• vom 12.04.2017, 11:35 Uhr

Stadtleben

Update: 12.04.2017, 12:18 Uhr

Architektur

In die Stadt gesteckt




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Von Bernd Vasari

  • 42 Jahre alt und gut sichtbar. Ins Bewusstsein der Wiener hat es der Arsenalturm trotzdem nicht geschafft.

Im Gegensatz zu seinem Zwilling - dem Donauturm - bleibt der Arsenalturm der Öffentlichkeit verschlossen.

Im Gegensatz zu seinem Zwilling - dem Donauturm - bleibt der Arsenalturm der Öffentlichkeit verschlossen.© A1 Telekom Austria Im Gegensatz zu seinem Zwilling - dem Donauturm - bleibt der Arsenalturm der Öffentlichkeit verschlossen.© A1 Telekom Austria

Er ist das fünfthöchste Gebäude der Stadt. 155 Meter ragt er in den Himmel. Trotzdem kennt ihn kaum jemand. Dabei ist er eigentlich nicht zu übersehen. Weder wurde er an einer versteckten Stelle im Wienerwald errichtet, noch geht er unter im Hochhäusermeer der Skyline auf der Donauplatte. Dort, wo er steht, erreicht kein Gebäude auch nur annähernd seine Größe. Warum hat er es also in den 42 Jahren seines Bestehens nicht in das Bewusstsein der Wiener geschafft? Wenn sein Name fällt, klingelt es bei den wenigsten. Arsenalturm? Noch nie gehört!

Türme, wie den Arsenalturm im 3. Bezirk, gibt es in einer Vielzahl von Städten. Ab den Sechziger Jahren stampften sie die Kommunen aus kommunistischen und kapitalistischen Böden. In Ost-Berlin, wo er auf dem Alexanderplatz steht, oder in Toronto wurden sie sogar zu Wahrzeichen. Die Bauweise ist immer die selbe. Ein dutzende Meter langer, grauer Schaft aus Stahlbeton führt zu ufoartigen Geschoßen.

Stets verschlossen

In Wien gibt es gleich zwei dieser Wolkenkratzer. Doch anders als der Donauturm mit seinem sich drehenden öffentlichen Restaurant und Aussichtsplattformen, blieb das Betriebsgeschoß des Arsenalturms für die Wiener stets verschlossen.

Wie ein Staatsgeheimnis hütet die Besitzerin A1 Telekom Austria den Turm. Eine Besichtigungsanfrage der "Wiener Zeitung" beantwortet die Pressestelle mit: "Hier gibt es nichts zu sehen". Auf Nachfrage, ob man zumindest Informationen über den Turm bekommen könnte, wird ein Mail mit zwei Presseaussendungen zugesandt. Sie sind vier und neun Jahre alt.

Aus ihnen geht hervor, dass der Turm das größte Datencenter von Telekom Austria beherbergt. Die Aussendungen sind gespickt mit kaum zu fassenden, abstrakten Zahlenmengen: 600 Millionen Mails im Ausmaß von 50 Terabyte würden jeden Monat verwaltet und 300 Millionen Spams und Viren gefiltert werden. Die Gesamtbandbreite des Datacenters würde rund 500 Gigabit pro Sekunde betragen. Seit September 2006 habe zudem auch das digitale Fernsehen DVB-T (Digital Video Broadcast Terrestrial) am Arsenalturm einen Sendestandort. Es sind Informationen, die den Turm noch farbloser machen, als er ohnehin schon ist.

Erbaut wurde der Arsenalturm als fernmeldetechnische Schaltstelle. Bis 2001 liefen alle Programme des ORF für Fernsehen und Radio auf ihrem Weg zum Küniglberg zu den einzelnen Sendern über den Funkturm.

Die perfekte Kreuzung

Nur in seltenen Momenten wird der Turm wahrgenommen. Vor allem dann, wenn er im Weg steht. Noch bevor man ihn fertig baute, jammerten die Wiener. Seine Sichtbarkeit vom Schwarzenbergplatz würde das Stadtbild verunstalten, kritisierten sie. Auch beim Blick auf die orientalische Fassade des Heeresgeschichtlichen Museums stört der Turm. So als hätte ihn jemand in das Haus hineingesteckt, ragt er scheinbar aus dem Dach heraus. Dabei wirkt er wie eine Parodie auf das von Ringstraßenarchitekt Theophil Hansen kunstvoll gestaltete Museum.

Doch es gibt einen Platz, an dem sich der Turm perfekt in das Stadtbild fügt. Hier steht er ikonenhaft am Horizont. Die Häuser auf beiden Seiten der Straße wirken wie Flanken, die ihm den Weg weisen. Es ist ein Ort, der wie geschaffen ist für den Turm. Ein Ort, wo seine ganze Pracht zur Geltung kommt und wo er seine Umgebung nicht negativ beeinträchtigt oder verunstaltet.

Es ist die Kreuzung von Rennweg und Landstraßer Hauptstraße. An den Ausläufern der Stadt gelegen, dominieren Beton und viel Verkehr auf den zusammenkommenden, mehrspurigen Straßen. In Sichtweite befindet sich die auf Stelzen geführte Stadtautobahn Tangente. Es ist keine Prachtstraße, wo der Arsenalturm als Blickfang ins Bild passt. Doch, wo sollte er sonst zur Geltung kommen, wenn nicht an einer Kreuzung, die grau und unbekannt ist.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-12 11:37:29
Letzte Änderung am 2017-04-12 12:18:57


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