"Eine Königspython ist absolut harmlos", erklärt Experte Polaschek. - © Anja Rabitsch
"Eine Königspython ist absolut harmlos", erklärt Experte Polaschek. - © Anja Rabitsch

Wien. "Ich war fasziniert, man hat sofort gesehen, dass es keine heimische Schlange ist. Aber ein bisschen ‚spooky’ war es auch", schilderte Anja Rabitsch gegenüber der "Wiener Zeitung" eine höchst ungewöhnliche Begegnung. Rabitsch war am Dienstagnachmittag mit ihren zwei Hunden auf einer Wiese nahe dem Schloss Wilhelminenberg spazieren, als sie beinahe über eine etwa zwei Meter lange Schlange stolperte - die "Presse" berichtete am Mittwoch über den Fall.

"Der Königspython ist mitten auf dem Weg gelegen. Ich habe nachgeschaut, was man in einem solchen Fall macht und die Polizei gerufen", sagte Rabitsch. Polizeisprecher Paul Eidenberger bestätigte den Einsatz. Aber: "Polizisten fangen keine Schlangen ein", sagt Eidenberger. Die Polizei habe daher die zuständige MA 60 (Veterinärdienste und Tierschutz) verständigt.

Hierbei dürfte es dann aber zu Komplikationen gekommen sein. Laut Rabitsch war die "Tierrettung nicht kooperativ". Am Telefon habe diese mitgeteilt, dass sie sich beim Amtstierarzt erkundigen müsse, ob die Schlange einen Schaden für das Ökosystem Wiens darstelle. Das könne allerdings bis zu vier Stunden dauern.

Tier dürfte tot sein


Offensichtlich habe es Missverständnisse gegeben, sagte Harald Wenzl, stellvertretender Leiter der MA 60: "Der zuständige Fahrer der Tierrettung wurde falsch verstanden". Ein Königspython komme in Österreich hier natürlich nicht vor: "Es handelt sich damit automatisch um ein Fundtier, das von uns abgeholt und in einem Tierheim versorgt wird."

Im konkreten Fall klappte das nicht. Rabitsch passte eineinhalb Stunden auf die Schlange auf: "Sie war langsam unterwegs. Man hat gesehen, dass sie gerade gegessen hatte." Doch dann verschwand sie im Gebüsch. Mittlerweile dürfte sie verendet sein.

"Wir haben drei Stunden nach dem ersten Anruf einen weiteren Anruf von einer Dame bekommen. Da dürfte das Tier bereits tot gewesen sein", sagt Wenzl. Denn laut der Dame sei die Schlange ausgerollt gewesen und habe sich nicht einmal auf ihre Annäherung hin bewegt. "Das ist untypisch. Normalerweise rollt sich ein Python in einer solchen Situation ein." So oder so werde man das Tier aber nicht lange in der Natur vorfinden: "Da balgen sich sofort Beutegreifer wie Füchse darum".

Sollte sie trotz aller Indizien noch leben, brauchen Spaziergänger sich nicht fürchten. "Sie ist absolut harmlos", so Fachmann Martin Polaschek. Er betreibt das "ReptilienZentrumWien" und verkauft auch die ungiftigen Königpythons. Stutzig macht ihn, dass das Tier zwei Meter lang gewesen sein soll: "Im Durchschnitt wird eine Königspython einen Meter groß".