• vom 17.07.2017, 19:55 Uhr

Stadtleben

Update: 17.07.2017, 22:03 Uhr

Prozess

Lebenslang für Kopfstiche




  • Artikel
  • Kommentare (7)
  • Lesenswert (276)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Afghane stach 22-Jähriger in Wien-Währing fünf Mal in den Kopf, nachdem sie sich getrennt hatten.



Wien. Zu lebenslanger Haft ist am Montagabend ein 27-jähriger Afghane von einem Wiener Schwurgericht verurteilt worden, nachdem er seiner Ex-Freundin in Währing fünf Mal mit einem Klappmesser in den Kopf gestochen hatte. Die 22-Jährige überlebte wie durch ein Wunder, ist aber seither halbseitig gelähmt und ein Pflegefall.

Der Schuldspruch wegen versuchten Mordes fiel einstimmig aus. "Für eine solch brutalste und auf grausame und heimtückische Weise begangene Tat kann nur mit der Höchststrafe vorgegangen werden", legte Richter Georg Olschak in der Urteilsbegründung dar. In die Strafbemessung seien auch generalpräventive Erwägungen eingeflossen: "Es muss ein für alle Mal klar gestellt werden, dass man so mit Frauen in Mitteleuropa nicht umgeht."


Die Rechtsvertreterin der Betroffenen, Irene Oberschlick, die sich dem Strafverfahren angeschlossen hatte, bekam ein Schmerzengeld von 50.000 Euro zugesprochen. Zudem haftet der Afghane für zukünftige Folgeschäden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Verteidigung meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Die Bluttat hatte sich am 12. Juli 2016 an der U-Bahn-Station Währinger Straße ereignet. Der Angeklagte war eigenen Angaben zufolge als Musiker und Poet vor den Taliban nach Österreich geflüchtet, wo er der um fünf Jahre jüngeren Frau, mit der er entfernt verwandt ist, als Verlobter vermittelt wurde. Die Verlobung scheiterte allerdings, weil der Mann, der sich in Wien als Hilfsarbeiter verdingte, die von der Familie der jungen Frau geforderten 11.000 Euro nicht aufbringen konnte. Die beiden Afghanen führten daher eine heimliche Beziehung, die sich zusehends verdüsterte, weil die Lebensstile der zwei immer mehr auseinanderdrifteten.

Musterbeispiel für Integration
Während der Mann zu arbeiten aufhörte, von der staatlichen Fürsorge lebte und sich hochprozentigem Alkohol und Cannabiskraut hingab, holte die junge Afghanin den Schulabschluss nach, ließ sich zur Kindergärtnerin ausbilden, besuchte eine Fahrschule und am Abend einen Englisch-Kurs. Außerdem legte sie das Kopftuch ab. Die Staatsanwältin bezeichnete ihren Werdegang als "Musterbeispiel einer gelungenen Integration".

"Sie hat sich vorgestellt, in Österreich ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Der Angeklagte hat ihren Traum zerstört", berichtete Opfer-Vertreterin Oberschlick.

Nachdem sie ihrem Freund mitgeteilt hatte, dass sie sich von ihm trennen werde, passte dieser die 22-Jährige mit bereits gezücktem Klappmesser ab. Zuvor hatte der Angeklagte seiner "Zweitfreundin", die er an einem Ziegelteich am Wienerberg kennengelernt hatte ("Sie war betrunken, ich war high. Wir haben gekuschelt") per SMS angekündigt, er werde die 22-Jährige töten, weil diese ihn "verarscht" hätte.

"Ich denke, ich bin schuldig, weil, ich fast einen Menschen umgebracht habe. Zum Glück hat sie es überlebt", meinte der Angeklagte. Die 22-Jährige ist mittlerweile in der Lage, mit Hilfe einer Krücke langsam, aber doch und vor allem ohne fremde Hilfe zu gehen.




Schlagwörter

Prozess, Mord, Lebenslang

7 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-07-17 20:00:03
Letzte nderung am 2017-07-17 22:03:05



Vor Gericht

"Die Männer haben sich eine ausgesucht"

Die Frauen hätten freiwillig als Prostituierte gearbeitet, meint der Hauptangeklagte. Laut Anklage wurden sie dazu gezwungen. - © Getty/Drenner Wien. Ein Menschenhändler soll Herr H. sein. 77 junge Frauen aus China hat seine Bande laut Anklage mit falschen Versprechungen von Herbst 2011 bis... weiter




Vor Gericht

Prozess um chinesische Sexstudios

Die Frauen wurden laut Anklage zur Prostitution gezwungen, damit sie ihre angeblichen "Schulden" abbezahlen. - © getty/Edward Holub Wien. Wurden die jungen Frauen ausgebeutet? Zwang man sie zur Prostitution? Oder arbeiteten sie freiwillig? Um diese Fragen drehte sich am Dienstag... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Und sie läuft und läuft . . .
  2. Stadt Wien schickt 6-Jährige allein durch die Stadt
  3. "Die Tiere sind Teil der Familie"
  4. Zuerst die U4, zuletzt die U5
  5. Schmäh mit gutem Gewissen
Meistkommentiert
  1. "Wir wollen 2033 auf dieser Bahn fahren"
  2. Grüne Wirtschaftskrise
  3. Stadt Wien schickt 6-Jährige allein durch die Stadt
  4. Forum gegen Antisemitismus beklagt Allzeithoch
  5. Ludwig tritt am 24. Mai die Nachfolge von Häupl an

Werbung


Tradition

Bröckelnde Nostalgie

Das Café Sperl läuft - noch - gut. - © Stanislav Jenis Wien. Sie gehören zu Wien wie der Stephansdom, das Riesenrad und das imperiale Erbe mit den Ringstraßenbauten: die traditionellen Kaffeehäuser... weiter




Weltraumforschung

"Es ist wie Lego für Große"

Die Kugelform und die Anordnung der Segel sorgen dafür, dass die starken Mars-Stürme kein Problem darstellen. - © privat Wien. Während sich Moritz Stephan, Julian Rothenbuchner und Stefan Rietzinger im kalten Wien auf die bevorstehende Matura vorbereiten... weiter




Krapfen

Krapfenmacher seit 1486

Anpatzgarantie für Ungeübte: Der Krapfen gehört zum Wiener Fasching wie die Pummerin zum Steffl. - © fotolia Wien. Er ist rund, süß und meistens ist man bereits nach dem ersten Bissen voll mit Staubzucker und Marmelade. Der Krapfen ist aus dem Fasching nicht... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter





Tiere in Wien

Kleines Kamel im Schnee

20180222Vikunja - © Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky Wien. Am Samstag hat im Tiergarten Schönbrunn ein Vikunja das Licht der Welt erblickt. "Vikunjas sind die kleinste Kamelart... weiter




Tiergarten Schönbrunn

"Oscars der Panda-Welt" gehen an den Wiener Tiergarten

++ HANDOUT ++ "OSCARS DER PANDA-WELT" AN TIERGARTEN SCH...NBRUNN VERGEBEN - © APAweb / Daniel Zupanic Wien. Die Pandas in Schönbrunn locken nicht nur zahlreiche Besucher in den Wiener Tiergarten, sie sind nun auch international ausgezeichnet worden... weiter






Werbung


Werbung