• vom 05.08.2018, 08:00 Uhr

Stadtleben


Autorennen

Mit Tempo 150 bis zur nächsten Ampel




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Von Lara Chab

  • Illegale Straßenrennen sind in. Kontrollen und bauliche Maßnahmen sollen ihnen den Garaus machen.

- © Getty Images/Emanuel M. Schwermer

© Getty Images/Emanuel M. Schwermer

Wien. Sie treffen sich am Samstagabend. Bei einer Tankstelle auf der Triester Straße oder beim Matzleinsdorfer Gürtel. Locker plaudern die jungen Männer miteinander, bis jemand das Zeichen gibt. "Fahr’ ma raus!", sagt einer von ihnen. Dann geht es los. Die nahegelegene Autobahn wird aufgesucht, der richtige Abschnitt ausgewählt - und ab geht die Post. Ohne Rücksicht auf Tempolimits wird gegeneinander gerast.

Bei solchen Treffen nehmen rund 150 aufgetunte Fahrzeuge teil - letztlich bleibt aber nur eine kleine Gruppe über, die sich wirklich auf ein Rennen einlässt, sagt Michael Takács, Leiter der Verkehrspolizei Wien. Zu ihnen gehört auch ein Tankstellenmitarbeiter. Der Mann Mitte 20 nimmt regelmäßig bei den Treffen und Rennen teil. Seinen Namen will er in der Zeitung nicht lesen.


Offen plaudert der junge Mann über seine Leidenschaft. Audi, BMW und Mercedes seien bei den Treffen am meisten vertreten, erzählt er. "Alles, was stark ist halt", sagt er grinsend. Frauen sehe man in der männerdominierten Gemeinschaft nur manchmal - sie sind die Freundinnen der Raser. Wie lang die Rasereien dauern würden? Das sei immer unterschiedlich, erklärt der Tankstellenmitarbeiter.

Der junge Mann passt altersmäßig in das Bild des Durchschnittsrasers. Wie Takács erklärt, gehören der Szene vor allem junge Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren an. Sie stammen zumeist aus ex-jugoslawischen Ländern. Bis zu 70.000 Euro investieren die Autofanatiker in den Umbau ihrer "heiligen" Karosse.

"Desto lauter muss
er agieren"

Doch was treibt diese jungen Männer an? Ob es sich nun um illegale Rennen auf der Autobahn oder Roadrunner, die auf Straßen wie der Triester Straße oder am Gürtel verbotene Rennen veranstalten, handelt, eines steht fest: Sie definieren sich stark über das Autofahren, um ihr Selbstbewusstsein aufzuwerten. Dabei messen sich die jungen Männer mit ihren getunten Autos, wobei das Präsentieren natürlich im Fokus steht. "Je minderwertiger sich jemand fühlt, desto lauter muss er agieren", meint Verkehrspsychologe Gregor Bartl.

Die Rennen der Roadrunner werden meist von zwei oder drei Leuten vereinbart, die einen Straßenabschnitt für das illegale Rennen aussuchen, erklärt Takács. Die geplante Strecke wird zuvor abgefahren - meist beträgt sie nur einen Kilometer, manchmal geht es auch nur von einer Ampel bis zur nächsten.

Um den Rasereien Einhalt zu gebieten, versucht die Polizei, getunte Autos aus dem Verkehr zu ziehen. So könne es zwar nicht verhindert werden, wenn ein Auto illegal getunt werde, aber zumindest könne bei Schwerpunktaktionen eine technische Überprüfung von sichtbar veränderten Autos durchgeführt werden, so Takács.

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Schlagwörter

Autorennen, Roadrunner, Raser, Verkehr

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Dokument erstellt am 2018-08-03 17:08:24


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