- © apa/Neubauer
- © apa/Neubauer

Wien. Am Montag wurde heftig diskutiert: Sind Käsekrainer teil des Essensbanns? Oder werden die knackigen, käsigen Würste doch vom Verbot verschont? Wo zieht man die Grenze zwischen zumutbar und abstoßend? Diesen Fragen müssen sich Öffi-Stadträtin Ulli Sima und die Wiener Linien nach der Ankündigung, stark duftende Gerichte in der U6 nun zu verbieten, stellen. In nächster Zeit soll eine Liste ausgearbeitet werden, welche Gerichte dieses Verbot betrifft. In Zusammenarbeit mit den Öffi-Nutzern soll ausgearbeitet werden, welche Speisen schließlich auf der Verbotsliste landen. Einen fixen Platz auf der Liste haben aber schon die üblichen Verdächtigen: Pizza, Kebab, Leberkäse und Nudelgerichte.

Das am Samstag verkündete Verbot soll hauptsächlich die für die U6 typischen, unangenehmen Düfte vermindern. "Wer mag schon den Duft von Thunfischpizza oder Kebab auf seiner Fahrt ins Büro oder nach Hause?", sagt Stadträtin Ulli Sima dazu. Die durch diese Gerichte entstehende Geruchsbelästigung in den Zügen sei schließlich ein Anliegen vieler U6-Fahrgäste, heißt es in einer Aussendung ihres Büros. Seit Jahren werde bereits mit Appellen versucht, das Problem in den Griff zu bekommen. Leider vergeblich. Mit dem Verbot werde das Problem nun aber wirklich in Angriff genommen.

Ausweitung des Verbots möglich

Neben dem unangenehmen Geruch sollen durch die Speisen zudem Verunreinigungen entstehen. Durch Saucen und Überreste sollen Sitzplätze oft schmutzig und somit unbenutzbar sein. Dazu meint Sima: "Der Reinigungsaufwand in den Zügen ist enorm und kostet viel Geld". Die Verminderung der Reinigungskosten soll daher ein positiver Nebeneffekt des Essensverbots sein. Für Beschwerden hat die Öffi-Stadträtin kein Verständnis. Da die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der U6 laut Sima bei circa zehn Minuten liegt, ist es ihrer Meinung nach den Fahrgästen zumutbar, "die wenigen Minuten ohne starkriechende Speisen auszukommen".

Der Pilotversuch wird mit einer großen Info-Offensive gestartet, bei der unter anderem mit Durchsagen in den Stationen, Stickern und Plakaten auf das Essensverbot hingewiesen wird. Zudem soll die Botschaft auch auf den Abfahrts-Anzeigetafeln angezeigt und von Security- und Service-Mitarbeitern verbreitet werden. Zusätzlich wird bei diesem ersten Schritt beobachtet, wie dieses Verbot beiden Passagieren ankommt. Bei einem Verstoß der neuen Regelung soll vorerst nicht bestraft werden. Die Höhe der künftigen Strafen wurde auch noch nicht festgelegt. Wie lange der Pilotversuch dauern wird, ist offen. Wenn der Pilotversuch in der U6 gut funktioniert, hält Sima eine Ausweitung des Verbots auf andere Linien für durchaus möglich. Essensverbote wie dieses gelten bereits in vielen Städten auf der ganzen Welt. Beispiele dafür sind Berlin, Singapur, Hongkong oder auch Basel. In Berlin herrscht beispielsweise ein generelles Ess- und Trinkverbot in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dort können die Fahrgäste mit "offenen Speisen und offenen Getränken" nicht in die Öffis einsteigen. Wien nimmt sich zwar ein Beispiel an Berlin, trotzdem werden Getränke hier aber erlaubt bleiben. So können Kaffee, Kakao und Tee in der U6 weiterhin ungestört konsumiert werden.

"Cooling-Paket" gegen Schweißgerüche

Neben Pizza, Kebab und Leberkäse sollen oft auch die Passagiere selber für unangenehme Gerüche sorgen. Da die U6 großteils oberirdisch fährt, heizt diese sich im Sommer besonders auf. Die Hitze verursacht zum einen Schweißausbrüche bei den Passagieren, andererseits sorgt sie auch dafür, dass diese Gerüche dann umso intensiver wahrgenommen werden. Um hier zumindest temporär Abhilfe zu verschaffen, verteilte Ulli Sima gemeinsam mit Wiener Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl bei der Station Währinger Straße Deodorants. Von diesen wurden von den Wiener Linien insgesamt 14.000 Stück zur Verfügung gestellt, die bei vier Stationen verteilt werden.

Diese Aktion ist Teil eines "Cooling-Pakets", das für Abkühlung in der U6 sorgen soll. Im Rahmen dieses Pakets sollen Lüftungskiemen und Spezialfolien für sofortige Abkühlung sorgen. Zudem wird in den nächsten Monaten in einem Testfahrzeug eine neue Klimaanlage getestet. Bei erfolgreicher Testphase soll diese in den unklimatisierten Waggons schrittweise installiert werden.