• vom 19.10.2017, 16:34 Uhr

Stadtleben

Update: 20.10.2017, 13:20 Uhr

Herminengasse

Eine Linie für jedes Opfer




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Von Alexia Weiss

  • Erstmals wurde der Verbleib von Juden eines ganzen Wiener Straßenzugs in der NS-Zeit recherchiert: Der Herminengasse in der Leopoldstadt ist ein weltweit einzigartiges Projekt gewidmet.

Der jüdische Stadttempel im 1. Bezirk. - © Luiza Puiu

Der jüdische Stadttempel im 1. Bezirk. © Luiza Puiu



Wien. Berta Fürnberg wurde am 9. Juni 1942 von Wien nach Maly Trostinec deportiert und dort am 15. Juni 1942 ermordet. Ihre letzte Wohnadresse: Herminengasse 6, Stiege 1. Irma Hohenberg hatte auf der Stiege 2 des Hauses gelebt. Sie wurde am 5. November 1942 in Litzmannstadt umgebracht. Julie Drucker starb am 7. Dezember 1942 in Theresienstadt. Sie war Bewohnerin des Hauses Herminengasse 8. Hermann Kreimanns Tod wurde bereits am 20. Dezember 1939 in Buchenwald verzeichnet. Er hatte im Haus Herminengasse 20 gelebt.

Erstmals wurde in einem gemeinsamen Projekt von Wiener Linien und KÖR (Kunst im Öffentlichen Raum) der Verbleib aller jüdischen Bewohner in der NS-Zeit in einem ganzen Wiener Straßenzug - der Herminengasse in der Leopoldstadt - dokumentiert.


Die Recherchen führte die Historikerin Tina Walzer durch. Im Anschluss gestaltete die deutsche Künstlerin Michaela Melián zwei große Wandbilder in der U-Bahn-Station Schottenring, von der man via eigenem Ausgang die Herminengasse erreichen kann. Dieser Ansatz sei einzigartig, würdigte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, Oskar Deutsch, sowohl die künstlerische als auch wissenschaftliche Aufarbeitung des Verbleibs der jüdischen Bevölkerung in einer ganzen Wiener Gasse.

Lebensspuren zu
1322 Menschen

Insgesamt hätten sich zu 1322 jüdischen Personen Lebensspuren in diversen Archiven wie Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Einwohnermeldeamt oder Archiv der IKG gefunden, erläuterte Melián gegenüber der "Wiener Zeitung". 800 von ihnen wurden nachweislich von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Manche der anderen überlebten die Schoa, wie Norbert Zaidman. Er verbrachte sein restliches Leben in Israel.

Von vielen aber verliert sich die Spur. In der Herminengasse gibt es 21 Häuser. Elf davon standen zu Beginn der NS-Zeit in jüdischem Besitz, neun davon wurden enteignet. In zwei Gebäuden wurden Sammellager eingerichtet, in weiteren acht befanden sich Sammelwohnungen.

Melián schuf in der U-Bahn-Station Schottenring zwei imposante Liniengeflechte. Auf einem Bild werden die Häuser der rechten Seite der Herminengasse symbolisch dargestellt, im anderen die Gebäude der linken Seite. Von den Häusern führen Linien zu den Vernichtungsorten der Nationalsozialisten. Jede Linie steht für ein ausgelöschtes Leben - eine ermordete Person.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2017-10-19 16:38:09
Letzte Änderung am 2017-10-20 13:20:07



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