• vom 21.06.2018, 17:27 Uhr

Stadtleben


Strafprozess

Wiener OLG setzte mutmaßlichen Vergewaltiger auf freien Fuß




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  • Der Zeitungszusteller soll eine 15-Jährige missbraucht haben.

Wien. Einem Zeitungszusteller wird vorgeworfen, am 22. Dezember 2017 in Wien eine 15-Jährige in seinen Lieferwagen gelockt und vergewaltigt zu haben. Der 25-Jährige wurde von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Ob er gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden kann, ist fraglich.

Ausschlaggebend dafür sind der schlechte psychische Zustand des Mädchens und ein Beschluss des Wiener Oberlandesgerichts (OLG), mit dem der Tatverdächtige auf freien Fuß gesetzt wurde. Zuvor hatte ihn ein Richter des Landesgerichts am 3. Mai im Gerichtssaal festnehmen lassen. Der Angeklagte hatte sich nicht geständig gezeigt. Er gab an, er habe das Mädchen heimbringen wollen und sei über sie nicht hergefallen. Im Intimbereich und an der Kleidung des Mädchens konnten jedoch DNA-Spuren des Mannes nachgewiesen werden. Da es überdies Hinweise gibt, dass die Tat bei der Betroffenen schwere Dauerfolgen bewirkt hat, war für das Landesgericht die Inhaftierung des Mannes wegen dringenden Tatverdachts unumgänglich.


Das nicht zuletzt deshalb, weil der Prozess gegen den Mann vertagt werden musste. Die Befragung der 15-Jährigen musste nämlich abgebrochen werden, da das Mädchen einen Zusammenbruch erlitten hatte.

Der Angeklagte beschwerte sich gegen seine Inhaftierung. Das Wiener OLG gab dieser Folge. Zwar wurde der Erstinstanz beigepflichtet, dass von dringendem Tatverdacht in Richtung Vergewaltigung auszugehen sei. Das OLG verneinte jedoch die vom Erstgericht angenommenen Haftgründe der Tatbegehungs- und Fluchtgefahr. Der aus Indien stammende Mann, der 2014 nach Österreich gekommen war, weise keine Vorstrafen auf. Außerdem sei er von Dezember bis Mai in sexueller Hinsicht strafrechtlich nicht mehr aufgefallen.

Der Mann flog nach Indien, ein internationaler Haftbefehl wurde erlassen. Dieser wurde vor wenigen Tagen vollzogen, als er nach Österreich zurückkehrte. Der mutmaßliche Vergewaltiger blieb nur wenige Stunden im Gefängnis. Er musste wegen des OLG-Beschlusses freigelassen werden.

Ein Gutachten soll nun klären, ob die Jugendliche aussagefähig ist. Das Mädchen, das an Panikattacken leidet, konnte bisher aber nicht dazu gebracht werden, sich mit dem psychiatrischen Sachverständigen zu treffen.




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Dokument erstellt am 2018-06-21 17:34:29


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