• vom 16.04.2018, 17:16 Uhr

Stadtleben


Prozess

Falscher Mediziner wegen Betrugs verurteilt




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    Wien. Ein im Behindertensport erfolgreicher Trainer - er fungierte beispielsweise als Chefcoach eines heimischen Paralympics-Medaillengewinners - ist am Montag am Wiener Landesgericht für Strafsachen verurteilt worden. Er gab sich fälschlicherweise als Arzt aus. Damit führte er mehrere sport- und medizinwissenschaftliche Institute sowie dutzende Leistungs- und Hobbysportler hinters Licht. Der Angeklagte, der nie ein Medizinstudium in Angriff genommen hatte, trat nach außen als Sportmediziner bzw. Facharzt für Innere Medizin und medizinische Leistungsphysiologie auf.

    Er war bestens vernetzt. So wurde er unter anderem als Projektbegleiter für das Team Rot-Weiß-Rot - das Spitzensportförderungsprogramm des Bundes - beschäftigt. Auf Honorarbasis führte er regelmäßig sportmedizinische Untersuchungen durch. In einem namhaften, auf Leistungsdiagnostik spezialisierten Institut kassierte er für 234 solche Untersuchungen. Daneben führte er dort bei Sportlern auch 17 Herzultraschalluntersuchungen durch. "Da hört sich dann der Spaß auf", befand Richterin Christina Salzborn. Der Angeklagte erwiderte darauf, er hätte sich nach diversen Trainer-Ausbildungen im In- und Ausland im Lauf der Jahre ein enormes sportmedizinisches Wissen angeeignet: "Ich kann das wirklich." Und weiter: "Ich habe Ärzte geschult in diesem Bereich, die haben das nicht verstanden."


    14 Monate bedingt
    Der Schwindler, der eine 70-seitige medizinische Studie mit dem Titel "Zur Wirksamkeit des Kletterns auf die Haltung der Wirbelsäule" verfasst hatte, wurde wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs, Kurpfuscherei und Fälschung besonders geschützter Urkunden verurteilt. Sowohl in seinem Reisepass als auch in seinem Führerschein hatte er sich den Doktortitel eintragen lassen. Angesichts seiner bisherigen Unbescholtenheit und seiner geständigen Verantwortung kam er mit 14 Monaten auf Bewährung davon. Die zu Unrecht bezogenen Honorare beliefen sich insgesamt auf rund 25.000 Euro. Der Angeklagte war mit der über ihn verhängten Strafe einverstanden. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-04-16 17:21:20



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