• vom 17.05.2018, 17:03 Uhr

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Update: 18.05.2018, 11:13 Uhr

Volksschule Stubenbastei

Am Stubentor wird gefeiert




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Von Paul Vécsei

  • Wiener Gründerzeit-Schule wurde 150 Jahre alt.

Durch den Bezirk zum Jubiläum renoviert: die historische Volksschule Stubenbastei.

Durch den Bezirk zum Jubiläum renoviert: die historische Volksschule Stubenbastei.© Stanislav Jenis Durch den Bezirk zum Jubiläum renoviert: die historische Volksschule Stubenbastei.© Stanislav Jenis

Wien. Was haben Donauwalzer, Wiener Eislaufverein und das erste Wiener Warenhaus, das Haas-Haus am Stephansplatz, gemeinsam? Knirpse aus der Volksschule Stubenbastei in Wiens City können diese scheinbare Millionenquiz-Frage im Nu lösen: Das Entstehungsjahr 1867, das ist nämlich auch jenes ihres Schulgebäudes. Deshalb feiert die Volksschule heute, Freitag, mit einem Riesenfest ihr 150-jähriges Bestehen.

Passend dazu wird unter anderen Programmpunkten der Donauwalzer von den Volksschülern vor dem Gebäude getanzt und gesungen - sofern der Wettergott am Stubentor zwischen Zedlitzgasse und Wollzeile keinen Strich durch die Rechnung macht. Rechtzeitig vor dem Fest wurde die Fassade mit Sondereinsatz und Sondermitteln der Bezirksvorstehung herausgeputzt. Das Gebäude gilt schließlich als historische Besonderheit: Auf einem Bronze-Modell im Wien Museum, das die Stadt vor Errichtung der Ringstraße zeigt, ist die Schule als eine Art Solitaire gut auszunehmen.

"Erbaut von der Commune Wien im Jahre 1867 unter Amtsdauer von Bürgermeister Zelinka" prangt daher folgerichtig auf einer antiquierten Erinnerungstafel im Stiegenhaus des Gebäudes.

Von Anfang an herrschte an dieser Schule Sprachengewirr. Denn in der Donaumonarchie gab es für Deutsch kein Vorrecht. Alle Sprachen von damals und mehr - insgesamt 27 - kennzeichnen noch heute das Stimmengewirr im Kommunikationskonzert zwischen Schülern und Eltern. Direktorin Brigitte Kranzl-Kromp führt darüber penibel Buch. Nach ihrer Rechnung haben 145 ihrer 278 Schäfchen eine andere Muttersprache als Deutsch. Diese Vielstimmigkeit und Multikulturalität wird durch acht vertretene Religionsgemeinschaften ergänzt.

"Gutbürgerlich, nicht elitär"

Das Einzugsgebiet in der City sorgt an der Schule für internationalen Besuch. Türkische Kinder bilden eine kleine Gruppe. Russen, Franzosen und englischsprachige Wurzeln sind stark vertreten. "Gutbürgerlich", wie schon im vorigen Jahrhundert, "keinesfalls elitär" sei die Zusammensetzung, betont die Direktorin. Auch Flüchtlingskinder, beispielsweise aus Syrien, sind darunter. In "dieser Vielfalt mit verschiedenen Wertewelten" sieht die Schulleiterin den Vorzug ihres Hauses.

Alle zusammen haben mit den insgesamt rund 30 Lehrerinnen kleine Geschichtsforschungsprojekte zur Schule erarbeitet. Viele Daten zum Schulgebäude mussten erst zusammengesucht werden. Herausgekommen ist eine erstmals erstellte komplette kleine Schulchronik. Projektleiterin und Lehrerin Helga Bachhofer über die Arbeit mit den emsigen, kleinen Schülern: "Wir haben Fragen zur Vergangenheit ausgearbeitet, und die Kinder haben dann selbst recherchiert." So haben sie etwa herausgefunden, dass eine Seychellen-Schildkröte, welche 1901 nur privat und mit großem Aufwand besichtigt werden konnte, noch heute in Schönbrunn lebt. Heute kann sie dort jeder sehen. Und inzwischen sind auch Lehrausgänge üblich, "die es früher nicht gab".

Namenswechsel durch U-Bahn

Jahrelang befand sich übrigens der Eingang ins Gebäude in der Zedlitzgasse, deren Namen die Schule auch lange trug. Erst im Jahr 1991, im Zuge des Baus der U3 und der Station "Stubentor", wurde der Eingang um die Ecke verlegt. Seither heißt die Schule "Stubenbastei". Sie ist aber nicht zu verwechseln mit dem nicht minder bekannten Bundesgymnasium Wien I "Stubenbastei" in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Die Basis für die Feierlichkeiten der Volksschule bildete übrigens ein Zufallsfund von Direktorin Kranzl-Kromp. In ihrem Büro steht seit Urzeiten ein Tresor aus der k.u.k.-Zeit. Als sie in diesem einmal auch in der alleruntersten Lade stöberte, fand sie verstaubte Kassabücher, datiert mit 1867, in denen händisch erste Schulgeldzahlungen verzeichnet waren. Die hatte über Jahrzehnte niemand entdeckt gehabt. Damit wurde auch für Historiker klar, dass das Gebäude von allem Anfang an im Schuldienst gestanden ist.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-17 17:10:08
Letzte Änderung am 2018-05-18 11:13:34



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