sind.

Aber der Schein trügt. "Wir waren vorhin beim Demel, da war vor lauter Leuten kein Durchkommen", erzählt Brigitte Wörmann. Kein Wunder, denn dort ließ sich der Prince of Wales, dessen Konvoi kurz nach 16 Uhr die Innenstadt erreichte, zeigen, wie man Sachertorten bäckt.

Wörmann ist mit ihrem Mann Franz extra für den Besuch der Royals aus Oberbayern angereist. "Wir waren selbst schon 20 Mal in England und haben Prinz Charles auch einmal die Hand schütteln dürfen", erzählt sie.

Vorbildliche Royals


Für die beiden Pensionisten hat die britische Monarchie Vorbildwirkung und Beständigkeit. "Da weiß man, woran man ist und wer einen vertritt. Nicht wie ein Präsident, der das Amt nur fünf Jahre behält und den wir in Deutschland nicht einmal direkt wählen dürfen", betont Franz Wörmann.

Auf dem Ballhausplatz wird die Menschenansammlung indes größer. Auch viele Touristen haben sich hierher verirrt, wie eine junge Reisegruppe aus Paraguay. "Wir haben die Polizei und die Kameras gesehen und als es hieß, der Prinz kommt, wollten wir uns das anschauen", erzählt einer der Reisenden, Lukas.

Dann sprechen den Autor dieser Zeilen zwei Damen mittleren Alters auf Englisch an und fragen, was los sei. Als sie hören, dass Charles und Carmilla zu Besuch kämen, hellen sich ihre Gesichter freudig auf. Clementine und Penny sind nämlich britische Touristinnen aus der Nähe Londons. Die beiden warten dann hinter der Absperrung auf die Royals.

"Ich finde es sehr schön, dass sich so viele Leute für den Besuch interessieren", meint Clementine mit Blick auf die Zuschauer. Die Minuten vergehen, der Platz wimmelt von Fernsehteams und Schaulustigen, aber keine Royals weit und breit. "Come on, Charlie Boy!", hört man Penny scherzhaft sagen. Clementine erklärt, dass derartige Besuche in England viel strikter ablaufen. "Dort kommen sie immer punktgenau an." Die Exekutive hält sich auch vor Ort genauso bedeckt wie im Vorfeld. Bekommt man von Beamten noch die Auskunft, dass der Konvoi via Schauflergasse eintreffen werde, fahren die Wagen dann gegen 17 Uhr doch über die Löwelstraße.

Lächeln und Winken


Erst ist nur Prinz Charles’ Hand zu sehen, die aus dem Autofenster winkt. Nachdem das Monarchenpaar seine Limousine verlassen hat, geht es nach kurzem Händeschütteln mit einigen Zuschauern direkt in die Hofburg zum Präsidialempfang. Und der dauert so lange, dass draußen das Gerücht kursiert, Charles und Camilla würden das Bundeskanzleramt für den Anschlussbesuch über den unterirdischen Gang betreten. "Aber das machen sie sicher nicht, das wäre unfair den Leuten gegenüber", meint eine Zuschauerin. Um 17 Uhr 45 verlassen die Royals die Hofburg unter lautem Jubel. Während die Duchess of Cornwall winkend in ihrer Limousine abfährt, betritt Charles das Kanzleramt - umringt von Presse und Polizei. Nach diesem kurzen Vergnügen leert sich der Platz so schnell, wie er sich gefüllt hat. "Ich fand es trotzdem sehr erhebend", freut sich Sonja Hycl, die mit ihrer Tochter Birgit herkam. "Die britische Monarchie strahlt Tradition und Würde aus, was sich der ein oder andere in Österreich vielleicht auch wünscht", meint sie.

Heute, Donnerstag, stehen für das Monarchenpaar noch eine Philharmonikerprobe im Musikverein, ein Besuch bei einem Bioheurigen sowie eine Visite in der Spanischen Hofreitschule an.