• vom 14.08.2017, 06:00 Uhr

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Update: 15.08.2017, 16:33 Uhr

Zauberer

Die Vielfalt der Zauberkünstler




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Von Clemens Marschall

  • Nach wem wurde der Robertsonweg (seit 1975) im 22. Bezirk benannt? Magier und Wiener Straßenbezeichnungen.

Eine Gruselkammer, von Robertson eingerichtet, wurde 1798 zur Sensation in Paris.

Eine Gruselkammer, von Robertson eingerichtet, wurde 1798 zur Sensation in Paris.© Kadotheum Eine Gruselkammer, von Robertson eingerichtet, wurde 1798 zur Sensation in Paris.© Kadotheum

Wien. "Zauberkünstler waren schon immer sehr experimentierfreudig und haben zahlreiche Versuche gemacht: mit Heißluftballon, Film, und sämtlichen anderen neuen wissenschaftlichen und physikalischen Erkenntnissen", sagt Robert Kaldy-Karo, Begründer des Instituts Kadotheum, einem wissenschaftlichen Archiv der Zauberkunst im 2. Bezirk in Wien. Er blättert in einem alten Zauberbuch, in dem über Étienne-Gaspard Robert berichtet wird, der in Wien als Stephan Kaspar Robertson bekannt wurde.

Robertson kam 1763 in Lüttich zur Welt, hatte Theologie studiert und sollte eigentlich Priester werden, war aber auch als Autor und Herausgeber pseudowissenschaftlicher Bücher tätig. Er hatte außerdem einige Apparate konstruiert, etwa "Le Phonorganon": eine Automatenfigur, die 200 französische Wörter sprechen konnte.


Robertson baute des Weiteren ein optisches Trickgerät, das "Phantascope", mit dem er optische Projektionen erzeugen konnte, und eine Audio-Täuschung namens "The Invisible Girl", die in ganz Europa gezeigt wurde. Dabei wurden Fragen, die man in ein Horn flüsterte, das mit einem aufgehängten Glaskästchen verbunden war, von einer unsichtbaren Frau beantwortet.



Das Gerät befand sich in einem einsichtbaren Gitterkäfig, als Beweis, dass dort niemand versteckt war. Die Dame befand sich schlicht in einem Nachbarraum, ihre Stimme wurde über ein Röhrensystem zu den Zuschauern übertragen. Laut dem Zauberhistoriker und Hobbymagier Henry Ridley Evans lehrte Robertson in Liège Physik und nannte sich Professor. "Das machten damals so ziemlich alle Zauberkünstler", zuckt Robert Kaldy-Karo mit den Schultern. "Doch das Besondere an Robertson war, dass er einen neuartigen Fallschirm mit größerer Spannweite konstruierte, wodurch der Schirm langsamer zu Boden flog. Dem ging voraus, dass Robertson bei der französischen Armee gedient hatte, als ‚Commandant des Aérostiers‘. Er leistete damals exzellente Dienste, die Feindbewegungen von Ballons aus zu observieren."

Geistererscheinungen
und Feuereffekte

1798 wurde er zur Sensation in Paris, als er seine einzigartige "Phantasmagoria" präsentierte: zuerst beim Pavillon de l’Echiquier, dann bei der verlassenen Kapelle eines Kapuzinerklosters. Dieser von Grabsteinen und Mausoleen umgebene Ort konnte für seine Vorführungen nicht besser passen, und Robertson richtete dort eine Gruselkammer mit zahlreichen Totenköpfen und geheimnisvollen Symbolen ein, um das morbide Klima noch zu unterstreichen.

Diese obskure Kulisse nutzte er für seine Geistererscheinungen, die er mittels einer Laterna Magica erzeugte. Dazu wurden von seinen Assistenten laute Geräusche, Musik und Feuereffekte produziert. Horroreffekte, wie sie das legendäre Grand Guignol Theater in Paris Jahrzehnte später ebenso zeigen sollte. Mittels Hohlspiegeln und Projektionslaternen ließ Robertson Bilder von Voltaire, Jean-Jacques Rousseau, Maximilien Robespierre, Georges Danton und Jean Paul Marat auf einer nicht wahrnehmbaren Leinwand erscheinen.

Als Höhepunkt kündigte er schauderhaft den Sensenmann an und ließ diesen dann in Blitz und Rauch auftauchen. Kaldy-Karo sagt: "Das war meiner Meinung nach die erste Geisterbahn ähnliche Vorführung, auch wenn man nicht gefahren, sondern in einem zum Ort passenden Chorgestühl gesessen ist."

Robertsons Palette war vielfältig: 1803 stellte er in Hamburg mit einer Montgolfière - also einem der ersten Heißluftballons - einen Höhenrekord auf. Nach einer ausgedehnten Gastspielreise, die ihn bis nach Russland brachte, kam er am 8. Oktober 1804 als "Professor Robertson" in den Prater, wo er "durch sein Auffliegen Geld und Beyfall davontrug", wie in Hans Pemmers "Der Prater" (1935) zu lesen ist.

"Er ließ einen Fallschirm nieder, welcher ein lebendes Tier unbeschädigt zur Erde brachte. Ein großes Segel, das an einem kleineren Ballon befestigt war, diente ihm zur Leitung. Er erreichte um drei viertel sechs - sein Flug hatte um viertel sechs begonnen - 700 Klafter Höhe und landete hinter Korneuburg. Am 29. Oktober wurde der Fallschirmversuch durch Michaud wiederholt, der aus ‚ansehnlicher Höhe‘ absprang."

Robert Kaldy-Karo fügt noch hinzu: "Étienne-Gaspard Robert ist nur selten selbst vom Ballon abgesprungen, weil er Angst vor Verletzungen hatte. Neben Michaud ist er auch noch eine geschäftliche Partnerschaft mit Monsieur Petchi, einem geschickten Handwerker, eingegangen, der meistens für seinen Chef die Knochen riskiert hat und mit dem Fallschirm abgesprungen ist."

Zusammenarbeit mit
der Stuwer-Dynastie

"Robertson stand dabei am Boden und kommentierte das Geschehen." 1811 kam Robertson erneut in den Prater und stieg mit seinem Ballon von der Feuerwerkswiese auf. Dabei hatte er mit Johann Georg Stuwers Sohn Kaspar Stuwer zusammengearbeitet, war doch die Stuwer-Dynastie nicht nur berühmt für ihre Feuerwerksaufführungen, sondern auch für ihre Ballonflüge.

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Schlagwörter

Zauberer, Robertsonweg, Donaustadt

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-08-15 16:27:13
Letzte Änderung am 2017-08-15 16:33:07


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