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Update: 11.04.2018, 10:43 Uhr

Religion

"Es braucht einfach viel Geduld"




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Von Mathias Ziegler

  • Veronika Prüller-Jagenteufel, die scheidende Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, über die Schwerfälligkeit der katholischen Kirche, die Rolle des Papstes, ihren künftigen Arbeitgeber Caritas und ehrenamtliches Engagement.

- © Erzdiözese Wien

© Erzdiözese Wien

Wien. Die Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel, nimmt demnächst Abschied: Die 52-Jährige wechselt Ende August zur Caritas St. Pölten, wo sie als theologische Referentin und in der direkten Seelsorgearbeit mit Demenzkranken tätig sein wird. Im Interview erklärt sie, warum sie nach Niederösterreich geht, zieht Bilanz als Pastoralamtsleiterin und spricht über die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Kirche.

"Wiener Zeitung": Hatten Sie heuer einen besonderen Vorsatz für die Fastenzeit?


Veronika Prüller-Jagenteufel: Ich habe mir diesmal zwei Dinge vorgenommen: Erstens habe ich möglichst süßigkeiten- und schokoladefrei gelebt, das hat meinem Körper richtig gut getan. Zweitens habe ich fast immer ein paar Euro-Münzen in der Tasche, um jeder Bettlerin und jedem Bettler etwas geben zu können.

Wirklich jedem, auch wenn womöglich die Bettelmafia dahintersteckt?

Ja. Wer sich da auf die Straße setzt, tut das normalerweise nicht, weil es lustig ist. Die Ausgaben halten sich in Grenzen, aber es gibt nette Augenblicke, einmal ein Lächeln zu bekommen. Manche erkennen mich dann schon. Das ist schön und tut der Seele gut. Und es ist eine alte christliche Verpflichtung: Auch den Bettlern steht ein Anteil am Wohlstand der Welt einfach zu.

Warum wechseln Sie jetzt vom Pastoralamt in Wien zur Caritas nach St. Pölten?

Ich habe meinen Vater pflegen dürfen, und da ist mir bewusst geworden, dass das ein Teil meiner Begabungen ist. Mir ist klar geworden, dass das auch in meinem beruflichen Leben noch einmal Platz bekommen soll. Es trifft sich jetzt gut, weil wir in Niederösterreich das Haus meiner Eltern geerbt haben, das wir jetzt umbauen. Wir wollen künftig dort wohnen, und das ließe sich mit dem Mehr-als-Fulltime-Job hier in Wien nur schwer verbinden. Und ich bin in einem Alter, in dem sich ein beruflicher Umstieg noch einmal auszahlt.

Der Caritas wurde jüngst als "Sozialkonzern" kritisiert, der "gesundschrumpfen" müsse.

Also, ich hoffe nicht, dass die Caritas schrumpft. Aktuell ist es ja einer der kirchlichen Bereiche, der wächst - auch und besonders an ehrenamtlichen Mitarbeitern. Und ich finde es großartig, dass sie als große kirchliche Organisation vielen Menschen, die vielleicht nicht so explizit kirchlich sind, eine Möglichkeit zum persönlichen Engagement gibt. Caritas ist eine Aufgabe nicht nur von Katholiken und nicht nur für Katholiken. Übrigens ist es auch dem guten Zusammenspiel zwischen der Caritas, den Pfarren und der Gemeinde Wien zu verdanken, dass es im heurigen Winter in Wien keinen einzigen Kältetoten gegeben hat. Die Caritas würde ich nicht als Sozialkonzern bezeichnen. Sie ist natürlich eine sozialpolitische Lobbyorganisation innerhalb der Kirche, und das führt natürlich auch dazu, dass man sich Gedanken darüber machen muss: Wie kommt dabei unser kirchlicher Auftrag zum Ausdruck? Wo wird nach außen hin klar, dass wir das, was wir tun, aus einem christlichen Menschenbild heraus machen? Das ist eine Herausforderung, vor der Organisationen wie die Caritas genauso stehen wir Ordensspitäler. Und man kann der Caritas nicht vorwerfen, dass sie sich nicht damit auseinandersetzt.

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Dokument erstellt am 2018-03-30 15:27:00
Letzte Änderung am 2018-04-11 10:43:19


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