• vom 14.06.2018, 20:35 Uhr

Stadtleben

Update: 14.06.2018, 20:44 Uhr

Vor Gericht

Gepeinigt durch den Knall




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Von Daniel Bischof

  • 15 Jahren Haft im Prozess um einen toten Rekruten.

Der Vorfall ereignete sich in dem weißen Container in der Albrechtskaserne. - © apa/Punz

Der Vorfall ereignete sich in dem weißen Container in der Albrechtskaserne. © apa/Punz

Wien. Er wirkt abwesend, als wäre er gedanklich in einer anderen Welt, dieser Herr A. Starr auf der Anklagebank sitzend, schaut er beständig auf den Boden. Um alles, um seine Freiheit, geht es heute für ihn: Des Mordes angeklagt, droht ihm im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe. Doch keine Emotionen zeigen sich während der stundenlangen Verhandlung auf seinem Gesicht. Fast erstarrt, bewegt er nur hier und da leicht den Kopf, kurz ins Publikum oder zu den Geschworenen schauend.

Anteilslos hört er sich das Gutachten an, das der Schießsachverständige Manuel Fließ vorträgt. Der Gutachter spielt dem Gericht Videos von Schussversuchen vor, die er in seinem Labor durchgeführt hat. Doch dann passiert es. Im Video wird ein Schuss abgegeben, er ist abgedämpft und nicht laut, niemand im Gerichtssaal nimmt davon sonderlich Notiz. Außer A. Er wird panisch.

Erschrocken zuckt er zusammen, gleich nachdem der Schuss gefallen ist. Das Herz des kleinen Mannes beginnt zu pochen, der Atem wird schneller, rasend schnell bewegt sich seine Brust auf und ab. Er braucht einige Zeit, um sich zu erholen. Erleichtert fährt er sich über die Stirn und durch die Haare, als der Schrecken nachlässt. Doch dann ist im Video erneut ein Knall zu hören. Wieder zuckt A. zusammen, erneut wird er in minutenlange Pein gestoßen. Das Hören eines Schusses, sei er auch noch so leise, es macht etwas mit A.

Wegen eines Schusses sitzt er auch am Donnerstag auf der Anklagebank, in Saal 211 des Wiener Straflandesgerichts. Der 22-jährige Grundwehrdiener hat am 9. Oktober 2017 seinem zwei Jahre jüngeren Kameraden in der Wiener Albrechtskaserne in den Kopf geschossen und tödlich verwundet. Laut der Staatsanwaltschaft war es ein Mord. A. spricht hingegen von einem Schießunfall.

Zahlreiche Fallversuche

Beim Verhandlungsauftakt bekannte sich A. - die "Wiener Zeitung" berichtete - schuldig im Sinne einer grob fahrlässigen Tötung. Ermordet habe er seinen Kameraden aber nicht.

Der Angeklagte und der Getötete waren Wachsoldaten, sie schliefen gemeinsam in einem Container beim Kaserneneingang. Am Vorfallstag versah A. Wachdienst, der Getötete lag auf einer Pritsche im Ruheraum des Containers.

A. gibt an, dass er seinen Kameraden wecken wollte, um mit ihm eine Zigarette zu rauchen. Beim Betreten des Ruheraums sei er gestolpert und hingefallen, wodurch sich unabsichtlich ein Schuss gelöst habe. Zuvor sei ihm die Waffe heruntergefallen, wodurch eine Patrone aus dem Magazin in den Lauf gelangt ist, meint A. Da er während des Dienstes immer mit der Sicherung herumgespielt habe, sei die Waffe bei der Schussabgabe auch entsichert gewesen, sagt A.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-14 20:40:23
Letzte Änderung am 2018-06-14 20:44:50


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