• vom 29.05.2017, 17:01 Uhr

Stadtleben

Update: 29.05.2017, 20:20 Uhr

Wildtiere

Bewohner, nicht bloß Besucher




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Von Alexander Maurer

  • In der Stadt leben mehr Wildtiere, als man erwarten würde.

Auch wenn es auf diesem Bild anders wirkt: Die Zweibeiner sind in der Stadt nicht unter sich.  - © www.wienerwildnis.at

Auch wenn es auf diesem Bild anders wirkt: Die Zweibeiner sind in der Stadt nicht unter sich.  © www.wienerwildnis.at

Ungestörtes Äsen auf einem Wiener Friedhof.

Ungestörtes Äsen auf einem Wiener Friedhof.© www.wienerwildnis.at Ungestörtes Äsen auf einem Wiener Friedhof.© www.wienerwildnis.at

Wien. Die besonders dreisten Nachbarn sind nicht nur neugierig, sie durchwühlen nachts den Müll und knabbern einem sogar die Autoelektronik an. Man kann ihnen aber kaum böse sein, immerhin sind sie so süß und flauschig. Die Rede ist hier natürlich nicht von Herrn Kowalski von nebenan, sondern von Wildtieren wie Fuchs, Marder, Schlange und Dachs. Sie haben Wien längst zu ihrem Revier auserkoren, leben in Parks und Wohnanlagen oder kommen nur aus den umliegenden Waldgebieten zu Besuch.

Meist läuft das Zusammenleben harmonisch, wen stören denn schon beispielsweise zwei Enten auf einem Grünstreifen vor dem Meidlinger Europlatz? Bei größeren Tieren kann es jedoch problematisch werden. Samstagabend trieb ein ausgewachsener Keiler auf einem Spielplatz in der Donaustadt sein Unwesen, attackierte Kinder, die aber rechtzeitig weglaufen konnten. Nach gescheiterten Fangversuchen wurde das Tier von der Polizei erschossen. Auch ein Reh, dass Sonntagnachmittag im Stadtpark aufgescheucht wurde, hatte weniger Glück. Bevor die Feuerwehr es fangen konnte, wurde es am Ring überfahren.


Stadt attraktiver als Wald
"Das Wiener Stadtgebiet war ursprünglich komplett Lebensraum von Wildtieren. Viele Wildtiere versuchen immer noch, ihren ehemaligen Lebensraum für sich zu nutzen", erklärt Richard Zink, Wildtierökologe am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der veterinärmedizinischen Universität Wien im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Viele Tiere seien aber keine bloßen Besucher. Denn der Lebensraum Stadt sei oftmals auch ein attraktiverer Ort als das Umfeld.

"Verwinkelte Strukturen mit Häuserschluchten, Gärten, Grünanlagen und Gewässern sind viel reicher strukturiert als beispielsweise die Monokultur der Landwirtschaft im Marchfeld oder ein Wald, in dem es nur ein oder zwei Baumarten gibt", betont Zink. Mauersegler, Turmfalken und Schwalben bauen ihre Nester bevorzugt an Hauswänden oder in Dachstühlen. Außerdem sei es in der Stadt wärmer als im Umland, was ebenso Arten anziehe, die sonst nur in mediterranen Räumen zu finden seien. "Das Weinhähnchen beispielsweise, eine kleine Grillenart, kann man an Sommerabenden in der Stadt zirpen hören. Im Umland ist es oft viel seltener zu finden", erklärt Zink.

Aber auch größere Säugetiere wissen sich geschickt in der Stadt zu verstecken. Denn was viele Menschen nicht wissen: Einige Arten wie Füchse und Dachse sind keine Besucher, sondern dauerhafte Stadtbewohner. Sie leben in Wien, verteidigen ihr Revier und ziehen ihre Jungen groß. Im Zuge dessen passen sie sich auch an die städtischen Lebensgewohnheiten an und gewöhnen sich an den Mensch als direkten Nachbar. "Es gibt beispielsweise Untersuchungen, die zeigen, dass Füchse stark befahrene Straßen nur zu den Hauptverkehrszeiten meiden, weil sie wissen, dass es besonders gefährlich ist", erzählt Experte Zink. Da viele Wiener oft wenig Kontakt zur Natur haben, ist das Interesse umso größer, ein Wildtier zu beobachten, wenn man ihm im Park oder in der Siedlung begegnet.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-29 17:05:06
Letzte nderung am 2017-05-29 20:20:56




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