• vom 19.04.2017, 19:40 Uhr

Stadtleben

Update: 03.05.2017, 11:30 Uhr

Arbeitsbedingungen

Des Müllers strenge Regeln




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Von Arian Faal

  • Einschüchterungen und Kontrollen beim Drogerie-Riesen Müller - Schikanen gegen Mitarbeiter gehen weiter.

Drogerie-Kette in Schräglage: Eigentümer Erwin Müller lehnt Betriebsrat weiterhin ab.

Drogerie-Kette in Schräglage: Eigentümer Erwin Müller lehnt Betriebsrat weiterhin ab.© Moritz Ziegler Drogerie-Kette in Schräglage: Eigentümer Erwin Müller lehnt Betriebsrat weiterhin ab.© Moritz Ziegler

Wien. Die Kontroversen rund um die Mitarbeiterführung des deutschen Drogeriemarktes Müller gehen in die nächste Runde. Nach Medienberichten über Taschenkontrollen vor Kunden, geheimen Spindchecks und kurzfristigen Diensteinteilungen sowie Unregelmäßigkeiten beim Dienstzeitnachweis und bei der Urlaubseinteilung (die "Wiener Zeitung" berichtete) hat das Unternehmen offenbar weiter Druck auf seine Mitarbeiter ausgeübt. Für GPA-Wien-Chefin Barbara Teiber, die mit vielen betroffenen Müller-Mitarbeitern in engem Kontakt ist, zeigt sich vor allem in vielen großen Wiener Filialen ein tristes Bild: "Das Betriebsklima an einigen Standorten ist wirklich katastrophal. Es gibt Freunderlwirtschaft und die Mitarbeiter werden zum Teil eingeschüchtert und sind verängstigt", sagt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Die Gewerkschaft GPA-djp hatte Mitte Februar Briefe an die in Österreich rund 2800 Müller-Beschäftigten verschickt, um sie über ihre Arbeitsbedingungen zu befragen. Mehr als 300 Mitarbeiter antworteten auf die zwölf Fragen, teilweise gespickt mit seitenlangen persönlichen Briefen, in denen die Bedingungen bei der deutschen Kette geschildert werden. "Was wir hier nach wie vor sehen, sind unzumutbare Methoden. Man könnte sogar von einem Führungsstil sprechen, der nicht in unser Jahrhundert passt", ergänzt Teiber.


Gleichzeitig ist sie stolz darauf, dass das Engagement der Gewerkschaft offenbar erste Auswirkungen zeigt. "Wir konnten beobachten, dass einige Arbeitsverträge verändert wurden und Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt reduziert wurden. Außerdem wird derzeit das Thema Mehrstunden thematisiert", so die Gewerkschafterin. Einer anderen Mitarbeiterin sei gesagt worden, dass Herr Müller ihr Ausscheiden akzeptiere, denn "Reisende soll man nicht aufhalten".

Missstände gibt es aber laut GPA nach wie vor. Und die Unternehmensspitze, genau genommen Erwin Müller, der 85-jährige Eigentümer, habe überhaupt kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit Gewerkschaften. "Wir haben ihm angeboten, die Fragebögen zu besprechen, doch wir sind auf taube Ohren gestoßen", erzählt Teiber. Eine der Mitarbeiterinnen, die aufgrund der Missstände gekündigt hatte, verfasste vor ihrem Ausscheiden noch einen ausführlichen Brief an den Chef, in dem sie auf die fatalen Zustände aufmerksam macht. Als Antwort bekam sie von Müller persönlich lediglich einen Satz: "Wenn Sie das alles so sehen, dann ist es besser, Sie suchen sich einen gesundheitstauglicheren Job."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-19 19:45:06
Letzte nderung am 2017-05-03 11:30:05



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