• vom 13.01.2018, 08:00 Uhr

Stadtleben


Waffen

Na bumm!




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (45)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Daniel Bischof

  • 2017 waren in Wien erstmals mehr als 100.000 legale Schusswaffen im Umlauf. Die Nachfrage geht zurück, bleibt aber hoch.

- © ipopba/Fotolia

© ipopba/Fotolia



Wien. Die Schwellen sind übersprungen. 2017 gab es in Wien erstmals mehr als 100.000 - legal erworbene - Schusswaffen. Österreichweit stieg ihre Zahl auf mehr als eine Million an. Das zeigen aktuelle Auszüge aus dem Zentralen Waffenregister, welche der "Wiener Zeitung" vorliegen. Während die absoluten Zahlen Rekordmarken brechen, lässt sich anhand der Auszüge im Mehrjahresvergleich aber auch feststellen: Die enorm hohe Nachfrage nach Schusswaffen, die im Herbst 2015 einsetzte, ist am Abklingen.

"Der große Waffenboom ist vorbei, wenn ich die jetzigen Zahlen mit Ende 2015 und Anfang 2016 vergleiche", sagt Markus Schwaiger, Eigentümer des Waffenfachgeschäfts "Euroguns" in Wien. Doch im Vergleich zu den Jahren vor dem "Boom" verkaufe er weiterhin drei bis vier Mal so viele Waffen. Rund 90 Prozent seiner Käufer seien dabei neue Kunden.


Unterschiedliche Motive
Die deutlichen Steigerungen zeigen sich auch bei einer Analyse der Anzahl an Waffenbesitzkarten, die von der Landespolizeidirektion Wien in den vergangenen Jahren neu ausgestellt wurden. 2014 waren es 1031 Karten, 2015 schon 1642 gewesen. 2016 stieg die Zahl auf 4632 an, während sie 2017 wieder auf 2228 fiel. Warum immer mehr Menschen in den vergangenen Jahren zu Waffen gegriffen haben? Recherchen der "Wiener Zeitung" im Herbst 2015 bei Waffenhändler, Psychologen und Behörden ergaben, dass neben sportlichen Zwecken und der Angst vor waffenrechtlichen Verschärfungen auch die Selbstverteidigung und Unsicherheit infolge der Flüchtlingskrise treibende Kaufmotive waren.

Laut Schwaiger ist auch derzeit die Motivlage "sehr gemischt". "Die meisten Kunden sagen natürlich gar nichts. Beim Rest ist der Sport und der Schutz vor Kriminellen ein Motiv. Ein Teil der Käufer spricht auch von einer angeblichen Überforderung oder gar einem Versagen der Polizei."

In Wien gibt es insgesamt 35.336 Waffenbesitzer (Stand 1. Jänner 2018). Am 1. Juli 2015 waren es 30.686 gewesen. Die Zahl der legal erworbenen Waffen stieg im gleichen Zeitraum von 90.475 auf 101.751. Bundesweit erhöhte sich die Zahl der Waffenbesitzer von 253.917 auf 301.420, jene der erworbenen Waffen von 893.757 auf 1.023.037.

2017 wurden in Wien zudem deutlich mehr Waffenpässe (WP) ausgestellt. 2014 bis 2016 waren es jeweils zwischen 250 und 281 gewesen. Im Vorjahr stieg die Zahl dann auf 923 an. "Das liegt daran, dass dank Musterverfahren und einer Gesetzesänderung seit 2017 Polizisten und Jagdaufseher wieder WP bekommen", sagt der auf Waffenrecht spezialisierte Anwalt Raoul Wagner. "Ansonsten bekommt man einen WP eigentlich nur mehr posthum." Die Behörden seien restriktiv - nicht einmal Waffenhändlern werde ein WP ausgestellt, "obwohl die Antiterrorbehörden alle Waffenhändler davor gewarnt haben, dass der Islamische Staat im Internet dazu aufruft, Waffenhändler auf offener Straße zu überfallen und dann ihre Geschäfte zu plündern".

weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-12 18:32:07
Letzte ─nderung am 2018-01-12 21:41:07



Vor Gericht

"Weiß selber nicht, was wahr ist"

- © apa/Hans Punz Wien. "Ich mache das nun seit 30 Jahren. Aber dieser Strafakt ist einzigartig", sagt Staatsanwältin Ursula Schrall-Kropiunig... weiter




Vor Gericht

"Früher oder später hätte es gekracht"

Der Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen: K. soll ein Kind angestiftet haben, hier einen Anschlagsversuch zu unternehmen. - © apa/masterpress/Prosswitz Wien. Er soll der Staatsfeind Nummer 1, ein Top-Terrorist und hochgefährlich sein: der 19-jährige K., der sich seit Mittwoch vor einem... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Wir haben keine weiße Weste"
  2. Der letzte Schluck
  3. Alkoholverbot tritt am Freitag in Kraft
  4. Gemischte Reaktionen
  5. Wien verhängt Alkoholverbot am Praterstern
Meistkommentiert
  1. "Wir haben keine weiße Weste"
  2. Der grüne Kronprinz
  3. Ein Turm und die Menschheit
  4. ATIB-Moschee im Visier der Behörden
  5. Wien verhängt Alkoholverbot am Praterstern

Werbung


Schilling

Der unkaputtbare Schilling

Heinz Sommer bekommt noch immer circa 1000 Schilling im Monat von den Gästen. - © Ch. Maconochie Wien. In seinem Jubiläumsjahr also wird Otto Wagner aus dem Verkehr gezogen - zumindest monetär: Die 500-Schilling-Note mit dem Wagner-Konterfei kann... weiter




Uber

Wien macht gegen Online-Giganten mobil

- © WZ-Illustration:Fotolia/mast3r Wien. Andreas hatte es schon einmal einfacher. Mitten in der Nacht brettert der Taxilenker mit seinem alten Mercedes über die menschenleere... weiter




Max Catering

Der Geschmack von Schule

- © Max Catering Wien. Drei Männer mit hellblauer Plastikhaube auf dem Kopf stehen vor großen silbernen Kochformen. Einer hält einen Schöpfer so groß wie ein Fußball... weiter






Religion

Kein Osterhase, aber bunte Eier

Kein Osterhase, aber bunte Eier Wien. Während vorigen Sonntag in den katholischen Gotteshäusern Hochämter zum Ostersonntag gehalten wurden, war für die orthodoxe Christenheit an...

Religion

"Es braucht einfach viel Geduld"

"Es braucht einfach viel Geduld" Wien. Die Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel, nimmt demnächst Abschied: Die 52-Jährige wechselt Ende August...



Haus des Meeres

Klapperschlangen überraschen mit Nachwuchs

20180419Klapperschlange - © Haus des Meeres/Günther Hulla Wien. Das Uracoan-Klapperschlangenpärchen hat im Wiener Haus des Meeres in der Vorwoche mit Nachwuchs überrascht. Nachdem diese aus einem kleinen... weiter




Staatsbesuch

Ein Panda für Schönbrunn?

20180408panda - © APAweb/AP, Drew Fellman Peking/Wien. Bekommt Schönbrunn einen neuen Panda aus China? Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist diesbezüglich jedenfalls guter Hoffnung... weiter






Werbung


Werbung