• vom 14.02.2018, 17:48 Uhr

Stadtleben

Update: 14.02.2018, 18:19 Uhr

Immobilien

Goldrausch am Wohnungsmarkt




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  • Vorsorgewohnungen haben sich binnen drei Jahren verdoppelt. Leidtragende sind die Mieter.

Bis zu 3,8 Prozent Rendite können mit Mieten erzielt werden. apa/Hochmuth

Bis zu 3,8 Prozent Rendite können mit Mieten erzielt werden. apa/Hochmuth

Wien. (vasa) Wer sein Geld noch auf das Sparbuch legt oder sein Kapital in Aktien investiert, ist selbst schuld. Zu wenig Zinsen, zu unsicher, wie der Einbruch an den Aktienmärkten in der vergangenen Woche zeigte. Eine garantiert zuverlässige Geldvermehrungsmaschine ist vielmehr die sogenannte Vorsorgewohnung. Eine Wohnung, in der man nicht selbst wohnt, sondern durch Mieteinnahmen eine dauerhafte Einnahmequelle schafft. Auch in Wien erfreut sich dieses Geschäftsmodell größter Beliebtheit. Laut dem Immobiliendienstleister EHL hat sich das Marktvolumen in den vergangenen drei Jahren verdoppelt.

Die Entwicklung geht einher mit dem rasanten Wachstum der Stadt. In den vergangenen Jahren hat Wien Hamburg, Warschau und Budapest einwohnermäßig überholt und ist nun die siebentgrößte Stadt der Europäischen Union. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Bis zum Jahr 2034 wird die Stadt um die Größe von Graz wachsen.


Das erfreut Käufer von Vorsorgewohnungen. Denn mit dem Wachstum der Stadt steigen auch die Wohnungspreise und damit ihre Rendite. Die Nachfrage ist daher ungebrochen hoch. Für 2018 sollen nun erstmals mehr als 1000 Vorsorgewohnungen gekauft werden, prognostiziert EHL.

Investitionsvolumen erstmals bei 200 Millionen Euro
"Jeder dritte Käufer einer Immobilie kauft eine Vorsorgewohnung", sagt David Breitwieser, EHL-Leiter der Wohnungsabteilung. Damit steigt auch das Investmentvolumen auf einen neuen Rekordwert und wird voraussichtlich erstmals die Marke von 200 Millionen Euro erreichen. "Das Interesse an Veranlagungen in Wohnimmobilien ist auf einem absoluten Rekordniveau", erklärt Breitwieser. "Dank der stark gestiegenen Bautätigkeit in dem für Vorsorgewohnungen geeigneten Marktsegment gibt es jetzt auch ausreichend viele attraktive Angebote, um diese Nachfrage zu decken."

Die räumliche Verteilung der Nachfrage nach Vorsorgewohnungen hat sich ebenso verändert. Galten vor 20 Jahren Entwickler, die Projekte außerhalb des Gürtels realisierten, noch als Pioniere, so entfallen mittlerweile gut 75 Prozent der neu errichteten Vorsorgewohnungen auf die Außenbezirke. Gemessen an der Zahl der von 2015 bis 2017 verkauften Vorsorgewohnungen landete der 3. Bezirk als einziger Zentrumsbezirk unter den Top fünf. Klar an der Spitze lag die Donaustadt, gefolgt von Favoriten und Floridsdorf und auch der klassische Arbeiterbezirk Meidling konnte sich in der Spitzengruppe platzieren.

Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin der EHL Immobilien Management, nennt zwei Gründe für diese Entwicklung: "Die Kaufpreise innerhalb des Gürtels sind aufgrund des hohen Interesses von Eigennutzern mittlerweile deutlich gestiegen. Außerhalb des Gürtels sind mit den nachhaltig erzielbaren Mieten noch ansprechende Renditen im Bereich von bis zu 3,8 Prozent möglich."

Stärkste Nachfrage nach kleinsten Wohnungen
3,8 Prozent Rendite. Das ist ungefähr jener Wert, den Menschen für ihr Geld bei der Bank bekamen, wenn sie es auf das Sparbuch legten. Seit der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren ist diese Zeit vorbei. Menschen, die nicht über das nötige Kleingeld verfügen, um sich etwa eine Vorsorgewohnung zu kaufen, haben nun keine Möglichkeit mehr, durch Rendite ihr Geld zu vermehren.

Sie sind nun die Leidtragenden einer Entwicklung, bei der Wohnungen nicht mehr als Wohnort gekauft werden, sondern als Sachwert. Der Run auf Vorsorgewohnungen verschlimmert ihre Situation. Die Preise werden in die Höhe getrieben, die Mieter können sich immer kleinere Wohnungen, immer ferner vom Zentrum leisten. Um 35 Prozent stiegen die Mieten privater Wohnungen in den vergangenen zehn Jahren, wie die Arbeiterkammer ausrechnete. Das Ergebnis: "Die stärkste Nachfrage besteht derzeit eindeutig für die kleinsten Einheiten, also Wohnungsgrößen von 42 bis 50 Quadratmetern mit zwei Zimmern", sagt Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin der EHL Immobilien Management. "Mieterseitig geht der Trend aus Kostengründen zu möglichst kleinen Wohnungen mit einer effizienten und innovativen Raumaufteilung."

Das wird auch in Zukunft so sein. "Auf die sinkenden Wohnungsgrößen ist es zurückzuführen, dass neuerlich steigende Quadratmetermieten zu erwarten sind", sagt Bauernfeind.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-14 17:53:33
Letzte ńnderung am 2018-02-14 18:19:41



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