• vom 02.07.2018, 17:47 Uhr

Stadtleben

Update: 02.07.2018, 19:48 Uhr

Staatsbesuch

Kein Auftritt wie bei Erdogan




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Von Alexander Maurer

  • Irans Präsident Hassan Rouhani kommt nach Wien - die hier lebenden Perser betrachten seinen Besuch zwiespältig.

- © Alexander Zemlianichenko/ap

© Alexander Zemlianichenko/ap





Wien. Der Wien-Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani am Mittwoch wird von umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Beim Staatsbesuch während des österreichischen EU-Ratsvorsitzes sind an diesem Tag in Summe 950 Polizisten im Einsatz.

Mit einer demonstrativen Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen wollen der Iran und Österreich dem US-Angriff auf den Wiener Atomdeal mit Teheran trotzen. Beim Besuch Rouhanis ist die Unterzeichnung mehrerer Memoranden geplant, darunter zur Zusammenarbeit im Transportwesen und im Wassermanagement.

Proteste kann es bis zu einem gewissen Ausmaß geben. Ebenso sind kleinere Sympathiebekundungen angekündigt (bis zu 100 Teilnehmer). Begeisterte Massenaufmärsche der iranischen Gemeinschaft wie der türkischen für Präsident Recep Erdogan sind nicht zu erwarten. Allein schon deshalb, weil es in Wien an so etwas wie einer iranischen Gemeinschaft hapert.

"Es gibt keine persische Community", sagt einer, der es wissen muss. Der austro-iranische Starkabarettist Michael Niavarani hat einmal im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt, wie es hier um die Gemeinschaft der Perser bestellt ist: "Es gibt zwar viele Perser in Österreich, aber sie sind nicht fähig, eine Community zu bilden." Dass sie sich nicht zusammenschließen, könne daran liegen, dass sie langfristig gar nicht da bleiben wollen. Sie warten nämlich seit der islamischen Revolution darauf, dass sich etwas ändert, damit sie in den Iran zurückkehren können.

"Die iranische Community in Wien und im Ausland hat nicht diese Solidarität und Verbundenheit wie beispielsweise die Türken oder Kurden. Da fehlt dieser spezielle Klebstoff", erklärt auch Masoud Moghadam bei einem Glas Schwarztee, umringt von Büchern. Der Trafikant ist iranischer Einwanderer der ersten Generation und kam 1984 nach Wien. Seit Mitte der 1990er engagiert er sich im Iranischen Kulturverein, den es seit 1981 im WUK gibt. Dort betreibt er den Aufbau und die Pflege einer iranischen Exilbibliothek, des "Khaneh-E-Ketab", was so viel wie "Haus des Buches" bedeutet. Wie er verließen viele andere den Iran, da sie nicht unter den Bedingungen des nach der Kulturrevolution 1980 errichteten Regimes der islamischen Republik leben wollten. Auch zwang die Schließung vieler Universitäten damals junge Iraner zum Studium im Ausland.

23.000 Iraner in Österreich

Laut Statistik Austria lebten Anfang 2018 etwa 23.000 Iraner in Österreich, knapp 14.000 davon allein in Wien. Die wenigsten entsprechen aber dem Klischee des Taxifahrers oder Teppichhändlers. "Sehr oft sind Iraner gut integriert und haben Positionen inne, wo normalerweise kein Immigrant erwartet wird", sagt Moghadam. "Das hat mitunter auch damit zu tun, dass Iranern Erfolg und Prestige sehr wichtig sind und sie deswegen ein großes Bedürfnis haben, sich zu etablieren", erklärt wiederum der junge Perser Armin Jabbari, der im Burgenland und in Wien aufgewachsen ist.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-02 17:52:47
Letzte Änderung am 2018-07-02 19:48:01


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