• vom 08.06.2018, 16:22 Uhr

Stadtleben

Update: 08.06.2018, 16:31 Uhr

Fairtrade-Sarg

Öko-Sarg besteht Behörden-Test




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Von Petra Tempfer

  • Der erste Fairtrade-Sarg Wiens ist laut Sachverständigem dicht genug. Der Bestattung steht nichts mehr im Weg.

Aufregung um einen Öko-Sarg.

Aufregung um einen Öko-Sarg.© Boskamp Green Coffins Aufregung um einen Öko-Sarg.© Boskamp Green Coffins

Wien. Der Tumult um den ersten Fairtrade-Sarg Wiens des privaten Bestatters Marijan Martinovic, in dem bereits ein Leichnam liegt, ist gütlich zu Ende gegangen. Der Sarg bestand den Dichtheitstest durch einen externen Sachverständigen, den die MA 40 (Magistratsabteilung für Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht der Stadt Wien) am Donnerstag durchgeführt hatte.

Mit Wasser - die Kritik der Stadt hatte im Vorfeld dahingehend gelautet, dass der Fairtrade-Sarg keine "flüssigkeitsundurchlässige" Einlage habe, wodurch während des Begräbnisses auf dem Weg zum Grab Leichensäfte heraustropfen könnten. Denn dem Wiener Leichen- und Bestattungsgesetz §29 zufolge muss ein Sargüber diese Einlage verfügen.

Jemand hatte den Bestatter angezeigt

Der Sarg, der aus Bambus, Blättern der wilden Ananas, einer Maismatratze und Baumwolltüchern besteht und unter fairen Arbeitsbedingungen in Indonesien hergestellt wurde, ist also dicht genug.Der Leichnam - der Bruder der 88-jährigen Käuferin des Sarges -, der gekühlt auf dem Friedhof Baumgarten liegt, kann nun wie geplant am kommenden Freitag im Fairtrade-Sarg beerdigt werden. Ganz im Sinne von Martinovic freilich, der keine zusätzliche Einlage in den Sarg legen wollte, da dieser dann nicht mehr biologisch gewesen wäre, wie er sagt.

Außerdem hat Martinovic noch zwei weitere Fairtrade-Särge dieser Art bei sich stehen - für die sich im Falle eines negativen Test-Ergebnisses keine Abnehmer mehr gefunden hätten. Der geprüfte Bestatter, der im Dezember 2017 sein Unternehmen Bestattung Memoria in Wien-Hernals gegründet hat, vermutet die Konkurrenz hinter der anfänglichen Skepsis der Stadt Wien seinem Sarg gegenüber. Es hatte ihn nämlich jemand angezeigt. Möglicherweise ein anderer privater Bestatter, sagt er.

"Jemand dürfte am Sarg hantiert haben"

Kurios sei, dass jemand am Sarg hantiert haben dürfte, so Martinovic weiter. Als er diese Woche in der Kühlkammer des Friedhofs Baumgarten nach dem Rechten sehen wollte, sei es ihm aufgefallen. Tatsache sei, dass die Fairtrade-Särge mit einem Preis von etwa 1400 Euro billiger als herkömmliche Eichensärge seien, für die man ab 2000 Euro zahlen müsse. Und das, obwohl Erstere im Einkauf das Dreifache kosteten. "Ich kann nicht so viel draufschlagen, weil es mir darum geht, dass der Sarg in Umlauf kommt", sagt Martinovic.

In Tirol (das Bestattungsrecht ist Ländersache) verwende man bereits Fairtrade-Särge, sagt Hersteller Mark Jacobs von Boskamp Green Coffins in Deutschland. Neben Österreich verkaufe er seine Särge auch in die Schweiz und eben in Deutschland. "In keinem anderen Land gab es Probleme", sagt er.

Die Wiener Bestatterszene ist heiß umkämpft. Seit dem Wegfall des Gebietsschutzes 2002 gibt es laut Wirtschaftskammer Wien 26 private Unternehmen, die Anzahl steigt. Die Bestattung Wien führe aber noch immer etwa 10.000 der 17.000 Bestattungen pro Jahr durch, heißt es von dieser.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-08 16:23:34
Letzte Änderung am 2018-06-08 16:31:59


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