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Update: 11.04.2018, 09:17 Uhr

Religion

Kein Osterhase, aber bunte Eier




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Von Mathias Ziegler

  • Die orthodoxe Kirche feiert Ostern heuer eine Woche nach der katholischen.

Die neue rumänisch-orthodoxe Kirche soll im Herbst 2019 fertig sein.

Die neue rumänisch-orthodoxe Kirche soll im Herbst 2019 fertig sein.© Rendering: Martin Woschitz Die neue rumänisch-orthodoxe Kirche soll im Herbst 2019 fertig sein.© Rendering: Martin Woschitz

Wien. Während vorigen Sonntag in den katholischen Gotteshäusern Hochämter zum Ostersonntag gehalten wurden, war für die orthodoxe Christenheit an diesem Tag erst Palmsonntag. Wegen der unterschiedlichen Kalender feiert sie nämlich erst jetzt Ostern. Diese Zeitversetzung ist aber nicht jedes Jahr so, erklärt Emanuel Nutu, der Erzpriester der rumänisch-orthodoxen Kirche in Wien. "Manchmal feiern wir auch erst fünf Wochen nach den Katholiken."

Grundsätzlich wurde für das bewegliche Datum des Ostersonntags beim Ersten Konzil von Nicäa im Jahr 325 festgelegt, dass er am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn gefeiert wird. "Allerdings rechnen wir dieses Datum nach dem alten Julianischen Kalender, während die Katholiken nach dem Gregorianischen Kalender rechnen."

Der Ostersonntag ist in sieben Jahren wieder am selben Tag

Dazu kommt, dass das orthodoxe Osterfest erst nach dem jüdischen Pessachfest stattfinden darf. Dadurch ergeben sich die unterschiedlichen Ostertermine. Unbewegliche Feste wie Weihnachten feiert die Orthodoxie grundsätzlich 13 Tage nach den Katholiken und Protestanten - mit Ausnahme der finnisch-orthodoxen Kirche: "Die feiern sowohl die beweglichen als auch die festen Feiertage gleichzeitig mit der katholischen und der evangelischen Kirche." In sieben Jahren gibt es übrigens einen Paarlauf: "2025 werden wir Ostern wieder mit der katholischen Kirche feiern", sagt Nutu.



Während andere Kinder vorigen Sonntag ihre vom Osterhasen versteckten Osternester gesucht haben, ist diese Tradition in der Orthodoxie nicht so stark ausgeprägt. "Der Osterhase ist bei uns nicht besonders entwickelt", meint Nutu. Es gibt aber Ostereier und Süßigkeiten. "Ostern ist bei uns vor allem ein Fest der Begegnung: Am Ostersonntag kommen alle zur Stammfamilie, also zu den Eltern beziehungsweise Großeltern - am Ostermontag kommen diese dann zu den Kindern und Enkelkindern."

Liturgisch wiederum ist Ostern in der Orthodoxie stärker ausgeprägt: Am Gründonnerstag gibt es am Vormittag eine spezielle "göttliche Liturgie", am Abend werden dann in einer zweiten Messe zwölf Passagen aus den Evangelien über die Leiden Christi gelesen. "Allein die vier Kapitel aus dem Johannes-Evangelium dauern eine halbe Stunde." Am Karfreitag folgt eine gut zweistündige Grablegungsfeier. Am Karsamstag gibt es dann wieder zwei Messen: eine am Vormittag und in der Nacht dann die Auferstehungsfeier mit Osterprozession.

Während die Zahl der Katholiken eher rückläufig ist, sind die orthodoxen Kirchen im Wachsen begriffen. Mit fast einer halben Million Mitgliedern liegen sie sogar vor den evangelischen Kirchen (315.000 Mitglieder). Wie viele sie genau sind, kann man nur schätzen. Weil bisher keine Kirchenbeiträge eingehoben wurden, sondern nur freiwillige Spenden, gibt es keine exakten Mitgliederzahlen. Das ändert sich nun. Denn nicht zuletzt wegen der Automatisierung der Berücksichtigung von Kirchenbeiträgen beim Steuerausgleich hat etwa die rumänisch-orthodoxe Kirche einen solchen eingeführt. Nutu hat dazu auch eine Faustregel: "Man kann davon ausgehen, dass unter den Rumänen, Russen oder Serben in Österreich der Anteil der Orthodoxen sehr hoch ist."

2019 weihen die Rumänen in Wien eine neue Kirche ein

Symbolisch für die innerchristliche Entwicklung in Wien ist, dass die Katholiken in den vergangenen Jahren einige Kirchengebäude abgegeben haben. Und die rumänisch-orthodoxe Kirche baut sogar ein neues Gotteshaus. Entstehen soll es an der Bruno-Marek-Allee im Stadtentwicklungsgebiet auf dem früheren Nordbahnhofgelände im 2. Bezirk.

Die Architekten Georg Baldass und Mihaela Ionescu lassen sich dabei von der Architektur der berühmten Klosterkirchen der nördlichen Moldau und der südlichen Bukowina mit ihrem flächendeckenden Freskenschmuck an den inneren und äußeren Wänden inspirieren. Im Herbst sollen die Arbeiten beginnen - ein Jahr später soll das neue Gotteshaus eingeweiht werden. Bis die Innenausschmückung komplett fertig ist, kann es dann freilich noch gut zehn Jahre dauern.

Erzpriester Nutu meinte schon bei der Präsentation des Projekts vor drei Jahren: "Eine Kirche wird nicht alltäglich gebaut. Die Errichtung einer neuen Kirche ist das bedeutendste und heiligste Werk einer Kirchengemeinschaft und der Beweis des lebendigen Glaubens. Die neue Kirche ist aber auch eine Notwendigkeit für unsere Glaubensgemeinschaft, und für uns in der Diaspora bedeutet sie auch ein Stück Heimat."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-06 15:36:05
Letzte Änderung am 2018-04-11 09:17:42


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