• vom 12.07.2018, 16:36 Uhr

Stadtleben

Update: 12.07.2018, 17:43 Uhr

Otto Wagner

Geburtstagsfest als Marathon-Tour




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Von Alexander Maurer

  • 100 Jahre nach dem Tod Otto Wagners wirft eine 12-stündige Städtetour am 13. Juli einen Blick auf das breite Schaffen des Wiener Stararchitekten.

Das "Otto Wagner-Grün" war früher eigentlich beige.

Das "Otto Wagner-Grün" war früher eigentlich beige.© apa/Neubauer Das "Otto Wagner-Grün" war früher eigentlich beige.© apa/Neubauer

Wien. Wagner, Wagner. Wagner. Egal, wo man in Wien hingeht, sieht man die Handschrift des weltberühmten Wiener Stadtarchitekten - und das auch fernab der berühmtesten, nach ihm benannten Gebäude. Beispielsweise das Spital auf den Steinhofgründen oder die von ihm gebaute Villa in seinem Heimatbezirk Penzing. Dort wurde er 1841 - als der Bezirk noch eine eigenständige Wiener Vorortgemeinde war - in eine großbürgerliche Familie geboren. Mehr noch als Ludwig Förster, der Schöpfer des Arsenals, Karlskirchen-Schöpfer Johann Bernhard Fischer von Erlach oder Theophil von Hansen, zu dessen Werken der Musikverein und die Akademie der bildenden Künste zählen, hat Wagner das Wiener Stadtbild im Jugendstil entscheidend geprägt. Dementsprechend viele Wagner-Gebäude sind in Wien verstreut.

Heute wäre der Architekt 177 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass werden 36 seiner Bauwerke heute im Rahmen einer riesigen, halbtätigen Tour als groß angelegte Geburtstagsfeier abgeklappert. Aber auch wenn es bereits "verrückt" sei, eine 12-stündige Stadtführung zu veranstalten, wie Veranstalter Eugene Quinn von der Agentur Space and Place zugibt, wäre dies immer noch nicht lang genug, um alle Bauten Wagners zu besichtigen.

Information

Mehr Infos unter:
www.wienmuseum.at

Für acht von ihnen, unter anderem die S-Bahn-Station Hernals, werde keine Zeit sein, merkt Quinn an. Nichtsdestotrotz solle vermittelt werden, wie ambitioniert Wagners Architektur wirklich war und welche Wildheit und Abenteuerlichkeit bereits im Wien der Jahrhundertwende steckte, so der Stadtgestalter Quinn.

Apropos ambitioniert: Auch wenn zahlreiche Gebäude in Wien, von der Postsparkasse über die Steinhofgründe bis hin zur Otto-Wagner-Villa in Penzing die Handschrift des Architekten tragen, wurden zahlreiche Entwürfe nicht verwirklicht. Oftmals waren sie ihrer Zeit voraus oder zu aufwändig, wie eine Neugestaltung des Karlsplatzes oder die Durchstrukturierung Wiens als Metropole. Auch Wagners Lieblingsprojekt, die Umgestaltung der Wienzeile entlang des frisch regulierten Wienflusses in eine Prachtavenue, blieb unvollendet. Nur die Wienzeilenhäuser und einige Zinshäuser beim Naschmarkt zeugen von diesem Vorhaben.

Erst ab 1959er Jahre grün

Der Ausgangspunkt der zwölfstündigen Marathon-Tour ist die U4-Station Kettenbrückengasse - und damit gleichzeitig auch das erste Wagner-Gebäude am Programm. Denn eines der Glanzstücke des Architekten ist die Konstruktion der Stadtbahn, die 1898 in Betrieb ging. Die Nahverkehrsverbindung für Wien und die sie noch damals umgebenden Gemeinden ist vor allem durch die auf quadratischem Grundriss aufgebauten Stationen mit ihren Metallsäulen und Geländern bekannt. Heute werden diese von Teilen der U4 und U6 angefahren.

Auch die Stadtbahnbögen stammen aus Wagners Feder und dienen mittlerweile zahlreichen Lokalen als Unterkunft. Übrigens waren die Geländer, Säulen und Dächer der Stadtbahnstationen nicht immer grün. Die heute als charakteristisch angesehen Farbe bekamen sie laut Untersuchungen des Bundesdenkmalamts erst ab den 1950er Jahren. Die Stadtbahnstationen und zahlreichen Brückengeländer Wiens wurden seit ihrer Entstehung mehr als 15-mal gestrichen und erstrahlten zu Wagners Zeiten hellbeige.

Ausgehend von der Kettenbrückengasse führt die Tour durch 16 Bezirke, es stehen insgesamt 36 Bauten Wagners auf dem Programm. Einige von ihnen, beispielsweise das ehemalige Theater "Danzers Orpheum" im Alsergrund, können nicht betreten werden, da es sich um Privathäuser handelt. Hier werden Blicke auf die Fassade reichen müssen. "Dafür können wir uns andere Bauten ansehen, die normalerweise der Öffentlichkeit verschlossen bleiben, beispielsweise die Zentrale der Wiener Gewässer am Brigittenauer Sporn", verspricht Quinn.

Eine der beiden Löwenstatuen auf der Schleusenanlage stellt übrigens Wagner selbst dar. Auch unbekanntere Wagner-bauten wie ein Zinshaus gegenüber der Albertina, stehen auf dem Plan. "Die wenigsten wissen, dass es sich dabei um ein Wagner-Haus handelt", so Quinn.

U-Bahn-Fahrt als Städtetour

Quinn freut sich über das rege Interesse an der Führung. "Es ist eben etwas Besonderes, Wagners Geburtstag zu feiern", meint er. Für Interessierte gibt es noch eine Möglichkeit, ein Stück des Weges dabei zu sein: Um 14 Uhr startet bei der U4-Station Roßauer Lände eine geführte U-Bahn-Fahrt. "Der Historiker Johann Hödl wird beim Fahrer sitzen und den Passagieren wie ein Fremdenführer über Wagners Gebäude erzählen", so Quinn.

Nach einer kurzen Fahrt mit der U4 bis Spittelau gehe es zur Nußdorfer Straße. Auch bei den anschließenden Fahrten mit der U6 bis Gumpendorfer Straße und der U4 bis Schönbrunn wird Hödl sein geschichtliches Wissen über Otto Wagner zum Besten geben. Die nächste Führung findet am 1. September statt.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-07-12 16:44:01
Letzte Änderung am 2018-07-12 17:43:04



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