• vom 07.05.2018, 17:44 Uhr

Stadtleben

Update: 07.05.2018, 17:49 Uhr

Leopoldau

Wohnen auf gesicherter Altlast




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Von Christian Rösner

  • Wien nutzt Industriebrache in der Leopoldau für 1400 Wohnungen. 2020 sollen erste Mieter einziehen.

Neues Areal zum Leben in Floridsdorf

Neues Areal zum Leben in Floridsdorf© WZ-Grafik, Neu Leopoldau Entwicklungs GmbHm, Kartenmaterial mapz.com Neues Areal zum Leben in Floridsdorf© WZ-Grafik, Neu Leopoldau Entwicklungs GmbHm, Kartenmaterial mapz.com

Wien. Die Wiener Stadtwerke und das Umweltbundesamt (UBA) sprechen von einer "Pionierarbeit": Die Entstehung eines neuen Stadtquartiers auf einer ehemaligen Industriebrache. Unter dem Projektnamen "Neu-Leopoldau" werden auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks in Floridsdorf auf rund 13,5 Hektar 1400 Wohnungen gebaut, plus Nahversorgung und sozialer Infrastruktur, mit 70.000 Quadratmeter Gewerbeflächen sowie Grünflächen, Kinderspielplätze und Parks. Aber auch inklusive Sperrbrunnenanlage, Bodentausch, Umspundung und chemischer Bauaufsicht. 17 ehemalige Verwaltungsgebäude, die unter Denkmalschutz stehen, bleiben erhalten und sollen in Gastroflächen oder Werkstätten umgewandelt werden. Bereits 2020 sollen die ersten Mieter einziehen.

Das erklärten der stellvertretende Generaldirektor der Wiener Stadtwerke Peter Weinelt und der Geschäftsführer-Stellvertreter des Umweltbundesamtes, Karl Kienzl am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Und zwar einen Tag vor der Veröffentlichung der Berichte des Stadtrechnungshofes, der sich auch mit dem Projekt befasst hat. "Ich bin aber sehr optimistisch, was den Stadtrechnungshofbericht angeht", versicherte Weinelt.


"Ich würde es auch meinen Enkerln zum Essen geben"
Bauen auf einer gesicherten Altlast bedeutet, dass es auf diesem Areal niemals private Trinkwasserbrunnen geben wird. Denn es werden zwar die oberen Erdschichten - bis zu 50 Zentimeter tief - ausgetauscht und darunter ein Trennvlies gelegt, aber darunter befindet sich nach wie vor kontaminierte Erde. Die Wasserversorgung erfolgt also eigentlich so wie in ganz Wien über die Hochquellenwasserleitung. Aber laut Weinelt und Kienzl sei alles "nicht nur unbedenklich, sondern auch sicher". Auf die Frage, ob er das dort wachsende Gemüse auch seinen Kindern zu essen geben würde, antwortete Kienzl: "Meine Kinder sind schon erwachsen, aber ich würde es auch meinen Enkerln zum Essen geben."

Unabhängig von den Wiener Stadtwerken, deren Tochter Wiener Netze der Mehrheitseigentümer der betreffenden Entwicklungsgesellschaft ist, habe das UBA das Projekt von Anfang an begleitet.

Alternative zur Zerstörung von unverbautem Grünraum
Insgesamt wurden laut Kienzl aktuell an zehn unterschiedlichen Stellen Proben genommen, die in den eigenen Labors untersucht wurden. Gesucht wurde nach organischen Schadstoffen und Schwermetallen, aber alle Proben seien unbedenklich gewesen, versicherte der Experte.

Er plädierte dafür, künftig mehr ehemalige Industriestandorte zu nutzen, um nicht unverbauten Grünraum zu zerstören. Entsprechendes strategisches Flächenmanagement würde Ressourcen schonen. Immerhin würde es österreichweit brachliegende Industrieareale in der Größe von 40.000 Hektar geben. Das entspricht der Gesamtfläche der Bundeshauptstadt.

Die Altlast Gaswerk Leopoldau gilt laut UBA bereits seit 2013 als gesichert. Zahlreiche Bodenuntersuchungen seien seit den 1990er Jahren den Planungen für die künftige Nutzung vorausgegangen. Zwischen 2004 und 2006 wurde das Kontaminationszentrum mit einer 1,3 Kilometer langen Doppelkammerdichtwand umschlossen. Weiters wurde mit einer Sperrbrunnenreihe der Abstrom von kontaminiertem Wasser abgesichert.

Rund 70.000 Tonnen Erdreich wurden ausgetauscht
Es wurde auch eine Wasseraufbereitungsanlage sowie ein Versickerungsbrunnen errichtet und rund 70.000 Tonnen Erdreich ausgetauscht. Bereits in den kommenden Wochen sollen die Bauarbeiten starten. Zur Einhaltung des Sicherheitsmanagements wird das UBA alle Errichtungsphasen begleiten, wie Kienzl versicherte. Gleichzeitig erfolgt auch eine Immissionsüberwachung.

"Die hohen Umwelt- und Sicherheitsstandards, die bei diesem Projekt angewendet werden, könnten zum künftigen Standard für vergleichbare Projekte in ganz Österreich werden", hieß es bei der Pressekonferenz. Auf die Frage, warum es dann eigentlich keine Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben hat, antwortete Weinelt, die zuständigen Behörden hätten das so entschieden. Darum sei auch keine durchgeführt worden. Wie der Wien Stadtrechnungshof das Projekt "Neu Leopoldau" beurteilt, ist übrigens ab heute, Dienstag, auf der Homepage des Stadtrechungshofes einsehbar.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-07 17:39:40
Letzte Änderung am 2018-05-07 17:49:55


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