• vom 03.07.2018, 20:31 Uhr

Stadtleben


Straßenverkehr

"Ein Unfallort ist ein Tatort"




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  • 3500 Fälle pro Jahr für das Verkehrsunfallkommando.

Sieben der neun Spezialfahrzeuge wurden zuletzt durch modernere Modelle ersetzt.

Sieben der neun Spezialfahrzeuge wurden zuletzt durch modernere Modelle ersetzt.© apa/Neubauer Sieben der neun Spezialfahrzeuge wurden zuletzt durch modernere Modelle ersetzt.© apa/Neubauer

Wien. Rund 3500 Unfälle nimmt das Verkehrsunfallkommando (VUK) der Wiener Polizei im Jahr auf. Das betrifft vor allem Unglücke mit verletzten oder getöteten Personen auf der Straße, aber auch solche mit U-Bahnen, Bahnunfälle oder Schiffsunglücke auf der Donau, sagte Martin Kramser, Leiter des Unfallkommandos am Dienstag. "Ein Unfallort ist ein Tatort", erläuterte er die Herangehensweise bei der Arbeit.

Bei Unfällen mit Personenschaden sollte zuerst die Rettung gerufen werden, empfahl Kramser bei dem Pressegespräch am Stützpunkt in der Roßauer Kaserne. Dann wird zusätzlich eine Polizeistreife zum Ort des Geschehens beordert, erst danach wird das VUK verständigt. Wenn keiner der insgesamt neun speziellen Kastenwagen des Unfallkommandos samt zweiköpfiger Besatzung verfügbar ist, muss die anwesende Streifenwagenbesatzung den Vorfall selbst dokumentieren.


58 Beamte arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten
"Circa 80 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden werden in Wien vom Verkehrsunfallkommando bearbeitet", betonte Kramser. 58 Beamte und Beamtinnen des VUK arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten. "Es sind jedoch viele Überstunden erforderlich, und es kann vorkommen, dass ein Team 24 Stunden im Dienst ist", fügte der VUK-Chef hinzu.

Die Szenerie des jeweiligen Unfalls wird von den beiden Beamten - ein Wagenkommandant und ein Sachbearbeiter - akribisch dokumentiert. Die Standorte der beteiligten Fahrzeuge, Bremsspuren, Splitter und Stellen, an denen Personen zu liegen gekommen sind, werden mit Sprühfarbe markiert. Außerdem machen die Polizisten Fotos, vermessen den Unfallort und fertigen anschließend Skizzen an - mit Blick auf mögliche Gerichtsverhandlungen.

4500 "richtige"
Alkomat-Tests

Den Mitarbeitern stehen beim VUK Hilfsmittel wie ein Kamerastativ zur Verfügung, das auf bis zu acht Meter Höhe ausfahrbar ist. Der Fotoapparat wird dann via Tablet vom Boden aus ausgelöst. Im sogenannten Rüstteil im Heck des Fahrzeugs befinden sich auch Scheinwerfer, Absperrmaterial, Maßband und ein Besen sowie eine Sanitäreinheit mit einem Kanister Wasser, Flüssigseife und Desinfektionsmittel.

Zwischen Fahrerkabine und Rüstteil ist der Büroteil mit Sitzen, Laptop und Alkomat angesiedelt. "Wir machen 4500 ‚richtige‘ Alkomattests im Jahr - keine Vortests", betonte Kramser. Drogenvortestgeräte sind keine an Bord. Beteiligte und Zeugen werden gleich an der Unfallstelle schriftlich einvernommen. Dabei habe man es "nicht mit bösen Buben zu tun" wie andere Polizisten - ein Unfall könne jedem passieren.

Betroffenen eines Unfalls rät Kramser, wenn niemand Erste Hilfe benötigt, sicherheitshalber gleich selbst Fotos von der Unglücksstelle zu machen. Er appelliert dabei, die Intimsphäre von Beteiligten nicht zu verletzen. Die Arbeit des VUK werde selten von Schaulustigen behindert, jene von den zuerst eintreffenden Einsatzkräften schon, so Kramser. Da jeder Unfallort ein Tatort sei, könne er diesen nach dem Sicherheitspolizeigesetz auch räumen lassen.




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Dokument erstellt am 2018-07-03 18:16:46


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