• vom 25.09.2017, 18:44 Uhr

Stadtleben

Update: 26.09.2017, 14:03 Uhr

Wienwoche

Buchstabenschütteln im verwaisten Lokal




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Valentine Auer

  • Das Projekt "Nach Geschäftsschluss. Wiener Leerstandsanagramme" macht im Rahmen der "Wienwoche" auf Leerstand, Strukturwandel und Zwischennutzung in Wien aufmerksam.

Künstlerin Natalie Deewan setzt mit Wortspielen den Leerstand in Wien in Szene.

Künstlerin Natalie Deewan setzt mit Wortspielen den Leerstand in Wien in Szene.© Benjamin Storck Künstlerin Natalie Deewan setzt mit Wortspielen den Leerstand in Wien in Szene.© Benjamin Storck

Wien. Keine Putzerei mehr. Stattdessen "Pure Zeit". "Aber heute wirkst du links" statt der Bildhauerei Kunststeinwerk.

Es sind Beispiele davon, was uns leerstehende Geschäftslokale und deren ausgedienten Reklameaufschriften tatsächlich sagen wollen. Zumindest, wenn es nach der Künstlerin und Schrift-hin-und-her-Stellerin Natalie Deewan geht. Im Projekt "Nach Geschäftsschluss. Die Wiener Leerstandsanagramme" klopft sie ehemalige Geschäftslokale in Wien auf ihre versteckten Aussagen ab, bringt die Buchstaben der Aufschriften durcheinander und re-arrangiert sie schließlich nach Rücksprache mit Eigentümer und Mieter auf der Fassade. Ein Projekt im Rahmen der Wienwoche, das Leerstand und Strukturwandel thematisieren will.


Anagramme wie "Schwule First" statt "Fleisch Wurst"
"Die Idee selber ist nichts Neues", sagt Natalie Deewan zur "Wiener Zeitung". Bereits im Mostviertel hat sie sich auf die Suche nach Aufschriften aufgelassener Geschäfte gemacht. Doch so gut klappte es dort nicht. Scheinbar wollte dort niemand Anagramme wie "Schwule First" statt "Fleisch Wurst" auf dem Geschäftslokal einer ehemaligen Metzgerei lesen. Daher hat sie das Projekt mit Hilfe des Kulturfestivals "Wienwoche" in die Stadt geholt.

Während der Recherche hieß es dann viel herumlaufen - und vor allem schnell sein. Immer wieder kam es vor, dass ein eben noch leerstehendes Geschäftslokal kurze Zeit später wieder genutzt wurde. So wurde aus dem ehemaligen "Orientteppich"-Geschäft durch die Hilfe Deewans kurzzeitig ein "Perception Hit", jetzt ist eine Bäckerei in diesem Lokal.

"Was macht dieser schnelle Wandel mit einem Grätzel? Was macht Leerstand mit einer Stadt? Was passiert, wenn Traditionsbetriebe verschwinden?" "Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen soll die Wahrnehmung von Wien, von einem Grätzel schärfen", erklärt Ula Schneider. Sie ist nicht nur Initiatorin des Festivals "Soho in Ottakring", sondern auch Teil von "Kreative Räume Wien - Büro für Leerstandsaktivierung". Und: Sie wird einen der drei Rundgänge des Projektes "Wiener Leerstandsanagramme" begleiten und sich dort mit eben diesen Fragen auseinandersetzen.

Aufwertung durch
kreative Zwischennutzung

Auch Schneider’s Kollege Thomas Kerekes begrüßt das Projekt, da die Themen Leerstand und Strukturwandel humoristisch bearbeitet werden sollten. Allzu oft würde Leerstand, gerade in der Erdgeschoßzone, nur negativ konnotiert sein, bedauert Kerekes: "Für viele ist Leerstand ein Zeichen, dass etwas nicht mehr funktioniert, dass Wien nach unten geht. Aber Leerstand ist auch eine Ressource für andere, für neue Gewerbe, für neue Gedanken, für neue Handlungsmechanismen", sagt Thomas Kerekes.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Wienwoche, Leerstand, Anagramm, Kunst

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-25 18:48:06
Letzte nderung am 2017-09-26 14:03:06




Weltraumforschung

"Es ist wie Lego für Große"

Die Kugelform und die Anordnung der Segel sorgen dafür, dass die starken Mars-Stürme kein Problem darstellen. - © privat Wien. Während sich Moritz Stephan, Julian Rothenbuchner und Stefan Rietzinger im kalten Wien auf die bevorstehende Matura vorbereiten... weiter




Krapfen

Krapfenmacher seit 1486

Anpatzgarantie für Ungeübte: Der Krapfen gehört zum Wiener Fasching wie die Pummerin zum Steffl. - © fotolia Wien. Er ist rund, süß und meistens ist man bereits nach dem ersten Bissen voll mit Staubzucker und Marmelade. Der Krapfen ist aus dem Fasching nicht... weiter




Bürgerbeteiligung

"Es ist noch nichts entschieden"

Gemeinsam an einem Tisch diskutierten Anrainer, Planer, Experten und Politiker in Mariahilf über Umgestaltungskonzepte. - © Diva Shukoor Wien. Es ist kurz vor 18 Uhr im Haus der Begegnung Mariahilf. Der Veranstaltungssaal ist bereits gut gefüllt, die Mitarbeiter des Planungsbüros Zwopk... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter






Werbung


Werbung