• vom 06.09.2017, 16:36 Uhr

Stadtleben

Update: 12.09.2017, 13:54 Uhr

Mahnmal

Schienen in den Tod




  • Artikel
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexia Weiss

  • Heute wird auf dem Gelände des ehemaligen Aspangbahnhofs das Denkmal für die von dort in der NS-Zeit rund 47.000 Deportierten eröffnet.

Das Denkmal besteht aus zwei Betonsträngen und einem Betonquader. - © PRINZpod

Das Denkmal besteht aus zwei Betonsträngen und einem Betonquader. © PRINZpod

Wien. Zwei Betonstränge, die wie Schienen anmuten, führen in eine schwarze Box. Dass hier Assoziationen mit einem überdimensionierten Sarg aufkommen, ist gewollt. "Man soll es verstehen - selbst, wenn man sich nicht damit auseinandersetzen will", erläutert Brigitte Podgorschek vom Künstler-Duo Prinzpod. Im Rahmen von Kör - Kunst im öffentlichen Raum, haben Prinzpod ein rund 30 Meter langes Denkmal für die insgesamt 47.035 in der NS-Zeit vom damaligen Aspangbahnhof deportierten Menschen geschaffen, das ab nun diesen Platz visuell beherrschen wird.

In dem Kubus wird es vollkommen dunkel sein, betont Podgorschek. Auf der Box können - wie bereits bisher auf dem 1983 auf dem Gelände platzierten kleinen Gedenkstein - Steine abgelegt werden, wie dies im Judentum im Andenken an die Toten auch auf Friedhöfen üblich ist. Eingraviert wird in dem Mahnmal zudem neben der Zahl der Deportierten auch die Zahl der Überlebenden: Es waren nur 1073, etwas über zwei Prozent.


Bevor Prinzpod sich an den Entwurf des Denkmals machten, tauchten sie, so tief es ging, in die Geschichte des Ortes ein. 1939 wurden von hier zwei Züge mit jüdischen Verfolgten in Richtung Osten geschickt. Das Gros der Deportationen fand aber von 1941 bis 1942 statt. Der erste von in diesem Zeitraum insgesamt 45 Zügen verließ am 15. Februar 1941 Wien in Richtung Pulawy in Polen.

Bis dahin hatten die 996 Menschen, die an diesem Tag aus ihrer Heimat deportiert wurden, bereits Schlimmes erlebt. Sukzessive waren sie in Wien aus ihren Wohnungen vertrieben, dann in Sammelwohnungen zusammengepfercht und schließlich in ein Sammellager in der Leopoldstadt verbracht worden.

"Dieses Ausmaß an geplanter Grausamkeit und Bösartigkeit hat uns doch überrascht", betont Podgorschek. "Man ist einfach fassungslos." Doch auch sie weiß: "Aber das war noch nicht das Schlimmste, das ist ihnen erst danach begegnet."

Altstadt von Opole wurde 1940 in ein Ghetto umgewandelt
Die 996 Menschen, die am 15. Februar 1941 ihre Reise antraten, landeten laut einer Arbeit des Historikers Winfried Garscha schließlich in Opole Lubelskie. Dort lebten zu der Zeit bereits 7000 Jüdinnen und Juden, darunter 2500 Vertriebene aus der Kreisstadt Pulawy. 1940 wurde die Altstadt von Opole in ein Ghetto umgewandelt - es wurden Baracken errichtet und selbst eine Synagoge in ein Massenquartier umgewandelt. In das bereits überfüllte Ghetto kamen nun zunächst die 996 Juden aus Wien und nur elf Tage nach dem ersten Transport ein weiterer mit 1049 Menschen. Zudem wurden immer wieder polnische Juden nach Opole verbracht.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-06 16:42:10
Letzte Änderung am 2017-09-12 13:54:06


Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter




Vor Gericht

Der vergessene Patient

Die Tür zum Zimmer von M. stand immer offen, hinein ging die Heimhilfe aber kaum. - © stock.adobe.com Wien. Als die Sanitäter kamen, war Herr M. nicht mehr ansprechbar. Verwahrlost lag er im verschmutzten Bett der Ehewohnung... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Das große Teilen auf der Straße
  2. "Ich bin ein Einzelkämpfer"
  3. Der allerzweckloseste Zweckbau von Pötzleinsdorf
  4. Die Gras-Greißler
  5. Wien soll 2027 Zwei-Millionen-Stadt werden
Meistkommentiert
  1. Wien soll 2027 Zwei-Millionen-Stadt werden
  2. Shoah-Gedenkmauer fix
  3. Nichts zu machen?
  4. Jetzt schon vorweihnachtlich
  5. Zu schnell für den Gehsteig

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Wien

Lichterbaum am Christkindlmarkt

Lichterbaum am Christkindlmarkt Wien. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser haben am Samstagabend am Wiener Rathausplatz mit der...

Fahrrad

"Ich bin ein Einzelkämpfer"

"Ich bin ein Einzelkämpfer" Wien. Vielleicht beginnt man eine Wohnungsbesichtigung bei Michael Strasser am besten am WC. Dort erhält man einen schnellen Überblick darüber...




Werbung