• vom 24.10.2017, 16:13 Uhr

Stadtleben

Update: 24.10.2017, 16:23 Uhr

Soho in Ottakring

Herrschst du noch, oder putzt du schon?




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Von Alexander Maurer

  • Im Alten Kino Sandleiten beleuchtet eine Ausstellung Arbeit und wie sie gesellschaftlich oftmals nicht anerkannt wird.

Rollenbilder und Machtverhältnisse in Arbeit und Gesellschaft spiegeln sich insbesondere beim Putzen wider.

Rollenbilder und Machtverhältnisse in Arbeit und Gesellschaft spiegeln sich insbesondere beim Putzen wider.© honey & bunny/D. Akita Rollenbilder und Machtverhältnisse in Arbeit und Gesellschaft spiegeln sich insbesondere beim Putzen wider.© honey & bunny/D. Akita

Wien. "Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann" - eine Textzeile wie ein gesellschaftlicher Spiegel. Putzen wird, obwohl es keine einfache Aufgabe ist, von jeher als niedere Arbeit angesehen. Über ihren Wert wird - vor allem im Bereich der "kostenlosen" Hausfrauenarbeit - immer wieder gestritten.

Putzen ist auch Teil der Dienstagabend eröffneten Ausstellung "Die Arbeit ist noch nicht zu Ende" im Alten Kino Sandleiten in Ottakring. Im Rahmen des seit 1999 bestehenden Kunstprojekts "SOHO in Ottakring" beleuchten verschiedene Künstler Arbeits- und Produktionsverhältnisse sowie dahinterstehende Strukturen.

Information

Alle Termine und Infos unter:

www.sohoinottakring.at

Das Wiener Designatelier "honey & bunny" zeigt auf, wie präsent und gleichzeitig versteckt Wischmob und Staubsauger in der Gesellschaft sind. Nämlich als Schattenarbeit, die immer noch hauptsächlich von Frauen erledigt wird, sagt Martin Habesleitner von honey & bunny.

Während einer Kunstaktion in Ebensee vor zwei Jahren haben sie 48 Haushalte innerhalb von vier Tagen geputzt und dabei Interviews mit Hausfrauen geführt. Dabei zeigte sich, dass Putzen sozialer Sprengstoff ist. "Wir haben genug Material für fünf Scheidungen", meint er scherzend. In den Aufnahmen arbeitet das Duo auch mit Rollenumkehr, etwa Frau und Mann beim Wohnungsputz oder Gäste (verkörpert von honey & bunny) und Personal im Hotel Bristol. Oder wenn im klassischen Dienstmädchenoutfit ein Müllwagen der MA48 gereinigt wird. Aber auch das Thema Migration wird von diesem Arbeitszweig stark tangiert. "Ein Freund aus Marokko meinte einmal zu mir, dass man eine reiche Gesellschaft daran erkennt, dass Inländer putzen", sagt Habesleitner dazu.

Arbeitsbedingungen hängen aber nicht nur vom sozialen Status, sondern auch von der Hautfarbe ab. Darauf weist Belinda Kazeem-Kaminski in ihrem Beitrag hin. Die Kulturtheoretikerin, freie Autorin und Künstlerin ist eine der wenigen schwarzen Lehrenden in Österreich, deren Arbeitsrealitäten im weiß geprägten universitären Bildungsbereich sie dokumentiert. Auch wenn Diskriminierung Bestandteil ist, will sie nicht den Fokus darauf legen. "Ich bin kein Opfer", betont sie. Die Foto- und Audioinstallation sieht sie als Einladung zum Dialog, es ist selbst Auftakt eines größeren Projekts.

Vom Stamm zum Sperrmüll

Wie viel wenig wertgeschätzte Arbeit in einem Produkt stecken kann, das mitunter ebenso wenig wertgeschätzt wird, wie Möbel, zeigt Fotograf Wolfgang Krammer. Er dokumentiert in Bildern und Texten das Leben eines Kastens vom Stamm zum Sperrmüll. Die mitunter gefährlichen und anstrengenden Arbeitsprozesse wie Schlägern und Transport der Rohstoffe bleiben oft unbeachtet. "Holzfällen ist eine derart gefährliche Arbeit, dass ich unter keinen Umständen einen Fototermin dafür bekommen hätte", sagt er.

Aber auch Kunst selbst ist Arbeit - und eine oftmals stark institutionalisierte noch dazu. Das verdeutlichen Museen, Ausstellungsstrukturen, Auktionen und Ähnliches. Iv Toshain und Anna Ceeh stehen Strukturen und Hierarchien kritisch gegenüber. Das Künstlerinnen-Duo befasst sich mit den Arbeitsverhältnissen freier Künstler und dem Wert ihrer Werke. Dieser wird insbesondere durch Digitalisierung und Reproduzierbarkeit verändert. In einer Videoinstallation verbrennen die beiden ihr Werkarchiv, das vor allem aus Postern und Plakaten besteht. "Aber die darauf befindlichen Slogans kann man nicht zerstören", betonen sie.

Ausstellung als Auftakt

Im Vergleich zum letztjährigen Festival "In aller Munde", bei dem es sich um Ernährung und Gesellschaft drehte, wirkt die Ausstellung, als sei Soho in Ottakring leiser getreten. "Wir arbeiten immer in Zweijahreszyklen", heißt es dazu aber seitens der Verantwortlichen. Das übergeordnete Thema "Jenseits des Unbehagens" befasst sich mit Herausforderungen, Fragen und Gestaltungsmöglichkeiten der Gesellschaft. Die derzeitige Ausstellung dient als Auftakt zum Festival, das für Juni 2018 geplant ist. Projektvorschläge können noch bis zum 8. November eingereicht werden.

"Die Arbeit ist noch nicht zu Ende" ist noch bis 12. November bei freiem Eintritt zu sehen. Das dazugehörige Werkzeug-Gespräch zum Thema "Leben und Arbeiten im Wandel" findet am 9. November um 19 Uhr statt.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-24 16:17:06
Letzte Änderung am 2017-10-24 16:23:31


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