• vom 17.05.2017, 17:30 Uhr

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Update: 18.05.2017, 10:54 Uhr

Ausstellung

"Es bleibt so ein wehmütiges Gefühl"




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Von Alexia Weiss

  • Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnete Dienstagabend die Schau "Kauft bei Juden!" im Jüdischen Museum Wien.

Wien. "Mazel tov" gratulierte Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske am Dienstagabend im Jüdischen Museum Wien dem eben zum Vizekanzler designierten Justizminister Wolfgang Brandstetter. Beide waren anlässlich der Ausstellung "Kauft bei Juden!" ins Museum gekommen, die von Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnet wurde.

"Es bleibt so ein wehmütiges Gefühl", war das erste, was Van der Bellen in seiner Eröffnungsrede festhielt, nachdem er von Museumsdirektorin Danielle Spera und Kuratorin Astrid Peterle durch die Schau geführt worden war. Die Ausstellung lässt durch die Anmutung von Geschäftsportalen aus einer Zeit, als in Österreich noch ein Kaiser regierte (Kaiser Franz Joseph I. ist im Zug einer Fronleichnamsprozession am Kaufhaus Rothberger am Stephansplatz vorbeiziehend auch am Plakatsujet für die aktuelle Ausstellung zu sehen), den Besucher, die Besucherin tatsächlich in die Vergangenheit eintauchen.


"Man würde sich gerne erinnern, dass das Entstehen und Verwelken und Versinken von Kaufhäusern etwas Normales ist. Aber so war es hier nicht", betonte der Bundespräsident. Der Niedergang der Wiener jüdischen Kaufhauskultur sei vielmehr eine Folge der Nationalsozialisten und ihrer Politik. Das werde klar, wenn man sich die Geschichte der Rothbergers, der Zwiebacks, der Dichters ansehe, so Van der Bellen.

"Die Stephanskirche liegt gegenüber dem Rothberger"
"Der Rothberger ist doch überhaupt ein Wiener Begriff, nach dem sich der Fremde direkt orientieren kann. Denn wo liegt die Stephanskirche? Gegenüber dem Rothberger", schrieb Ludwig Hirschfeld 1927 in seinem Wien-Reiseführer. Wenn man heute nach Spuren dieses imposanten Kaufhauses im Herzen der Stadt sucht, ist nichts geblieben.

Wehmut und Nostalgie waren denn auch die Ingredienzien, mit denen Spera die Eröffnung der Ausstellung "Kauft bei Juden!" gestaltete. Zum Auftakt spielte Theo Lieder eine Melodie von Hermann Leopoldi auf dem Akkordeon. Zum Ausklang stimmte er das Lied "Die letzte Blaue" von Willi Engelberger an - für den aus Los Angeles angereisten Walter Arlen, wie Spera betonte. Der Enkel der Familie Dichter, die in Ottakring das gleichnamige Warenhaus geführt hatte, sang in Kindertagen gerne, auf der Buddel stehend, genau dieses Lied.

Während die Dichters ihre Waren in der Vorstadt feilboten, war das Kaufhaus Zwieback um Eleganz bemüht. Die Maison Zwieback befand sich auf der Kärntner Straße - auf der Mariahilfer Straße gab es eine Filiale. Die Fassade dieser Zweigstelle ist auf einem groß aufgezogenen Foto im ersten Raum der Schau zu sehen, die Straßenszenerie zeigt zudem einen jüdischen Straßenhändler. Fast fühlt man sich, vor dieser Schwarz-Weiß-Aufnahme stehend, mitten im Wien von vor 100 Jahren.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-17 17:36:14
Letzte nderung am 2017-05-18 10:54:03



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