Noch einmal gefragt: Kann man aus Lehm Hochhäuser bauen?

Die Lehmhäuser im Jemen sind weltgeschichtlich berühmt. Die hatten halt noch keinen Lift und mussten über Leitern bis in den 7. Stock klettern.

Sieben Stöcke machen kein Hochhaus.

Aber es reicht. Hochhäuser, wie wir sie kennen, gibt es erst seit den Bodenspekulationen und der Erfindung des Lifts. Und natürlich gibt es eine männlich baukulturelle Sehnsucht nach hohen Gebäuden.

Frei nach dem Motto: Wer hat den größten?

Nicht nur. Es geht schon auch um städtische Verdichtung, um städtebauliche Kompositionen und die Frage, was geben sie an Urbanität der Stadt zurück.

Sie haben eingangs gesagt, dass auch die hohen Standards von Technik und Komfort immer mehr zu einer Last werden - was haben Sie damit gemeint?

Ja, ich möchte in 50 Jahren kein Denkmalpfleger sein, der sich um den Erhalt der heutigen Bausubstanz kümmern muss. Denn es ist technisch eine enorme Herausforderung, mit den ausufernden Materialien und der Haustechnik, die heute eingesetzt werden, zu arbeiten, ja sie zu identifizieren.

Was heißt das konkret?

Wir sagen doch immer, dass jeder Bau nachhaltig sein muss. Diese Anforderung wird heute mit einem enormen Aufwand von Haustechnik und regelmäßigem Wartungsaufwand erfüllt - und das bezeichnet man dann auch noch als smart. Nachhaltig sind aber tatsächlich Bauten, die seit Jahrhunderten stehen. Wir brauchen keine Smart Houses, wir brauchen Stupid Houses.

Ziegelbauten sind doch wesentlich teurer als Stahlbetonhäuser, oder?

Zehn Zentimeter Betonscheiben mit 25 Zentimeter Dämmplatten drauf und darüber Putz ist billiger als eine 50 Zentimeter dicke Ziegelwand. Kurzfristig gesehen stimmt das, ja. Aber was mit der Dämmung in 20 Jahren ist und wie man dann diese Außenwände sanieren soll, weiß heute niemand. Die muss man komplett abreißen und entsorgen. Wir bauen heute in Österreich, Deutschland und der Schweiz den größten Sondermüll der Baugeschichte, nur damit die Häuser jetzt billig sind.

Aber wir haben in Wien sogar Hochhäuser, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen - ist das keine positive Entwicklung?

Der österreichische Architekt Dietmar Eberle hat es geschafft, aus Ziegel ein sechsgeschoßiges Bürogebäude in Lustenau zu errichten, das ganz ohne mechanische Heizung und Kühlung auskommt und trotzdem ständig Innenraumtemperaturen zwischen 22 und 26 Grad Celsius aufweist. Die Haustechnik besteht nur aus CO2-Sensoren, die Lüftungsklappen automatisch öffnen, wenn zu viel CO2-Gehalt in der Luft ist. Ich finde das energetisch wesentlich effizienter und nachhaltiger.