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Stadtleben

Update: 30.11.2017, 08:05 Uhr

Kaffeehaus

"Columbo würde sich hier wohlfühlen"




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Von Arian Faal

  • Das Weidinger am Lerchenfelder Gürtel gilt als Geheimtipp unter den Kaffeehäusern.

Das Highlight im Weidinger: die beiden Kegelbahnen von anno dazumal.

Das Highlight im Weidinger: die beiden Kegelbahnen von anno dazumal.



Im Café Weidinger scheint die Zeit still zu stehen. Hier hat es niemand eilig . Weder der Kellner noch die Gäste.

Im Café Weidinger scheint die Zeit still zu stehen. Hier hat es niemand eilig . Weder der Kellner noch die Gäste.© Stanislav Jenis Im Café Weidinger scheint die Zeit still zu stehen. Hier hat es niemand eilig . Weder der Kellner noch die Gäste.© Stanislav Jenis

Wien. "Zugegeben, auch, wenn man vom äußeren Erscheinungsbild zunächst etwas erschreckt ist, so versteckt sich im Inneren ein typisches Alt-Wiener Café mit Wiener Charme. So erwartet man sich ein typisches Wiener Kaffeehaus in der Vorstadt und es ist definitiv ein Geheimtipp", umschreibt Maxime Kaul sein geliebtes Café Weidinger am Lerchenfelder Gürtel. "Inspektor Columbo würde sich hier wohlfühlen, Alexander Van der Bellen mit seinem Trenchcoat und seiner Zigarette ebenso", ergänzt der Pensionist mit einem Lächeln. Mit diesem Statement liegt Kaul überhaupt nicht falsch.

Wer nach einem pompösen Ringstraßencafé mit viel Etikette und Eleganz sucht, ist hier fehl am Platz. Schmuddelig, unkonventionell und seltsam still ist die Atmosphäre im Weidinger seit fast 90 Jahren, und dies selbst bei Hochbetrieb. Kaum vorstellbar, dass in unmittelbarer Nähe ein reges Kommen und Gehen am Gürtel herrscht und die Lugner City sowie die Hauptbibliothek und das Rotlichtmilieu zu finden sind. Die Seele des Cafés lebt von seiner schlichten Einfachheit. Eilig hat es hier keiner. Weder der Kellner noch die Gäste.



Gegenpol zum Landtmann

"Vergessen Sie einmal für ein paar Minuten, dass wir wirklich im Wien des Jahres 2017 sind. Schauen Sie sich die Möbel aus den 1950er Jahren und das Inventar an, genießen Sie den Unterschied", sagt Emilie Gaufner zu zwei verdutzten männlichen Gästen, die aus dem Staunen nicht herauskommen. "Und probieren Sie die hausgemachten Mehlspeisen, die finden Sie sonst nicht", ruft die ehemalige Bibliothekarin den beiden jungen Studenten zu. Einer von ihnen, Lars Gerwald, kommt aus Deutschland. "Ich wusste gar nicht, dass es in Wien auch solche Kaffeehäuser gibt, das ist ja der komplette Gegenpol zum Landtmann und zum Sperl hier", meint er.



Der Kellner kommt und entschuldigt sich, dass es etwas gedauert hat. "Ich bin allein, aber wir kriegen das hin", beruhigt er. Es ist fast so, als ob an diesem einzigartigen Ort alles nach Drehbuch läuft. Die Nikotin-Patina an der Decke, die Einrichtung aus Omas Zeiten, die so versumpert ist, dass sie wieder anziehend wirkt, und auch der Kellner, der nach einer Ewigkeit kommt und die Ruhe in Person ist.

Der Wiener Ranz hat halt schon etwas Beruhigendes. Hier kann man ihn genießen. Columbo hätte nicht nur mit dem Interieur seine Freude: Hier könnte er von 8 Uhr morgens bis Mitternacht auch diskutieren, nach Indizien suchen und im dafür vorgesehenen Bereich seine Zigarre rauchen.



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Dokument erstellt am 2017-11-29 16:29:14
Letzte Änderung am 2017-11-30 08:05:23



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