• vom 20.11.2017, 16:32 Uhr

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Update: 20.11.2017, 16:43 Uhr

Aids-Welttag

Bruch mit dem Tabu




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Von Arian Faal

  • Bei der europäischen HIV- und Hepatitis-Testwoche soll die breite Öffentlichkeit über Übertragungsrisiken informiert und sensibilisiert werden.

- ©jarun011/stock.adobe.com

©jarun011/stock.adobe.com

Wien. Alle Jahre wieder dasselbe Bild Ende November: Die Tage werden kürzer und kälter, die ersten Punschstände und Adventmärkte haben ihre Pforten geöffnet und die besinnlichste Zeit des Jahres beginnt. Zeitgleich gibt es auch immer die "Europäische HIV- und Hepatits-Testwoche", die sich mit einem Tabu unserer Gesellschaft beschäftigt: Noch bis 24. November sollen möglichst viele Menschen sich testen lassen, Informationen zum Thema erhalten und das Bewusstsein geschärft werden.

Früherkennung wichtig

Information

Weitere Informationen finden Sie unter www.aids.at und unter www.testweek.eu

Welche Übertragungsrisiken gibt es, wann ist ein Test relevant, wie schlägt man Patienten einen HIV-Test vor? All diese Fragen stehen im Vordergrund. Unter dem Motto "Testen. Behandeln. Vorbeugen." Sich testen zu lassen oder einen Test anzubieten, soll nicht länger schambehaftet sein, sondern alltägliche Praxis werden.

Die Aktion, die vom Frauen- und Gesundheitsministerium unterstützt wird, führen die Aids- Hilfen in Österreich durch. Die Wiener Gebietskrankenkasse und zahlreiche Ärzte aus ganz Österreich haben sich der Testwoche angeschlossen, da sie ein Zeichen setzen wollen.

Unter der extra eingerichteten Homepage www.testwoche.net kann man sich umfassend über Übertragungsrisiken, regionale Testangebote, Behandlungsmöglichkeiten und die Vorteile einer frühen HIV und Hepatitis-Diagnose informieren. "Die möglichst frühzeitige Diagnose einer HIV-Infektion ist wichtig, um rechtzeitig eine Behandlung einzuleiten und eine weitere Übertragung zu verhindern", sagt Bernhard Benka vom Gesundheitsministerium.

Um die Zahl der sogenannten late presenter, das sind Personen, bei denen eine HIV-Infektion erst dann diagnostiziert wird, wenn bereits eine deutliche Schwächung des Immunsystems stattgefunden hat, zu reduzieren, seien umfangreiche und niederschwellige Testangebote wichtig. Die Anzahl der "late presenter" liegt in Österreich immer noch bei etwa 40 Prozent der neudiagnostizierten HIV-Infektionen.

Angst vor Ausgrenzung

Dass eine frühe Diagnose in der Regel eine bessere Prognose bedeutet, gilt natürlich ebenso für die Hepatitis. HIV und Hepatitis sind Infektionserkrankungen, die bei Patienten mit Angst vor Ausgrenzung und Ablehnung einhergehen. Ein Infektionsrisiko wird meist bestimmten Personengruppen zugeschrieben, die bereits aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, Ethnie oder aus anderen Gründen diskriminiert werden. Menschen, die sich keiner dieser Gruppen zugehörig fühlen oder fühlen wollen, verdrängen oft das eigene Infektionsrisiko und vermeiden den Test.

Der Schauspieler Alfons Haider unterstützt deshalb die HIV- und Hepatitis-Testwoche bereits seit 2013 als Botschafter. "Dass das Thema HIV stark mit einem Stigma belegt ist verhindert oft eine offene und konstruktive Auseinandersetzung", so der TV-Moderator. In Folge werde die Präventionsarbeit erschwert und Menschen lassen sich aus Angst und Scham nicht testen. "Am besten man informiert sich, redet darüber und lässt sich testen", ergänzt Haider.

Dank der heute verfügbaren HIV-Therapien, kann die Entwicklung der Immunkrankheit Aids (siehe Kasten) bei HIV-positiven Menschen verhindert werden.

Wissen

(af) Umgangssprachlich werden HIV und Aids oft fälschlicherweise gleichgesetzt. Jene Personen, die sich mit HIV infiziert haben, sind nicht automatisch auch an Aids erkrankt. Vielmehr bricht Aids erst Monate oder Jahre nach einer HIV-Infektion aus. Aids steht für Acquired Immuno Deficiency Syndrome ("erworbenes Immunschwächesyndrom"). Darunter werden verschiedene zum Teil lebensbedrohliche Symptome zusammengefasst, die durch ein geschwächtes Immunsystem entstehen können. Aids wird immer durch eine Infektion mit dem HI-Virus (Human Immunodeficiency Virus = Humanes Immundefizienz-Virus) verursacht. Dieses dringt nach und nach in die Helferzellen des menschlichen Immunsystems ein. Die Helferzellen steuern andere Zellen des Immunsystems und "organisieren" die Abwehrreaktion des Körpers auf eindringende Krankheitserreger. Das HI-Virus zerstört die Helferzellen oder schränkt zumindest ihre Funktionen derart ein, sodass der Körper sich nicht mehr gegen Krankheitserreger aller Art schützen kann. Auch harmlose Infektionen, mit denen ein gesundes Immunsystem mühelos fertig wird, können dann nicht hinreichend bekämpft werden. Diese Immunschwäche führt unbehandelt zu immer schwerer verlaufenden Infektionen wie zum Beispiel Lungenentzündung oder Pilzbefall der Speiseröhre.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-20 16:35:06
Letzte ńnderung am 2017-11-20 16:43:44



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