• vom 23.07.2018, 17:44 Uhr

Stadtleben

Update: 23.07.2018, 18:41 Uhr

Vor Gericht

Ende mit Fluchtversuch




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Von Daniel Bischof

  • Zwölf Jahre Haft für einen Mann, der eine Jugendliche missbraucht haben soll. Nach der Urteilsverkündung ging es turbulent zu.

Für den Angeklagten, der sich auf freiem Fuß befand, klickten noch im Gerichtssaal die Handschellen. - © dpa/Patrick Pleul

Für den Angeklagten, der sich auf freiem Fuß befand, klickten noch im Gerichtssaal die Handschellen. © dpa/Patrick Pleul

Wien. Zwölf Jahre Haft. So lautet das - nicht rechtskräftige - Urteil gegen einen Zeitungszusteller, der eine Jugendliche in seinem Auto missbraucht haben soll. Noch im Gerichtssaal wurde über den 25-Jährigen, der sich bisher auf freiem Fuß befand, die Untersuchungshaft verhängt. Auf dem Weg in die Justizanstalt wagte er dann auf offener Straße einen Fluchtversuch. Vergeblich. Zwar konnte er sich kurzzeitig von den drei ihn bewachenden Polizisten losreißen. Alsbald wurde er aber wieder eingefangen. Laut Polizeisprecher Paul Eidenberger half dabei ein Passant mit: Er stellte dem Flüchtenden auf der Wickenburggasse ein Bein.

Es ist ein turbulenter vorläufiger Abschluss einer Strafsache, die schon bisher viel Staub aufgewirbelt hat. Denn bereits im Mai hatte es eine erste Verhandlung gegen den Angeklagten gegeben. Damals war der auf freiem Fuß befindliche Mann vom Landesgericht für Strafsachen wegen Flucht- und Tatbegehungsgefahr in U-Haft genommen worden. Dagegen legte der Inder Beschwerde ein, der das Wiener Oberlandesgericht Folge gab. Er wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, woraufhin er ein Flugzeug nach Indien bestieg - aber nur, um seine kranke Mutter zu besuchen, wie Verteidiger Nikolaus Rast betonte.


"Lasse sie irgendwo aussteigen"
Zum Verhandlungstermin am Montag tauchte der Mann dann auch - wie von Rast versprochen - wieder auf. Den Saal 203 im Wiener Straflandesgericht verließ der zuvor noch freie Mann nach der Urteilsverkündung nun wieder als Untersuchungshäftling.

Denn der Schöffensenat (Vorsitz: Stefan Apostol) schenkte den Ausführungen des Angeklagten keinen Glauben. Er bestreitet, die Jugendliche am 22. Dezember 2017 vergewaltigt zu haben. Der Sex sei einvernehmlich gewesen.

Fest steht: Die Jugendliche, die eine äußerst schwierige Kindheit durchlebt hat, besuchte am Vorfallstag mit ihrer Mutter einen Christkindlmarkt. Es wurde getrunken, ein Streit zwischen den beiden brach aus. Das Mädchen seilte sich ab und irrte alleine im Freien auf der Straße herum. Zwischen drei und vier Uhr nachts fuhr der Angeklagte, der gerade seine Kunden belieferte, mit seinem Lieferwagen an ihr vorbei.

Sie habe ihm gezeigt, dass er anhalten solle, so der Mann. Das habe er getan, worauf sie eingestiegen sei. "Ich habe sie gebeten, dass sie wieder aussteigt." Diesem Wunsch sei sie nicht nachgekommen, daher sei er mit ihr weitergefahren: "Ich dachte mir, ich lasse sie irgendwo aussteigen." Das Mädchen habe zwar schon etwas getrunken, insgesamt habe sie aber einen guten Eindruck gemacht. Laut Anklage wurde sie von dem Mann hingegen in einem verweinten Zustand aufgelesen. Er soll ihr versprochen haben, sie nach Hause zu bringen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-23 17:50:08
Letzte Änderung am 2018-07-23 18:41:50


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