Schärding. Schärding ist in Österreich vor allem für zwei Dinge bekannt: Milchprodukte und Hochwasser. 2015 war Schärding aus einem ganz anderen Grund groß in den Medien. Hunderte Flüchtlinge kamen in das Städtchen, um zu Fuß über die Alte Innbrücke nach Neuhaus am Inn in Deutschland zu gelangen. Das war zu einem Zeitpunkt, als die Solidarität mit Geflüchteten in Österreich groß und die Grenzen noch offen waren. Jetzt, zwei Jahre später, wird der Ort wieder mit der Thematik konfrontiert.

Vom 15. bis zum 17. September wird in Schärding der Carneval of Fear, der Karneval der Ängste, stattfinden. Es ist ein kostenloses, interkulturelles Festival zum Thema Angst, von einem Wiener Künstlerkollektiv initiiert und mit Schärdingerinnen gemeinsam geplant. Mit Tanztheater, Konzerten, Fußballtraining, gemeinsamen Frühshoppen am Stadtplatz und Diskussionen wagt man sich an das Sujet. Denn was passiert, wenn plötzlich viele ortsfremde Menschen kommen und einige auch bleiben? Welche Ängste produziert das auf beiden Seiten und welche Chancen können daraus entstehen? Es ist ein urbaner Diskurs, den man versucht, in die Provinz zu tragen. Was in der Stadt oft auf ganz natürliche Weise durch Berührungspunkte in der Straßenbahn, durch Kulturcafés und Studenteninitiativen stattfindet, soll hier produziert werden. Wenn man so will, ist es eine positive Konfrontation.

Zwei Welten


Vor einem Jahr kam der Künstlerin Natalie Ananda Assmann die Idee, genau dort ein Festival zu organisieren, wo 2015 zwei Welten aufeinandertrafen: Die Kriegsflüchtlinge, deren Häuser zerbombt worden waren, und die Schärdinger, die hinter zartrosa und mintgrün getünchten Barockfassaden wohnen. Assmann und ihr Team möchten diese neuralgischen Punkte in der Stadt inhaltlich neu kodieren. "Wir nehmen für drei Tage die Stadt ein", sagt Assman.

Ein Ort wird zur Bühne


Während 2015 hunderte Menschen in Karawanen langsam die Alte Innbrücke passierten, aßen Hotelgäste 4-Gänge-Menüs beim Gugerbauer auf der Terrasse, mit Blick auf den Fluss. Dieses Jahr soll dort eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Neues Oberösterreich" stattfinden, wo sich Kulturschaffende, Menschenrechtler und der Vizebürgermeister von Schärding zusammensetzen. Der Schlosspark wird zur Bühne für die oberösterreichische Künstlerin Madam Humtata und für die kurdische Sängerin Sakina Teyna umfunktioniert.