• vom 12.03.2018, 17:34 Uhr

Stadtleben

Update: 13.03.2018, 09:29 Uhr

Messer-Attacken

Vom "U-Boot" zum Strafhäftling




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  • Tatverdächtiger im Praterstern-Fall verübte Selbstmordversuch. Kommunikation zwischen Behörden dürfte mangelhaft gewesen sein.

Das BFA (im Bild sieht man den Sitz der Behörde in Wien) soll nicht zeitgerecht agiert haben. - © apa/G. Hochmuth

Das BFA (im Bild sieht man den Sitz der Behörde in Wien) soll nicht zeitgerecht agiert haben. © apa/G. Hochmuth

Wien. (dab/apa) Der 23-jährige Afghane, der am vergangenen Mittwoch in der Leopoldstadt vier Personen niedergestochen und schwer verletzt haben soll, hat am Montag in der Justizanstalt Josefstadt einen Selbstmordversuch unternommen. Das Vorhaben des Mannes wurde laut Britta Tichy-Martin, Sprecherin des Justizressorts, von aufmerksamen Justizwachebeamten rechtzeitig erkannt und verhindert.

Der Afghane wurde in ein Spital gebracht, wo er untersucht wurde. Dabei zeigte sich, dass er sich keine ernsthaften Verletzungen zugefügt hatte. Der junge Mann wurde daher nach der ärztlichen Kontrolle wieder ins Gefängnis überstellt, wo er wegen des Vorwurfs des mehrfach versuchten Mordes seit Sonntag in U-Haft sitzt. "Er steht jetzt in der Justizanstalt selbstverständlich unter engmaschiger Beobachtung", so Tichy-Martin.

Neue Details zum Lebensweg des Verdächtigen lassen auch darauf schließen, dass die Kommunikation zwischen den Behörden nicht optimal verlaufen ist. Der mutmaßliche Täter war 2015 nach Österreich gekommen. Beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) brachte er einen Antrag auf freiwillige Rückkehr in seine Heimat ein. Sein Antrag wurde bewilligt, abgeschoben wurde er nicht. Der Grund: Der Afghane soll sein Ausreisezertifikat nicht behoben haben.

"Er musste entlassen werden"

Der Mann kam in Kontakt mit der Drogenszene. 2017 wurde er in Wien wegen Drogenhandels zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt. Zur Verbüßung der Strafe wurde der Mann aus Platzgründen in die Justizanstalt (JA) Klagenfurt überstellt. Vom 30. August 2017 bis 8. Dezember 2017 befand er sich in Haft.

Die JA Klagenfurt informierte das BFA über die bevorstehende Haftentlassung. "Es hat eine aktive Kontaktaufnahme gegeben", versicherte ein Strafvollzugs-Insider. Offenbar wurde darauf seitens des BFA aber nicht zeitgerecht reagiert: "Es hat keinen Schubhaftbescheid gegeben, es ist auch kein Festnahmeauftrag vorgelegen. Der Mann musste daher entlassen werden."

Seitens des Innenministeriums wurden am Montag die Vorgänge und der behördliche Kommunikationsverlauf untersucht. "Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl ist gerade dabei, den Fall penibel zu prüfen", sagte ein Sprecher. Man hoffe, einen Bericht des BFA noch am Montag zu bekommen. Im Fokus stünde die Frage, was der 23-Jährige seit seiner Entlassung aus der Haft am 8. Dezember des Vorjahres getan hat. Laut Polizei hat der Afghane angegeben, sich nach seiner Enthaftung in "szenetypischen Gegenden" aufgehalten zu haben.

Kritik an ihrer Arbeit hatte die Polizei am Wochenende zurückgewiesen. Die Polizei habe weder Einfluss auf eine Haftentlassung, noch auf ein Asylverfahren, so ein Sprecher. Polizeipräsident Gerhard Pürstl hatte noch am Donnerstag erklärt, der Mann habe von 2016 bis zu seiner Festnahme nach den Messer-Attacken als U-Boot in Wien gelebt. Behördenintern räumte man eine "schiefe Optik" ein. "Der Präsident hat zu diesem Zeitpunkt nichts von der Strafhaft gewusst", so ein Beamter, der anonym bleiben wollte.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-12 17:38:45
Letzte Änderung am 2018-03-13 09:29:47


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