• vom 17.05.2018, 21:59 Uhr

Stadtleben

Update: 18.05.2018, 11:10 Uhr

Geschichte

Bitte à la Giraffe!




  • Artikel
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Clemens Marschall

  • Als ganz Wien im "Giraffenfieber" war.

- © Chris Van Lennep

© Chris Van Lennep

Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten Schönbrunn unterbrachte: die erste Giraffe in dem seit 1752 bestehenden Zoo.

Der junge Giraffenbulle wurde zunächst, auf den Rücken eines Kamels gebunden, vom Landesinneren des Sudans zum Nil gebracht und auf dem Fluss über Kairo bis nach Alexandria transportiert. Von dort ging es dann ab 30. März 1828 mit dem arabischen Wärter Ali Sciobary per Schiff übers Mittelmeer. Die nächste Station war Poveglia, eine Insel südlich von Venedig, wo sie am 27. April ankamen.

Ali Sciobary war wenig überrascht darüber, dass die Giraffe bei bester Gesundheit war, hatte er ihr doch ein Amulett in Form eines mit Kräutern und Papieren gefüllten Beutels umgehängt. Der Wärter selbst allerdings musste wegen einer Erkrankung in Venedig bleiben.

Nach einer 40-tägigen Quarantäne ging es abermals mit dem Schiff ins kroatische Rijeka. Ab dort ging es zu Fuß weiter. Der Bulle bekam Schnürschuhe, die das Vorankommen auf dem ungewohnten Boden erleichtern sollten. Bei täglich 15 bis 20 Kilometern kamen sie bis nach Karlovac, nahe der slowenischen Grenze. Dort wurde das Tier sichtbar müde, woraufhin ihm ein von Pferden gezogener Transportwagen gebaut wurde. Die Karawane zog über Zagreb und Sopron weiter, während der Hals der Giraffe aus dem Wagen ragte. Am 7. August kam der Tross in Wien an.

Das Giraffenfieber greift um sich

Für den neuen Gast war in Schönbrunn ein Tierhaus zur "Giraffenloge" umgebaut worden, in dem bis dahin Schwimm- und Stelzvögel gelebt hatten. Das exotische Geschenk sollte in der Residenzstadt nicht ohne Folgen bleiben. Die Giraffe, ein damals in Wien noch großteils unbekanntes Wesen, wurde zur Sensation, und das nicht nur im Tiergarten: Josef Kimmel, ein Penzinger Wirt, gab wenige Tage nach Ankunft einen "Giraffen-Ball". Zu hören waren eigens komponierte "Galoppes à Giraffe".

Doch sogar vor ihrer Ankunft war die Giraffe bereits Thema: Im Leopoldstädter Theater hatte am 9. Mai 1828 die Aufführung von "Die Giraffe in Wien (Alles à la Giraffe)" stattgefunden. Die Musik stammt von Joseph Drechsler, der Text vom Theaterdirektor Adolf Bäuerle. Inhalt war weniger Vorfreude auf das Tier, sondern die Belustigung über die Pariser, die schon vor Wien vom "Giraffenwahn" erfasst worden waren. Das Stück konnte allerdings keine großen Erfolge verbuchen - womöglich auch deshalb, weil die Wiener nicht anders reagierten als die Pariser.




weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-17 22:03:51
Letzte Änderung am 2018-05-18 11:10:22



Vor Gericht

Toter Rekrut: Angeklagter blitzt bei OGH ab

Im Jänner 2018 wurde in der Kaserne in der Leopoldstadt eine Tatrekonstruktion durchgeführt. - © apa/Punz Wien. Der Fall eines Soldaten, der am 9. Oktober 2017 einen 20 Jahre alten Rekruten in einer Wiener Kaserne erschossen haben soll... weiter




Vor Gericht

Der Elfenbeinsammler

Immer wieder werden im Kampf gegen illegale Wilderer beschlagnahmte Elefantenstoßzähne verbrannt (hier in einem Nationalpark in Nairobi). - © afp Wien. "Ich bin ein Sammler", sagt Herr B. Erzählt er über seine Leidenschaft, gerät er ins Schwärmen. Immer wieder tausche er seine Stücke aus - "so... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Ludwig ist zu wenig Rampensau"
  2. Schlüsselübergabe
  3. "Das Gericht hat resigniert"
  4. Weinseliges Voting
  5. Gebet eines Seniors
Meistkommentiert
  1. "Das Gericht hat resigniert"
  2. Vernichtendes Urteil für KAV
  3. "Es war eine tolle Zeit"
  4. Ludwigs To-do-Liste
  5. "Ludwig ist zu wenig Rampensau"

Schilling

Der unkaputtbare Schilling

Heinz Sommer bekommt noch immer circa 1000 Schilling im Monat von den Gästen. - © Ch. Maconochie Wien. In seinem Jubiläumsjahr also wird Otto Wagner aus dem Verkehr gezogen - zumindest monetär: Die 500-Schilling-Note mit dem Wagner-Konterfei kann... weiter




Uber

Wien macht gegen Online-Giganten mobil

- © WZ-Illustration:Fotolia/mast3r Wien. Andreas hatte es schon einmal einfacher. Mitten in der Nacht brettert der Taxilenker mit seinem alten Mercedes über die menschenleere... weiter




Max Catering

Der Geschmack von Schule

- © Max Catering Wien. Drei Männer mit hellblauer Plastikhaube auf dem Kopf stehen vor großen silbernen Kochformen. Einer hält einen Schöpfer so groß wie ein Fußball... weiter






Religion

Kein Osterhase, aber bunte Eier

Kein Osterhase, aber bunte Eier Wien. Während vorigen Sonntag in den katholischen Gotteshäusern Hochämter zum Ostersonntag gehalten wurden, war für die orthodoxe Christenheit an...

Religion

"Es braucht einfach viel Geduld"

"Es braucht einfach viel Geduld" Wien. Die Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel, nimmt demnächst Abschied: Die 52-Jährige wechselt Ende August...



Haus des Meeres

Klapperschlangen überraschen mit Nachwuchs

20180419Klapperschlange - © Haus des Meeres/Günther Hulla Wien. Das Uracoan-Klapperschlangenpärchen hat im Wiener Haus des Meeres in der Vorwoche mit Nachwuchs überrascht. Nachdem diese aus einem kleinen... weiter




Staatsbesuch

Ein Panda für Schönbrunn?

20180408panda - © APAweb/AP, Drew Fellman Peking/Wien. Bekommt Schönbrunn einen neuen Panda aus China? Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist diesbezüglich jedenfalls guter Hoffnung... weiter






Werbung