• vom 16.07.2018, 16:35 Uhr

Stadtleben

Update: 16.07.2018, 17:10 Uhr

Suiziddrohung

Syrer sorgt für Großeinsatz vor Parlament




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexander U. Mathé

  • 26-Jähriger drohte vier Stunden lang, sich in den Tod zu stürzen, sollte er nicht "nach Hause" dürfen.

Wien/Daraa. Früh am Montagmorgen bombardierten syrische Regierungstruppen von Präsident Bashar al-Assad mit russischer Unterstützung die Provinz Daraa. Eine Fortsetzung der Offensive, die bereits seit 15. Juni läuft. Kurz nach halb zehn an diesem Montag stand ein 26-Jähriger auf dem Glascontainer vor dem in Umbau befindlichen Parlament in Wien. Er hatte einen Strick um den Hals und drohte, sich in den Tod zu stürzen. "Assad hat mit dem Bombardement meine ganze Familie getötet", schrie der junge Mann auf Arabisch. Seine Forderung: "Ich will nach Hause!" Eigentlich eine einfache Angelegenheit.

Laut Auskunft des Innenministeriums benötigt er dafür lediglich ein gültiges Reisedokument. Doch der Syrer wollte unbedingt, dass ihm seine Botschaft ein Heimreisezertifikat ausstellt. Warum, wurde nicht bekannt. Denkbar ist, dass er in Besitz eines sogenannten Konventionsreisepasses ist. Dieser gilt für alle Staaten der Welt mit Ausnahme des Herkunftsstaats. Laut der syrischen Botschaft habe der Mann bisher jedenfalls keinen entsprechenden Antrag gestellt, berichtete Polizeisprecher Daniel Fürst. Bei der Botschaft einen normalen Pass zu beantragen, wäre vielleicht einfacher gewesen.


So aber sorgte der junge Mann für einen Großeinsatz: Parlamentspolizei, Wega, Hundestaffel, Bereitschaftseinheit, dazu Feuerwehr, Rettung und sogar die mobile Intensivstation fuhren vor dem Parlament in dutzendfacher Mannstärke auf. Der Ring wurde großräumig gesperrt.

Aufgabe nach vier Stunden
Immer wieder trat der Syrer dem Tod gefährlich nahe, beugte sich auf einem Fuß über die Containerkante, setzte sich auf selbige und ließ die Füße baumeln. Gänzlich die Contenance verlor er, als die Feuerwehr ein Luftbett unter dem Container aufblies. Dieses müsse sofort verschwinden, brüllte der 26-Jährige und nahm Anlauf. Fast sah es so aus, als wäre es nun um ihn geschehen. Doch er zuckte im letzten Moment zurück.

Mit Seilen und Helmen ausgerüstet wollten Wega-Beamte zuerst über die Baustelle an die Rückseite des Containers gelangen, der für den Syrer nicht einsehbar war. Das Tor zur Baustelle war jedoch verschlossen. Einen Schlüssel konnte die Polizei nicht auftreiben, die Zeit drängte. Also machte man sich offenbar unterirdisch über das benachbarte Palais Epstein auf den Weg. Währenddessen ging der Baubetrieb munter weiter, Kräne hoben Lasten, Arbeiter hämmerten.

Mal gleichzeitig, mal abwechselnd versuchten zwei Polizeipsychologen mit Hilfe eines Dolmetschers, den Mann zur Vernunft zu bringen. Nach ersten Gesprächen wurden ein Freund und zwei Freundinnen des 26-Jährigen organisiert. Diese konnten ihn knapp vier Stunden nach Beginn des nervenaufreibenden Treibens dazu bewegen, freiwillig den Strick vom Hals zu nehmen und vom Container herunterzuklettern. Er wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.




Schlagwörter

Suiziddrohung, Syrien, Parlament, Wien

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-16 16:41:04
Letzte Änderung am 2018-07-16 17:10:58


Vor Gericht

Verbissen

Den verpflichtenden Hundeführschein für ihren Pitbull hat die Zweitangeklagte nicht gemacht (Symbolfoto). - © afp/Jack Guez Wien. Selbst nach Verhandlungsschluss kehrt keine Ruhe ein. Beschwerden hallen durch den Saal, Angeklagte und deren Angehörige umringen den... weiter




Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Initiative will Weinsorte Zweigelt umbennen
  2. Proteste gegen "Grätzl-Wall"
  3. "Machbares vom Nötigen unterscheiden"
  4. Haus in Ottakring geräumt
  5. "Die FPÖ ist eine rassistische Partei"
Meistkommentiert
  1. "Die FPÖ ist eine rassistische Partei"
  2. Birgit Hebein ist die neue Nummer 1
  3. Debatte um Zukunft der Zweierlinie
  4. 50 Euro für Schlafsack und eine warme Mahlzeit
  5. Namensschilder sollen bleiben

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Werbung