Ein Projekt der Europäischen Union unterstützt Senioren im Alltag. - © Novartis
Ein Projekt der Europäischen Union unterstützt Senioren im Alltag. - © Novartis

Wien. Zu hohe Treppen, eine zu kurz geschaltete Ampel, der Bus, der nach dem Einsteigen schnell anfährt oder zu schnelle Radfahrer: Seniorinnen und Senioren entdecken im Alltag oft Hürden, die die Mobilität älterer Menschen einschränken. Um ihre Erfahrungen und Perspektiven für die Stadtentwicklung zu nutzen wurde das Projekt "Mobilitäts-Scouts" ins Leben gerufen: Seniorinnen und Senioren erkunden dabei den öffentlichen Raum und stellen eigene Projekte auf die Beine, um ihre Stadt alternsgerecht zu gestalten.

Das vom EU-Programm Erasmus+ geförderte Projekt wurde bereits in Deutschland, Italien, den Niederlanden und in Litauen erfolgreich umgesetzt. In Wien werden die "Mobilitäts-Scouts" von "queraum.kultur- und sozialforschung" mit Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz begleitet. "13 ehrenamtliche Seniorinnen und Senioren arbeiten derzeit an drei ganz unterschiedlichen Projekten", schildert Claudia Auzinger von queraum. "Im Vorfeld konnten sie sich mit Experten von Mobilitätsagentur, Lokaler Agenda 21 oder der MA19 (Architektur und Stadtgestaltung) austauschen, jetzt sind sie mitten in der praktischen Umsetzung."

In Kleingruppen haben die 13 bunt zusammengewürfelten Teilnehmer von Mitte Fünfzig bis Mitte Sechzig seit Februar ihre Ideen weiterentwickelt. Dabei gilt es auch, Kooperationspartner und Kontakte zu finden, die etwa auf Bezirksebene bei der Umsetzung behilflich sein können. "Der unterschiedliche berufliche Hintergrund der Teilnehmer ist da sehr hilfreich", sagt Auzinger.

Im Projekt "Bewegung grenzenlos" geht es zum Beispiel um niederschwellige Bewegungstreffs für gehbeeinträchtigte Menschen in deren unmittelbarem Lebensumfeld. "Ich habe mich selbst schon viel damit beschäftigt, wie ich möglichst lange gesund und fit bleiben kann", sagt Mobilitäts-Scout und Bewegungspädagogin Gabriele Albeseder. "Es sind angeleitete, seniorengerechte Bewegungseinheiten in Parks geplant, die auch mit Rollator oder Rollstuhl leicht auszuführen sind. Auch Gedächtnistraining wird dabei sein. Jeder, der sich angesprochen fühlt, soll mitmachen können, ohne dafür extra wo hinfahren oder sich binden zu müssen. Je mehr ältere Menschen da sind, desto mehr Angebote braucht es und das Thema ‚lange alt sein‘ sollte überall präsent sein."

Ungeeignete
Toilettenanlagen

Das Projekt "Donauinsel" will Barrieren im 22. Bezirk am Donauufer aufzeigen und was es älteren Menschen schwierig macht, die Donauinsel für sich zugänglich zu machen. "Da sind zum Beispiel fehlende Geländer hin zum Wasser, hohe Treppen, Radfahrer am Fußweg oder für Senioren ungeeignete Toilettenanlagen, die einen Besuch erschweren", sagt Projektteilnehmer Thomas Reimer-Conrads, der seine Arbeit als Mobilitäts-Scout auch als Investition in die eigene Zukunft sieht. "Ich möchte im Alter noch lange aktiv sein und es wäre schade, wenn das an Dingen wie einem fehlenden Geländer scheitert." Auch Leitsysteme, Beleuchtung, Schriftgrößen auf Hinweisschildern oder Bänke als Rastmöglichkeiten können dabei eine Rolle spielen.