• vom 01.01.2018, 16:46 Uhr

Stadtleben

Update: 01.02.2018, 11:29 Uhr

Mohrenapotheke

Koscheres aus der Mohrenapotheke




  • Artikel
  • Lesenswert (21)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexia Weiss

  • Eine der ältesten Apotheken Wiens erlebte in der NS-Zeit dunkle Jahre, da die Inhaberinnen jüdisch waren - deren Nachfahrin und heutige Mohrenapothekerin Teresa Marosi griff die jüdischen Wurzeln nun wieder auf.

Terese Marosi bietet Nahrungsgänzungen an, die für Veganer, Vegetarier und Menschen mit Unverträglichkeiten geeignet sind. - © Jenis

Terese Marosi bietet Nahrungsgänzungen an, die für Veganer, Vegetarier und Menschen mit Unverträglichkeiten geeignet sind. © Jenis

Acht Produkte umfasst das Sortiment, das für die Mohrenapotheke in Salzburg in der Nährstoffakademie produziert wird.

Acht Produkte umfasst das Sortiment, das für die Mohrenapotheke in Salzburg in der Nährstoffakademie produziert wird. Acht Produkte umfasst das Sortiment, das für die Mohrenapotheke in Salzburg in der Nährstoffakademie produziert wird.

Wien. Eine der drei ältesten Apotheken Wiens, die Mohrenapotheke in der Wipplingerstraße, bietet nun vegane Nahrungsergänzungen mit Hechscher des Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien. Sie sind damit sowohl für Menschen, die koscher halten, geeignet, als auch für solche, die halal essen.

Die Kooperation zwischen Apotheke und IKG hat auch ein bisschen mit der teils traurigen Geschichte des Familienbetriebs zu tun, wie die heutige Inhaberin Terese Marosi im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erzählt. Sie ist es auch, die die Geschichte der Apotheke mit einer Tafel für alle Kunden und Vorbeispazierenden öffentlich gemacht hat. Antisemitische Anfeindungen habe es darauf nicht gegeben, im Gegenteil. "Ich habe so viel positives Feedback bekommen, so viel Ermutigung."


Die Großmutter, die 2001 verstarb und deren Nachlass erst vieles von dem preisgab, was ihr in der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich widerfahren war, wäre wohl nicht auf die Idee mit der Koscher-Zertifizierung gekommen. Sie hatte weder über ihre jüdische Abstammung noch über ihr Überleben in einem Versteck in Wien je wirklich mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin gesprochen. Letztere hatte sich nun daran gemacht, pflanzliche Mischungen anzubieten, die sowohl für Veganer und Vegetarier als auch Menschen mit Unverträglichkeiten geeignet sind. Gespräche mit jüdischer Kundschaft zeigten, dass es gerade an dem Standort unweit des Stadttempels in der Seitenstettengasse sowie der Misrachi am Judenplatz auch Nachfrage nach koscheren Nahrungsergänzungen gäbe.

Jahrhunderte alte Geschichte mit vielen Stationen
Das Produkt "Immunkraft und Hagebutte" kombiniert beispielsweise Hagebutte mit Vitamin C und Zink und soll so das Immunsystem stärken, "Ruhe und Schlaf" ist eine Mischung aus Hopfen, Baldrian und Passionsblume. Acht Produkte umfasst das Sortiment, das für die Mohrenapotheke in Salzburg in der Nährstoffakademie produziert wird. Zum Einsatz kommen ausschließlich regionale Inhaltsstoffe, die Kapsel ist pflanzlich und eben nicht, wie bei vielen ähnlichen Produkten aus Gelatine und damit weder vegan noch koscher oder halal.

Die Mohrenapotheke - sie hieß zunächst "Apotheke zum schwarzen Äthiopier", später "Apotheke zum schwarzen Mohren" - kann auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurückblicken. Sie wurde 1350 gegründet und befand sich ursprünglich am Graben. Übersiedlungen führten sie im Lauf der Zeit in die Kärntner Straße, auf den Hohen Markt und die Tuchlauben.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-01 16:50:08
Letzte ─nderung am 2018-02-01 11:29:13



Vor Gericht

"Haider war Informant"

- © apa/R. Schlager/apa-Pool Wien. Ein Toter rückte am Dienstag in den Mittelpunkt des Buwog-Prozesses: der 2008 verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider... weiter




Vor Gericht

"Weiß selber nicht, was wahr ist"

- © apa/Hans Punz Wien. "Ich mache das nun seit 30 Jahren. Aber dieser Strafakt ist einzigartig", sagt Staatsanwältin Ursula Schrall-Kropiunig... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ludwig ist (fast) fix
  2. Handelsgericht bremst Uber aus
  3. Ein Alkoholverbot mit Folgen
  4. Theater der Emotionen
  5. Wenig Auslauf für die Dampfloks
Meistkommentiert
  1. "Wir haben keine weiße Weste"
  2. Wien verhängt Alkoholverbot am Praterstern
  3. Der grüne Kronprinz
  4. Ein Turm und die Menschheit
  5. ATIB-Moschee im Visier der Behörden

Werbung


Schilling

Der unkaputtbare Schilling

Heinz Sommer bekommt noch immer circa 1000 Schilling im Monat von den Gästen. - © Ch. Maconochie Wien. In seinem Jubiläumsjahr also wird Otto Wagner aus dem Verkehr gezogen - zumindest monetär: Die 500-Schilling-Note mit dem Wagner-Konterfei kann... weiter




Uber

Wien macht gegen Online-Giganten mobil

- © WZ-Illustration:Fotolia/mast3r Wien. Andreas hatte es schon einmal einfacher. Mitten in der Nacht brettert der Taxilenker mit seinem alten Mercedes über die menschenleere... weiter




Max Catering

Der Geschmack von Schule

- © Max Catering Wien. Drei Männer mit hellblauer Plastikhaube auf dem Kopf stehen vor großen silbernen Kochformen. Einer hält einen Schöpfer so groß wie ein Fußball... weiter






Religion

Kein Osterhase, aber bunte Eier

Kein Osterhase, aber bunte Eier Wien. Während vorigen Sonntag in den katholischen Gotteshäusern Hochämter zum Ostersonntag gehalten wurden, war für die orthodoxe Christenheit an...

Religion

"Es braucht einfach viel Geduld"

"Es braucht einfach viel Geduld" Wien. Die Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel, nimmt demnächst Abschied: Die 52-Jährige wechselt Ende August...



Haus des Meeres

Klapperschlangen überraschen mit Nachwuchs

20180419Klapperschlange - © Haus des Meeres/Günther Hulla Wien. Das Uracoan-Klapperschlangenpärchen hat im Wiener Haus des Meeres in der Vorwoche mit Nachwuchs überrascht. Nachdem diese aus einem kleinen... weiter




Staatsbesuch

Ein Panda für Schönbrunn?

20180408panda - © APAweb/AP, Drew Fellman Peking/Wien. Bekommt Schönbrunn einen neuen Panda aus China? Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist diesbezüglich jedenfalls guter Hoffnung... weiter






Werbung


Werbung