• vom 08.08.2018, 08:32 Uhr

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Update: 08.08.2018, 09:09 Uhr

Hitzewelle

Obdachlosen setzt Rekordhitze in Wien zu




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Von WZ Online, APA

  • Sozialarbeiter helfen mit Wasser, Sonnencreme und Fußbädern.

Obdachlose finden wegen der hohen Frequentierung an öffentlichen Plätzen keine Rückzugsorte.  - © APA, dpa, Paul Zinken

Obdachlose finden wegen der hohen Frequentierung an öffentlichen Plätzen keine Rückzugsorte.  © APA, dpa, Paul Zinken

Wien. Zu warme Kleidung, so gut wie keinen Zugang zu gekühlten Räumen und lange Aufenthalte in der prallen Sonne. Die ungebrochene Hitzewelle stellt für eine Bevölkerungsgruppe eine besondere Herausforderung dar: Wiens Obdachlose müssen derzeit durch die hohen Temperaturen mit zusätzlichen Strapazen kämpfen. Sozialarbeiter helfen mit speziellen Maßnahmen.

"Obdachlosigkeit bedeutet generell Stress an 365 Tagen im Jahr", betont Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner im APA-Gespräch. Wetterextreme würden die Situation aber noch zusätzlich verschärfen. Sozialarbeiter der Caritas-Einrichtung "Gruft" seien derzeit drei Mal pro Woche an Abenden und nachts und zwei Mal in der Woche untertags unterwegs. "Wir weisen die Betroffenen darauf hin, genug Wasser zu trinken und Schattenplätze aufzusuchen", so Schwertner.

Geholfen wird mit Wasser, Sonnencreme und Kapperl

Das klingt nach No-na-Ratschlag, ist aber vor allem dann notwendig, wenn Personen auf der Straße eine psychische Erkrankung haben: "Diese Menschen können die Gefahr durch die Hitze oft nicht entsprechend einschätzen." Streetworker verteilen auf ihren Routen Wasserflaschen und Sonnencreme. Auch Kapperl werden vergeben - ebenso wie leichte Sommerschlafsäcke und T-Shirts, erklärte der Generalsekretär.

Das Thema Kleidung kennt auch Kibar Dogan, Leiterin des Tageszentrums Ester, das speziell für obdachlose Frauen Platz bietet. Menschen ohne Dach über dem Kopf hätten normalerweise ihr ganzes Hab und Gut stets bei sich und schleppten alles zu Fuß, da sie oft keinen Öffi-Fahrschein hätten. "Was man nicht in der Hand tragen kann, das zieht man an", weiß Dogan. Das hat viel zu warme Kleidung angesichts der brütenden Hitze zur Folge.

Weniger Rückzugsorte wegen Sommerfrequentierung

Obdachlose hätten zudem kaum Zugang zu klimatisierten Räumen. Das seien nämlich häufig Orte mit Konsumzwang wie Restaurants oder Cafes: "Da muss man erfinderisch werden und in Büchereien oder Shoppingcenter ausweichen." Das Tageszentrum Ester im Bezirk Mariahilf hat selbst keine Klimaanlage. Die Betreuer versuchen aber mit Einfallsreichtum ihren Klientinnen etwas Abkühlung zu schaffen, haben Ventilatoren aufgestellt und bieten sogar kühlende Fußbäder mit Mentholzusätzen an. "Die Frauen haben vom vielen Zufußgehen in der Hitze oft geschwollene Beine", erklärt Dogan. Auch hier in der Einrichtung im 6. Bezirk verteilt man Sonnencreme, darüber hinaus luftige Kleidung und auf Wunsch Badegewand bzw. -tücher.

Laut Ester-Leiterin wird es für Obdachlose im Sommer noch schwerer, Rückzugsorte bzw. Privatsphäre zu finden - denn: "Wenn es warm ist, wird der öffentliche Raum stärker frequentiert und bespielt." Das sieht auch Schwertner so: "Es wird enger."

Eine Zunahme an nötiger medizinischer Betreuung durch Dehydrierung oder Kreislaufprobleme sei aber trotz der anhaltenden Hitze bisher nicht bemerkbar, heißt es von beiden Seiten. Auch in Sachen Alkoholkonsum gebe es keine Auffälligkeiten.





Schlagwörter

Hitzewelle, Obdachlose, Wien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-08 08:47:29
Letzte Änderung am 2018-08-08 09:09:17


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