Wien/Daraa. Früh am Montagmorgen bombardierten syrische Regierungstruppen von Präsident Bashar al-Assad mit russischer Unterstützung die Provinz Daraa. Eine Fortsetzung der Offensive, die bereits seit 15. Juni läuft. Kurz nach halb zehn an diesem Montag stand ein 26-Jähriger auf dem Glascontainer vor dem in Umbau befindlichen Parlament in Wien. Er hatte einen Strick um den Hals und drohte, sich in den Tod zu stürzen. "Assad hat mit dem Bombardement meine ganze Familie getötet", schrie der junge Mann auf Arabisch. Seine Forderung: "Ich will nach Hause!" Eigentlich eine einfache Angelegenheit.

Laut Auskunft des Innenministeriums benötigt er dafür lediglich ein gültiges Reisedokument. Doch der Syrer wollte unbedingt, dass ihm seine Botschaft ein Heimreisezertifikat ausstellt. Warum, wurde nicht bekannt. Denkbar ist, dass er in Besitz eines sogenannten Konventionsreisepasses ist. Dieser gilt für alle Staaten der Welt mit Ausnahme des Herkunftsstaats. Laut der syrischen Botschaft habe der Mann bisher jedenfalls keinen entsprechenden Antrag gestellt, berichtete Polizeisprecher Daniel Fürst. Bei der Botschaft einen normalen Pass zu beantragen, wäre vielleicht einfacher gewesen.

So aber sorgte der junge Mann für einen Großeinsatz: Parlamentspolizei, Wega, Hundestaffel, Bereitschaftseinheit, dazu Feuerwehr, Rettung und sogar die mobile Intensivstation fuhren vor dem Parlament in dutzendfacher Mannstärke auf. Der Ring wurde großräumig gesperrt.

Aufgabe nach vier Stunden


Immer wieder trat der Syrer dem Tod gefährlich nahe, beugte sich auf einem Fuß über die Containerkante, setzte sich auf selbige und ließ die Füße baumeln. Gänzlich die Contenance verlor er, als die Feuerwehr ein Luftbett unter dem Container aufblies. Dieses müsse sofort verschwinden, brüllte der 26-Jährige und nahm Anlauf. Fast sah es so aus, als wäre es nun um ihn geschehen. Doch er zuckte im letzten Moment zurück.

Mit Seilen und Helmen ausgerüstet wollten Wega-Beamte zuerst über die Baustelle an die Rückseite des Containers gelangen, der für den Syrer nicht einsehbar war. Das Tor zur Baustelle war jedoch verschlossen. Einen Schlüssel konnte die Polizei nicht auftreiben, die Zeit drängte. Also machte man sich offenbar unterirdisch über das benachbarte Palais Epstein auf den Weg. Währenddessen ging der Baubetrieb munter weiter, Kräne hoben Lasten, Arbeiter hämmerten.

Mal gleichzeitig, mal abwechselnd versuchten zwei Polizeipsychologen mit Hilfe eines Dolmetschers, den Mann zur Vernunft zu bringen. Nach ersten Gesprächen wurden ein Freund und zwei Freundinnen des 26-Jährigen organisiert. Diese konnten ihn knapp vier Stunden nach Beginn des nervenaufreibenden Treibens dazu bewegen, freiwillig den Strick vom Hals zu nehmen und vom Container herunterzuklettern. Er wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.