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Update: 14.07.2018, 10:05 Uhr

Fußball

"Ottakringer halten zu Kroatien"




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Von Lara Chab

  • Nach dem WM-Finale am Sonntag wird auf der "Balkan-Meile" wieder gefeiert.

Am Brunnenmarkt unterstützen auch Serben die kroatische Mannschaft.

Am Brunnenmarkt unterstützen auch Serben die kroatische Mannschaft.© Stanislav Jenis Am Brunnenmarkt unterstützen auch Serben die kroatische Mannschaft.© Stanislav Jenis

Wien. Die Ottakringer Straße war am Mittwoch im Ausnahmezustand. Jubelnde und gröhlende Fußballfans verwandelten das Gebiet in eine Party-Meile, nachdem Kroatien am Mittwoch bei der Fußball-WM England im Halbfinale geschlagen hatte. Die Polizei versuchte das Treiben mit Verkehrssperren und Einsätzen in geordnete Bahnen zu lenken. Was sich nach dem Finale am Sonntag abspielen wird, lässt sich nur erahnen. Am Freitag herrscht noch die Ruhe vor dem Sturm.

Ein paar Autos schleichen die Ottakringer Straße entlang, die Menschen sitzen bei einem Kaffee in der Sonne. Gesprächsthema Nummer 1 ist das Finale.

Information

In Österreich leben laut Angaben der Statistik Austria insgesamt 76.682
Menschen mit kroatischer Staatsbürgerschaft (Stichtag 1. Januar 2018).
In Wien sind es 22.089 Menschen, viele haben sich in Ottakring
niedergelassen. Einen großen Zuzug gab es während der Gastarbeiterwelle
Anfang der 1960er-Jahre und während des Jugoslawien-Krieges in den
1990er-Jahren.

"80 Prozent der Ottakringer halten zu den Kroaten", ist Marko überzeugt. Er sitzt an diesem sonnigen Freitagvormittag im kroatischen Café "Pitara Oroz" und diskutiert mit einem Freund. Was das Besondere dieser Mannschaft ist? "Unsere Fußballmannschaft besteht zur Gänze aus Kroaten, während die französische Mannschaft fast nur aus Schwarzhäutigen besteht. Das wäre, wie wenn ein Kroate für Österreich spielen würde - undenkbar", sagt Marko. Wohl mit einem Zwinkern, wenn man an österreichische Spielerlegenden wie Ivica Vastic denkt. Doch der Nationalismus sticht trotzdem hervor.

Auch bei den Feiern am Mittwoch blieb der teils extreme Nationalismus mancher Fans nicht verborgen. Fahnen der faschistischen Ustascha wurden geschwenkt, Zeugen berichteten von vereinzelten Sieg-Heil-Rufen. Noch am Samstag, als die Kroaten den Lokalmatador Russland besiegten, war die Stimmung gekippt. Aus Freude wurde Gefahr. Eine Frau droht durch einen Feuerwerkskörper auf einem Auge zu erblinden, eine andere erlitt einen Gehörsturz. Josip, der im "Pitara Oroz" seinen Kaffee nippt, sieht das halb so wild.

"Lasst die kurz feiern, wir haben doch auch schon tausendmal gefeiert und es ist nichts passiert", sagt der gebürtige Kroate. Er ist über die polizeilichen Maßnahmen auf der Ottakringer Straße verärgert. Seiner Ansicht nach kam es zu Ausschreitungen, weil die Polizei die Fußballfans weggedrängt habe und sich vor allem jugendliche Fans dadurch angegriffen gefühlt haben.

Zweckoptimismus und Gefahr

Beim Kroatien-Serbien-Spiel vor fünf Jahren habe es schließlich auch keine Ausschreitungen gegeben. Das, obwohl es ein "No-Go-Spiel zwischen diesen beiden Ländern war", wie er erklärt. "Da gab es lediglich eine kleine Polizeisperre zwischen dem Ottakringer Serben-Grätzl und dem Kroaten-Grätzl", so Josip. Dass die Feiern nicht ganz ungefährlich sind, ist ihm aber offensichtlich bewusst: Er habe stets auf der Ottakringer Straße gefeiert, erklärt er, doch seit der 34-Jährige Vater einer kleinen Tochter wurde, beschränkte sich sein Feiern auf daheim. Trotzdem: Am Sonntag will er es erstmals wieder auf der Ottakringer Straße krachen lassen.

Zwei Straßen entfernt vom "Pitara Oroz" ist der Brunnenmarkt. Dort sitzt eine Gruppe Serben in der Mittagssonne. Wenn es um Kroatien geht, ist Zivorad trotz Vergangenheit und Bürgerkrieg auf Kroatiens Seite: "Natürlich halte ich zu Kroatien", sagt er mit Inbrunst. Für ihn ist das Land ein Freund, da es das einzige Balkanland bei der WM ist. Die Ausschreitungen von letzter Woche hat der 67-Jährige nicht miterlebt: "Dafür bin ich zu alt. Das ist nur etwas für junge Leute. Ich hau‘ mich vor den Fernseher und hab‘ meine Ruhe." Ruhig wird es am Sonntag auf der Ottakringer Straße wahrscheinlich nicht - hoffentlich aber friedlich.





Schlagwörter

Fußball, WM, Kroatien, Finale

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-13 17:58:59
Letzte Änderung am 2018-07-14 10:05:26


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