Wien. Aufgrund der Schönheit der Gegend und des Gebäudes kommen die rund 100.000 Kongresstouristen im Jahr wohl kaum. Der Weg von der U1 Kaisermühlen bis zum Austria Center Vienna (ACV) ist betoniert, der Platz vor Österreichs größtem Kongresszentrum menschenleer. Hohe graue Türme ragen rund herum in die Höhe: Die UNO-City, auch Vienna International Center genannt, oder der Donauturm ist zu sehen.

Der Tristesse vor dem ACV wollen die Betreiber, das Internationale Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien AG (IAKW-AG) - eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Republik Österreich - nun Einhalt gebieten. Schon im Jahr 2020 soll das sogenannte Donausegel über dem Vorplatz errichtet sein. Ein 7000 Quadratmeter großes, weißes Dach mit vielen quadratischen, luftigen Öffnungen. Diese zusätzliche Veranstaltungsfläche könne auch zu einem geschlossenen Raum umgewandelt werden. "Wir haben dann das erste Kongresszentrum weltweit mit einer multifunktionalen Halle", so ACV-Direktorin Susanne Baumann-Söllner anlässlich einer Präsentation des Modernisierungskonzeptes am Donnerstag.

Die Gäste hätten immer wieder über zu wenig Fläche geklagt. Außerdem wolle man mehr Kulturveranstaltungen beherbergen, um den Vorplatz auch für die Öffentlichkeit attraktiver zu machen.

Fertigstellung im Jahr 2022

Neben dem Donausegel soll der Eingangsbereich des ACV umgebaut werden. So sollen rund um das 30 Jahre alte Gebäude drei neue Zugänge entstehen. Statt einem sollen es mit der endgültigen Fertigstellung im Jahr 2022 dann vier Eingänge sein. Für fünf Ebenen nur ein Eingang, sei schwierig gewesen, sagte die Direktorin.

Das neue Zugangsgebäude enthält Glasfronten, einen Skywalk und Grünflächen. Auch innen wird das Gebäude, das einst Architekt Johann Staber entworfen hat, modernisiert. Die Herausforderung sei gewesen, sagte Architekt Much Untertrifaller, die "damals introvertierten Räume" zu öffnen. "Außenraum ist heute viel wichtiger als früher", sagte er.

Die Kosten für den Umbau tragen Bund und Stadt Wien gemeinsam. 65 Prozent der 32 Millionen Euro zahlt der Bund, 35 Prozent die Stadt. Finanzminister Hartwig Löger freute sich über das Donausegel und die gute Kooperation aller Beteiligten. Finanzstadträtin Renate Brauner hob die Wichtigkeit des Kongresstourismus für Wien hervor: "530 Euro am Tag gibt der Kongresstourist in Wien aus", sagte sie. Die Wertschöpfung liege jährlich bei mehr als 450 Millionen Euro. Für die IAKW-AG, ist der Umbau mehr als notwendig, um auch weiterhin "international mithalten" zu können, so Baumann-Söllner.

Hinter Paris

Städte wie Barcelona, Paris, Berlin und Amsterdam hätten allesamt in den vergangenen Jahren viel Geld in neue Kongresszentren investiert. Die Stadt Wien liege derzeit hinter Paris weltweit auf dem 2. Platz, was die Anzahl der internationalen Kongresse angeht. Auch das heurige Jahr sei ein Rekordjahr: 19 internationale Kongresse seien zu Gast.

Darunter fallen etwa der bereits stattgefundene Radiologen-Kongress mit 20.000 Teilnehmern, Radiodays Europe, EGU General Assembly, Frontiers in Cardiovascular Biology, Wearedevelopers, European Congress on Obesity, Cinp, IUGA oder Icold.

Der Umbau wird bei laufendem Betrieb erledigt. Wobei Baumann-Söllner einräumte, dass es in diesem Zeitraum wohl Umsatzrückgänge geben werde. Vor allem bei kleineren Veranstaltungen werde man zurückfahren müssen.