• vom 05.07.2018, 17:00 Uhr

Stadtleben

Update: 05.07.2018, 17:13 Uhr

Baupolizei

"Momentan sind sie alle brav"




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  • Baupolizei hat in Wien 80 Abriss-Stopps verhängt. Nun muss MA 19 entscheiden, ob Gründerzeithäuser erhaltenswert sind.

Das "Sperl-Haus" in Wieden.

Das "Sperl-Haus" in Wieden. Das "Sperl-Haus" in Wieden.

Wien. (dab/apa) Neue Regelungen in der Wiener Bauordnung haben in den vergangenen Tagen zu Baustopps geführt. Rund 80 Baustellen sind davon betroffen, erklärte Rainald Löscher von der Baupolizei (MA 37) am Donnerstag. Der Hintergrund: Nach einem Beschluss im Landtag gelten seit 1. Juli 2018 strengere Regeln für den Abriss von Altbauten.

Die Arbeit an den Baustellen musste wegen fehlender Genehmigungen vorerst eingestellt werden. Die Novelle der Bauordnung schreibt nämlich vor, dass bei Gründerzeithäusern - also Gebäuden, die vor 1945 errichtet worden sind - zwingend eine Überprüfung durch die MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) vorgenommen werden muss. Der Baustopp gilt so lange, bis die MA 19 entschieden hat.

Mit dem Abbruch darf nun erst dann begonnen werden, wenn die MA 19 zum Schluss kommt, dass das jeweilige Haus aus architektonischen oder Gründen des Stadtbilds oder öffentlichen Interesses nicht erhaltenswert ist. Ist der Bauzustand derart schlecht, dass die Instandsetzung technisch unmöglich oder nur durch wirtschaftlich unzumutbare Aufwendungen bewirkt werden kann, kann positiv entschieden werden.

Die Radetzkystraße 24-26.

Die Radetzkystraße 24-26. Die Radetzkystraße 24-26.

Abrisse von Häusern in letzter Minute

Ursprünglich wollte der Gemeinderat die Bauordnungsnovelle erst im Herbst beschließen. Einige Eigentümer nützten die Zeit vor dem Inkrafttreten jedoch für schnelle "Last-Minute-Abrisse" aus. Sie demolierten in Windeseile Gründerzeithäuser, die nicht unter Denkmalschutz oder außerhalb von Schutzzonen standen - die "Wiener Zeitung" berichtete.

Die rot-grüne Stadtregierung zog den Schutzpassus für Gründerzeithäuser daher per Initiativantrag im Landtag vor. Die MA 19 muss nun entscheiden, ob diese demolierten Häuser noch erhaltenswert sind. Bisher gebe es aber über noch keinen einzigen Fall eine Entscheidung, immerhin gelte die neue Regelung ja erst seit einigen Tagen, so Löscher. Es werde täglich weiter geprüft. Weitere Baustopps können daher nicht ausgeschlossen werden.

Ob die Eigentümer nach dem Baustopp nun auch wirklich - mit Ausnahme notwendiger Absicherungsmaßnahmen - die Arbeit ruhen lassen, wird von der Baupolizei ebenfalls kontrolliert. Das dürfte bisher der Fall sein. "Es hat noch niemand weiter abgebrochen. Momentan sind sie alle brav", wie Löscher versicherte.

Betroffen von den Baustopps sind etwa das "Sperl-Haus" in Wieden und das 170 Jahre alte Gründerzeithaus in der Radetzkystraße 24-26. Letzteres Objekt hatte für besonderes Aufsehen gesorgt. Die Eigentümer hatten mit den Abbrucharbeiten des Daches ohne Rücksicht auf die noch dort lebenden Altmieter begonnen. Bis zur Entscheidung der MA 19 müssen die Mieter nun in den demolierten Häusern leben. Sie haben eine Petition zur Erhaltung des Hauses gestartet.

Für manche betroffene Objekte kam der vorläufige Schutz laut "Standard" aber zu spät: Sie wurden in der vergangenen Woche noch so schnell abgerissen, dass nun nur noch die Schutthaufen abtransportiert werden müssen.

Gaal ist zufrieden, WK will rasche Entscheidung

Im Büro von Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) ist man mit der Verschärfung in der Novelle höchst zufrieden. Die Neuerung trage nicht zu einer "behutsamen Stadterneuerung" bei und sei ein "effektiver Schutz für Mieter im Altbau.

Die Wirtschaftskammer appelliert indes an die MA 19, rasch zu entscheiden. "Die Bauinnung ist bestrebt, mit den Behörden die nun zu erwartenden Fristen abzuklären. Speziell für bereits begonnene Arbeiten ist eine rasche Information der Betriebe und Bauherren wichtig, um finanzielle Schäden zu vermeiden", hieß es am Donnerstag.

Denn verzögerte Abbruchmaßnahmen würden sich auch direkt auf die Beschäftigung auswirken: "Nicht nur die Abbruchteams können nicht weiter ihrer Tätigkeit nachgehen, sondern auch die Gewerbe, welche die Neuerrichtung durchführen, sind direkt betroffen. Ein Kurzhalten der zeitlichen Verzögerung ist daher von extremer Wichtigkeit." Wie viele Jobs betroffen sind oder die Höhe der zu befürchtenden finanziellen Einbußen konnte man in der Kammer vorerst noch nicht beziffern.





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Dokument erstellt am 2018-07-05 17:07:49
Letzte Änderung am 2018-07-05 17:13:48


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