• vom 07.06.2018, 17:57 Uhr

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Update: 08.06.2018, 09:36 Uhr

Fairtrade-Sarg

Tumult um Öko-Sarg




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Von Petra Tempfer

  • Wird die Totenruhe im ersten Fairtrade-Sarg Wiens gestört? Der Stadt ist der Sarg nicht dicht genug.

Das Modell "Pandanus" ist aus den Blättern der wilden Ananas gefertigt. - © Boskamp Green Coffins

Das Modell "Pandanus" ist aus den Blättern der wilden Ananas gefertigt. © Boskamp Green Coffins

Wien. Bambus, Weidenruten, Bananenblätter und Blätter der wilden Ananas, kombiniert mit Maismatratzen und Decken aus ungebleichter Baumwolle: Das sind nur einige der Materialien, aus denen ein Fairtrade-Sarg des deutschen Herstellers Boskamp Green Coffins unter fairen Arbeitsbedingungen gezimmert - oder besser: geflochten ist.

Die Särge haben das Eco-Fairtrade oder das FSC-Zertifikat. Vergangene Woche Freitag kamen die ersten drei Fairtrade-Särge dieser Art in Wien an. Am Samstag war der erste laut Marijan Martinovic, Inhaber der Bestattung Memoria, verkauft. Seit der Vorwoche liegt nun der Leichnam des Bruders der 88-jährigen Käuferin gekühlt in der Leichenkammer des Friedhofs Baumgarten, um nächste Woche Freitag beerdigt zu werden - seine Totenruhe könnte aber noch gestört werden.


Denn laut Florian Keusch, Sprecher der Bestattung und der Friedhöfe Wien, fehlt die Bestätigung, dass der Sarg flüssigkeitsdicht ist. Daher bestehe die Gefahr, dass während des Begräbnisses auf dem Weg zum Grab Leichensäfte heraustropfen, was hygienisch riskant sei, sagt er. Der Verstorbene könne dann nicht in besagtem Fairtrade-Sarg bestattet werden. Martinovic sagt, dass ihn jemand angezeigt habe, möglicherweise ein anderer privater Bestatter.

Stadt Wien hat externen Sachverständigen eingeschaltet
Nun bestehe die Möglichkeit, nachträglich eine saugfähige Unterlage hineinzulegen, so Keusch weiter. Die Entscheidung, ob der Sarg schließlich zulässig ist, liege bei der MA 40, der Magistratsabteilung für Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht der Stadt Wien. Diese möchte sich auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" nicht zu einem laufenden Prüfverfahren äußern.

Nur so viel: Ein externer Sachverständiger wurde eingeschaltet. Dieser hat am Donnerstag den Sarg begutachtet. Fällt die Entscheidung negativ aus, muss der Verstorbene vermutlich in einen herkömmlichen Sarg umgebettet werden. Ein durchaus plausibles Szenario, denn: "Wenn ich im Nachhinein irgendetwas in den Fairtrade-Sarg hineinlege oder sogar schraube, ist der Sarg nicht mehr biologisch", sagt Martinovic, "damit betrüge ich meine Kunden."

Dem Wiener Leichen- und Bestattungsgesetz §29 über die Durchführung der Erdbestattung zufolge sind für die Bestattung von Leichen in Erdgräbern "dicht schließende Särge aus Holz oder gleichwertigem verrottbaren Material mit flüssigkeitsundurchlässiger Einlage oder Auskleidung zu verwenden, die den Zerfall der Leiche nicht behindern". Martinovic habe bis zum Begräbnistermin Zeit, einen Nachweis des Herstellers vorzulegen, dass der Sarg "flüssigkeitsundurchlässig" ist, sagt Keusch.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-07 18:04:25
Letzte Änderung am 2018-06-08 09:36:26


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