Wien. (dab) Im Fall der Messer-Attacke am Praterstern wurden am Freitag neue Details bekannt. So stellte sich heraus, dass der Tatverdächtige bereits wegen eines Verstoßes gegen das Suchtmittelgesetz vorbestraft ist. Nach Polizeiangaben wurde er am 8. August 2017 wegen des Verdachts des Suchtgifthandels festgenommen. Er wurde verurteilt und verbüßte vom 30. August 2017 bis 8. Dezember 2017 eine Haftstrafe in einer Justizanstalt.

Laut dem "Kurier" wurde der Afghane auch wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt. Die Anzeige sei aus Mangel an Beweisen fallen gelassen worden. Die Tageszeitung berichtete zudem, dass der Mann zwei Mal einen Antrag auf freiwillige Rückreise nach Afghanistan gestellt habe.

Diese Informationen widersprechen den Angaben der Polizei. Diese hatte noch am Freitagnachmittag behauptet, dass der Verdächtige für die Behörden die letzten eineinhalb Jahre nicht mehr greifbar gewesen sei und über keine Meldeadresse verfügt habe. Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl hatte am Donnerstag angegeben, der Verdächtige sei untergetaucht und habe als "U-Boot" in Österreich gelebt. Zuvor habe der Afghane 2015 um Asyl angesucht und sei polizeilich auffällig gewesen.

Bei Redaktionsschluss befand sich der 23-jährige Verdächtige noch in Polizeigewahrsam. Am Freitagabend sollte er in die Justizanstalt Josefstadt überstellt werden. Ein Richter des Wiener Straflandesgerichts muss dann binnen 48 Stunden die Untersuchungshaft über den Verdächtigen verhängen.

Am Freitag war der Afghane noch zu seinen näheren Lebensumständen in Österreich befragt worden, sagte Polizeisprecher Harald Sörös. Ob der Verdächtige während der Tat durch Substanzen beeinträchtig war, soll ein toxikologisches Gutachten klären.

Opfer außer Lebensgefahr


Ist der Fall mit dem Mord am Brunnenmarkt vergleichbar? 2016 hatte ein psychisch Kranker eine Frau mit einer Eisenstange erschlagen. Der Kenianer war zuvor mehrfach auffällig gewesen. Den Behörden wurde vorgeworfen, viel zu spät reagiert zu haben. Man könne den Brunnenmarkt-Mord mit dem jetzigen Fall nicht direkt vergleichen, so Sörös. Taten wie jene am Praterstern würden einfach passieren, "wenn die Menschen, die herkommen, lange ohne Perspektiven sind und ins Suchtgiftmilieu geraten".

Der Verdächtige hatte angegeben, die dreiköpfige Familie attackiert zu haben, weil er in einer schlechten Stimmung und auf seine Lebenssituation wütend war. Einen 20-jährigen Landsmann habe er verletzt, weil dieser für seine Drogensucht verantwortlich sei. Am Freitag befanden sich alle Opfer außer Lebensgefahr.