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Update: 09.09.2017, 10:47 Uhr

Tag der offenen Tür

Moderne jüdische Kunst & Co




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Von Alexia Weiss

  • Am Sonntag lädt die Israelitische Kultusgemeinde Wien zum Tag der offenen Türen.

Rund 4000 Interessierte besuchen jedes Jahr die IKG in der Seitenstettengasse. - © Luisa Puiu

Rund 4000 Interessierte besuchen jedes Jahr die IKG in der Seitenstettengasse. © Luisa Puiu

Wien. Die beliebten Konzerte unter anderem mit Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und Oberkantor Shmuel Barzilai im Stadttempel wird es auch heuer wieder geben, ebenso wie die Synagogenführung mit Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister. Der diesjährige Tag der offenen Türen in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien am kommenden Sonntag wartet aber auch mit neuen Programmpunkten auf: Der Ausstellung "Maria Theresia, die Juden und ihre Zeit" sowie einer Pop-up-Galerie, die Arbeiten zeitgenössischer jüdische Künstler und Künstlerinnen aus Wien zeigt.

Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) ging nicht für ihre judenfreundliche Politik in die Geschichte ein, sagt die Historikerin Tina Walzer. Sie kuratierte die Schau über die Habsburgerin und ihr schwieriges Verhältnis zu Juden. Unter ihrer Herrschaft mussten zur besseren Überwachung der Steuerpflicht alle Untertanen Familiennamen tragen. "Ihre Administration nutzte die Stimmung dazu aus, Juden zum Teil unbeschreibliche Spottnamen aufzuzwingen", erzählt Walzer. Das hatte langfristige Auswirkungen: Mit diesen Namen fielen Juden auf, "selbst in den anonymen Massengesellschaften der Metropolen Anfang des 20. Jahrhunderts waren sie als Zielscheiben antisemitischer Verfolgungen leicht auszumachen".

Andererseits führte sie die harsche antijüdische Politik eines ihrer Vorgänger, Kaiser Leopold I. (1640-1705), der die Zweite Wiener jüdische Gemeinde 1670 aus Wien vertrieben hatte, nicht fort. Ihr Sohn und jahrelanger Mitregent, Kaiser Joseph II. (1741-1790), holte schließlich mit seiner von der Aufklärung geprägten Toleranzpolitik 1783 Juden wieder nach Wien zurück und ermöglichte so das Entstehen der Dritten Wiener jüdischen Gemeinde.

Tina Walzer bietet im Rahmen des Tages der offenen Türen aber auch noch einen anderen Blick in die Vergangenheit. Am Jüdischen Friedhof Währing führt sie zu den bedeutendsten Grabdenkmälern, erzählt aus den Geschichten der Familien, zeigt aber auch die architektonische Vielfalt des Areals. Die IKG richtet hier einen Shuttleservice vom Schwedenplatz zum Friedhof ein. Gleichzeitig findet in Währing an diesem Tag auch ein Freiwilligentag statt - wer mithelfen möchte, dem Bewuchs der historischen Gräber Einhalt zu gebieten: Werkzeug und Handschuhe werden zur Verfügung gestellt.

Der Währinger Friedhof war von 1784 bis in die 1880er Jahre die Hauptbegräbnisstätte der Wiener jüdischen Gemeinde - historisch gesehen der dritten. Der Nationalsozialismus brachte den nächsten Einschnitt, die heutige jüdische Gemeinde ist also die vierte in Wien. Deren amtierender Präsident Oskar Deutsch - die nächste Wahl des Kultusvorstands findet im November statt - führte in seiner Präsidentschaft die Tage der offenen Türen ein, um zu zeigen, "dass der einzige Unterschied zwischen jüdischen und nichtjüdischen Österreichern die Religion ist".

Konzerte und Schmankerln

Rund 4000 Interessierte besuchen seitdem jedes Jahr die Räumlichkeiten in der Seitenstettengasse. Besonders beliebt sind neben den Konzerten - heuer ist auch der Philharmoniker Shkelzen Doli mit seinem Ensemble zu Gast - zudem die Informationsstände zu den jüdischen Speisevorschriften, zum jüdischen Jahreskreislauf sowie die koscheren Schmankerln, so Mitorganisatorin Milli Segal. Besucht werden kann auch die Bibliothek des Jüdischen Museums, die sich in der Seitenstettengasse befindet.

An das Festival der Jüdischen Kultur im Frühsommer, das jüdischen Künstlern in einer Ausstellung die Präsentation ihrer Werke ermöglichte, will die Vorsitzende der Kulturkommission der IKG, Claudia Prutscher, nun mit einer Pop-up-Galerie anschließen. Die Schau in den Räumlichkeiten des Simon-Wiesenthal-Instituts am Rabensteig ist als Verkaufsausstellung konzipiert. Mitwirkende Künstler und Künstlerinnen sind Jacob Atlas, Dvora Barzilai, Shira Ehlers, Andrew M. Mezvinsky, Roy Riginashvili, Daniel Shaked und Gioia Zloczower. Barzilai gehört bereits zu den arrivierten Künstlerinnen, sie schuf Skulpturen für den öffentlichen Raum (etwa am Areal des AKH), sie ist aber auch als Malerin aktiv. Shaked machte sich unter anderem mit Fotografien, welche die Hip-Hop-Szene dokumentieren, einen Namen, bildet aber auch viel jüdische Lebenswelt ab. Roy Riginashvili schafft kalligraphische Gemälde, die Segenssprüche, Gebete oder Tora-Stellen aufgreifen.

Tag der offenen Türen in der IKG:

Sonntag, 10. September 11 Uhr bis 17 Uhr, Seitenstettengasse 4, 1010 Wien Einlass bis 16 Uhr, bitte einen Lichtbildausweis mitbringen.





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Dokument erstellt am 2017-09-08 16:45:06
Letzte Änderung am 2017-09-09 10:47:16


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